Nachrichtenagenturen: AP muss vorerst weiter an dapd liefern

Die Neuordnung der Nachrichtenagenturen geht in die nächste Runde: Laut einstweiliger Verfügung eines New Yorker Gerichts muss AP vorerst weiter die deutsche dapd beliefern. Doch der insolvente Konzern wird auf dem hart umkämpften Markt künftig wohl dem Konkurrenten dpa unterliegen.

AP-Logo: Die US-Nachrichtenagentur will ab Januar mit der dpa kooperieren Zur Großansicht
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AP-Logo: Die US-Nachrichtenagentur will ab Januar mit der dpa kooperieren

Hamburg/New York - Aufatmen bei der insolventen deutschen Nachrichtenagentur dapd: Das Medienunternehmen kann vorerst weiter Texte und Fotos der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) verwenden. Ein Gericht in New York erließ eine einstweilige Verfügung, die der dapd bis zu einer endgültigen Entscheidung der Justiz Zugriff auf das AP-Material gewährt.

Die US-Agentur AP erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme, es handele sich um eine "freiwillige" Übereinkunft. Beide Seiten hätten vereinbart, dass AP der dapd weiter "auf wöchentlicher Basis" Nachrichten liefere und dass die deutsche Agentur dafür Zahlungen leiste, teilte AP-Sprecher Paul Colford mit. Das Gericht habe dem am Montag zugestimmt. "Der Richter hat nicht über die Beendigung des Vertrags entschieden und hat noch nicht einmal die Argumente in der Frage gehört. Also hat er nicht der dapd beigepflichtet, dass der Vertrag unrechtmäßig beendet wurde", ergänzte Colford.

Damit widersprach AP der Darstellung des dapd-Insolvenzverwalters Wolf von der Fecht. Dieser hatte zuvor erklärt, dass das New Yorker Gericht der Rechtsauffassung der dapd gefolgt sei und die Agentur "vor der aus unserer Sicht unwirksamen Kündigung des Vertrags schützt".

Die dpa setzt weiter auf künftige Kooperation mit AP

AP hatte Mitte November die Zusammenarbeit mit dapd aufgekündigt. Als Grund nannte die global tätige US-Agentur den Insolvenzantrag der dapd Anfang Oktober sowie ausstehende Zahlungen. AP plant, ab 1. Januar im deutschsprachigen Raum mit dem dapd-Konkurrenten Deutsche Presse-Agentur (dpa) zusammenzuarbeiten.

Die dpa wollte gegenüber SPIEGEL ONLINE keine Stellungnahme zu der Gerichtsentscheidung abgeben. Intern geht man bei der Agentur aber davon aus, dass es wie geplant zu der vereinbarten Kooperation mit AP kommen werde. So war es im Intranet der Agentur am Mittwoch mit Hinweis auf den zweiten Gerichtstermin Mitte Dezember in New York zu lesen.

Die Agentur AP soll am 18. Dezember um 11.30 Uhr Ortszeit vor dem Gericht in New York ihre Argumente vorbringen. Zugleich dürfe AP bis zu einer endgültigen Klärung kein Material an dapd-Konkurrenten im deutschsprachigen Raum liefern. dapd wird den Angaben zufolge angehalten, wöchentliche Zahlungen an AP in Höhe von 65.000 Euro pünktlich bis freitags um 10 Uhr morgens Ortszeit zu leisten.

Deutschland gilt als einer der weltweit am härtesten umkämpften Märkte für Nachrichtenagenturen. Neben dem Marktführer dpa und der dapd konkurrieren hierzulande noch die britische Agentur Reuters, die deutsche Tochter der französischen Nachrichtenagentur AFP, die zur AFP-Gruppe gehörende Sportagentur SID, die kirchlichen Agenturen epd und KNA sowie Spezialdienste für Wirtschaftsnachrichten um Kunden aus dem Medienbereich.

bos/jul/AFP

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