Gerichtsentscheidung Tätowierer als Künstler anerkannt

Nicht jedes Arschgeweih ist Kunst, aber so mancher Tätowierer ein Künstler: Ein Farb-Stecher aus Marl hat seine Aufnahme in die Künstlersozialkasse erstritten. Das Gericht betrat damit Neuland.


Gelsenkirchen - Dieses Urteil ist ein Novum: Erstmals hat ein deutsches Gericht einen Tätowierer als Künstler anerkannt. Der Mann aus Marl hatte gegen die Künstlersozialkasse (KSK) geklagt, die ihn nicht aufnehmen wollte. Heute gab das Sozialgericht Gelsenkirchen dem 40-Jährigen Recht. Die KSK muss den Tätowierer nun versichern.

Tattoo-Kunst: Nun auch gerichtlich anerkannt
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Tattoo-Kunst: Nun auch gerichtlich anerkannt

Der Tätowierer sei international anerkannt, hieß es in der Urteilsbegründung. Diese Einschätzung sei auch durch Stellungnahmen eines Kunsthistorikers und eines Wissenschaftlers der Universität München in dem Verfahren untermauert worden.

Das Gericht stellte aber auch klar, dass es sich um eine Einzelfallentscheidung handele, da der Kläger innerhalb der Tattoo-Szene eine außergewöhnliche Stellung habe und daher für ihn der Begriff "Künstler" anzuwenden sei. Im Klartext heißt das: Stich ist nicht gleich Stich. Der gewöhnliche Arschgeweih-Stecher darf sich wohl nur wenig Hoffnung machen, nun auch in die KSK aufgenommen zu werden.

Für ihn gilt, was die Gerichte - bis hin zum Bundessozialgericht - bislang entschieden haben: Tätowierer werden als Kunsthandwerker angesehen. Eine Aufnahme in die KSK wird daher abgelehnt.

cc/ddp



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