Deutscher Presserat Name von Germanwings-Co-Pilot durfte genannt werden

Mehr Beschwerden zu einem einzelnen Ereignis gab es noch nie - jetzt hat der Deutsche Presserat entschieden, dass der Name des Germanwings-Co-Piloten Andreas Lubitz genannt werden durfte.

Germanwings-Absturzstelle in Frankreich: "Außergewöhnlich schwere Tat"
AFP/ YVES MALENFER/ DICOM/ MINISTERE DE LINTERIEUR

Germanwings-Absturzstelle in Frankreich: "Außergewöhnlich schwere Tat"


Der Entscheidung waren "intensive Beratungen" vorangegangen - jetzt hat der Deutsche Presserat entschieden: Nach Ansicht des Ethik-Kontrollorgans durfte der Co-Pilot des Germanwings-Flugs 4U9525 in den allermeisten Fällen benannt und abgebildet werden. Eine Reihe von Beschwerden wurde abgewiesen.

In der Begründung hieß es, es habe sich "um eine außergewöhnlich schwere Tat" gehandelt, "die in ihrer Art und Dimension einzigartig ist." Auch wenn durch die Nennung des Nachnamens zum Beispiel eine Identifizierung der Eltern möglich sei, habe in diesem "außerordentlichen Fall" das öffentliche Interesse an der Information über den Täter überwogen.

Beschäftigt hatte den Presserat auch, ob das Ereignis als Suizid zu behandeln sei und deshalb besondere Zurückhaltung gebiete. Jetzt verkündete er, dass dieser Gesichtspunkt im Hinblick auf die 149 weiteren Todesopfer zurücktrete.

Der Presserat entschied zudem, dass die Abbildung von Opfern und deren Angehörigen in der Regel unzulässig war. Er sprach etwa eine Rüge gegen "Bild" und "Bild Online" aus, weil mehrfach Bilder und Namen von Opfern veröffentlicht worden waren.

Insgesamt hatten 430 Menschen die Berichterstattung beanstandet. Das ist die höchste Zahl an Beschwerden zu einem einzelnen Ereignis seit Gründung der freiwilligen Selbstkontrolle der Presse. Insgesamt sprach der Deutsche Presserat im Zusammenhang mit dem Germanwings-Unglück zwei öffentliche Rügen, sechs Missbilligungen und neun Hinweise aus. Es lagen 50 Fälle mit 359 Beschwerden vor.

SPIEGEL ONLINE hatte den Klarnnamen von Andreas Lubitz in den ersten Tagen nach dem Absturz nicht genannt. Nachdem aus den veröffentlichten Ergebnissen der Ermittler eindeutig hervorgegangen war, dass der Pilot die Katastrophe herbeigeführt hatte, entschied sich die Redaktion, den Namen auszuschreiben.

eth



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