Gier nach Wachstum Die AI macht das schon irgendwie

Künstliche Intelligenz soll alles erledigen, was wir selbst einfach nicht hinbekommen. In Zukunft wird sie sogar den Verstand aller lebenden Menschen übertreffen. Na, so schwer ist das jetzt wirklich nicht.

DPA

Eine Kolumne von


Diese neue Printwerbung eines Sportartikelherstellers. Im dunstig braunen Licht rennen Menschen mit gestählten Körpern ums Überleben. Jede Katastrophe übersteht man mit ein paar neuen Scheißturnschuhen besser. Diese kopflosen Menschen, die auf unserem Planeten herumeiern und die sich einfach auf nichts einigen können, außer auf neoliberalen Quark. Der genetische Defekt, der unser Aussterben beschleunigen wird, ist die Gier nach Wachstum. Alles muss wachsen, der Mensch muss sich vermehren bis die Erde platzt, er braucht mehr Land, mehr Kleider, mehr Jachten, mehr Fabriken. Das ungezügelte, vollkommen hirnlose Herumgewachse, das sich potenzierende Mehr-Gebrülle, Mehr-Gewolle wird spätestens, wenn die Erde leergefressen und überbevölkert ist, zum Exodus führen.

Da werden sie sich drängeln, um die Rettungsboote zum Mars. Werden auf Inseln im Ozean treiben und was werden sie da tun: mehr wollen, sich vermehren, sich von den Inseln stoßen oder einfach auf dem Mars weitermachen. Bald schon soll es die AI geben, die künstliche Intelligenz, die den Verstand aller lebenden Menschen übertrifft. So schwer ist das doch wirklich nicht, wenn selbst die Superbrains, die heute 1 % der Menschheit ausmachen, einem Heer von 99 % Vollidioten gegenüberstehen. Und nein, Ruhe!, ich gehöre nicht zu dem 1 %. Ich bin gerade klug genug, um meine Dummheit zu erkennen. Immerhin eine wunderbare Gabe.

So. Die AI also. Von Menschen programmiert, was mir schon ein ungutes Gefühl gibt. Die soll es also reißen, das was wir alle nicht hinbekommen haben. Die Entwicklung zur vernetzten Intelligenz, neben der wir friedlich koexistieren, die die Arbeit erledigt und Leuten endlich Zeit schenkt für ihre Hobbys. Die da wären: sich den Schädel einschlagen und um die besseren Körper kämpfen, gegen Homosexuelle und für die größeren Elektroautos, die hipperen Cyborgersatzteile. Diese Gereiztheit da draußen, das Grundrumoren der Vulgarität. Endlich können wir alles sausen lassen, diese einengende Zivilisation, denn jetzt geht es ums recht haben. Wer recht hat, überlebt.

Was die Digitalisierung der Welt so mit sich bringt

Der Humor ist verschwunden. Nazis haben keinen Humor. Entweder hatten sie nie welchen und dachten sich: Mann, was bin ich für ein öder Vogel, dann werde ich einfach Nazi, oder rechtskonservativ, oder wie auch immer die Inselgruppen heißen, die sich gegen jede Vernunft stemmen. Oder sie verloren ihn auf dem harten Weg der politischen Arbeit. Zu dumm, um auch nur einen Bruchteil der Herausforderungen zu erkennen, die die Digitalisierung der Welt mit sich bringt, die außer Kontrolle geratene Globalisierung - zum Beispiel fehlende Impfstoffe.

Was bedeutet es, dass der afrikanische Kontinent langsam von China übernommen wird, was es meint, wenn große Gebiete der Welt unbewohnbar werden, was bedeutet es, wenn der Mensch lückenlos überwacht wird.

Was meint es, wenn Deutschlands IT-Entwicklungen um Jahre hinter denen Amerikas zurückliegen. Oder denen Chinas.

Es gibt viele kluge Menschen, die sich den Herausforderungen einer überbevölkerten, digitalisierten, globalisierten Welt annehmen. Um die Umsetzbarkeit des Grundeinkommens. Die neuen Möglichkeiten der Medizin. Erneuerbare Rohstoffe, den Umsturz des Finanzsystems durch Blockchaintechnologie und tausend anderer Bereiche mehr, die man jetzt regulieren und beobachten muss, weil sie wirkliche Chancen für die Menschheit sein können.

Statt alter Grenzen neue Denkmuster

Was würde aus der Welt und der Gereiztheit der Menschen, wenn die Medien nur noch über Projekte berichteten, die Hoffnung geben. Wenn all die Gelder, die in die Subvention der Wirtschaft verschwendet werden, in Wissenschaft und Bildung fließen würden. Wenn man die Bevölkerung am Wissen um Gefahren und Chancen unserer Zeit beteiligen würde, statt sich mit dem Rückschritt in kommunikative Barbarei und in die gesellschaftlichen Fünfzigerjahre aufzuhalten. Statt alte Grenzen und alte Denkmuster zu propagieren, könnte man sich der Öffnung des Denkens aller annehmen. Könnte. Hätte. Wollte. Amen

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insgesamt 179 Beiträge
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Seite 1
wachsame 29.07.2017
1. Guter Ansatz
aber dann zuviel Verschiedenes in einen Topf geworfen.
qwertreiber 29.07.2017
2. Falsche Wachstumsidkussion, Erderwärmung zu kurz gedacht
Ich tsimme einigen Dingen dieses Kommantars zu, einigen jedoch nicht: 1. Wachstum passiert schon durch die Vermehrung unserer Population - das hat nichts mit Gier zu tun. Alternativ können wir ja global die 1-Kind-Politik wieder einführen. Hätte ja auch Klima-Vorteile. 2. Globale Erwärmung ist per se nichts Schlechtes: Aus der Perspektive der menschlichen Rasse eher positiv, denn der Gewinn an nutzbarer Landfläche ist größer als die verlustig gehende. Und ein wahres Übel der Menschheit ist, Verhalten nicht an ein Nutzungsversprechen anpassen zu können, dass erst in fernerer Zukunft eintritt.
forumgehts? 29.07.2017
3. Es
gilt noch immer: shit in, shit out. Selbst wenn Maschinen, die von Maschinen, die von Maschinen, etc ..... programmiert werden, so steckte letztlich doch immer ein Mensch dahinter. Und damit das Problem. Aber wir schaffen uns! ;-)
lathea 29.07.2017
4. Auf die Grenzen des ...
... Wachstums hat bereits in den 70er Jahren der Club of Rom aufmerksam gemacht. Es liegt in der Natur der Tiere und Pflanzen, zu wachsen, bis es nicht mehr geht. Die Grenzen ihres Wachstums ergeben sich durch natürliche Feinde. Der Mensch hat als natürlichen Feind lediglich die Natur. Für das Austricksen der Natur haben wir nun mit unserer Medizin und unseren verbesserten Lebensbedingungen sehr viel getan. Der Mensch hat als Feind nur diejenigen Menschen, die er (wenn er unfähig ist, einen oder mehrere Konflikte gewaltfrei zu lösen) zu seinen Feinden erklärt und sie in einem Krieg versucht, zu vernichten. Und er hat als Feind eine Natur, die er momentan teilweise selbst zerstört und zu seinem Feind macht (Klimawandel, Ausbeutung der Ressourcen..). Ein Umdenken ist nicht nur wichtig, sondern mittel- und langfristig sogar notwendig. Es muss bei der Geburtenkontrolle in überbevölkerten Staaten schnellstmöglich einsetzen, wenn die Welt friedlich bleiben soll. Und es muss neue internationale gesetzliche Regelungen geben, um Geldmacht und den Geldadel weltweit einzuschränken, damit die überbevölkerten Staaten nicht weiter derart ausgebeutet werden.
ruhepuls 29.07.2017
5. Grenzen des Menschen...
Zitat von lathea... Wachstums hat bereits in den 70er Jahren der Club of Rom aufmerksam gemacht. Es liegt in der Natur der Tiere und Pflanzen, zu wachsen, bis es nicht mehr geht. Die Grenzen ihres Wachstums ergeben sich durch natürliche Feinde. Der Mensch hat als natürlichen Feind lediglich die Natur. Für das Austricksen der Natur haben wir nun mit unserer Medizin und unseren verbesserten Lebensbedingungen sehr viel getan. Der Mensch hat als Feind nur diejenigen Menschen, die er (wenn er unfähig ist, einen oder mehrere Konflikte gewaltfrei zu lösen) zu seinen Feinden erklärt und sie in einem Krieg versucht, zu vernichten. Und er hat als Feind eine Natur, die er momentan teilweise selbst zerstört und zu seinem Feind macht (Klimawandel, Ausbeutung der Ressourcen..). Ein Umdenken ist nicht nur wichtig, sondern mittel- und langfristig sogar notwendig. Es muss bei der Geburtenkontrolle in überbevölkerten Staaten schnellstmöglich einsetzen, wenn die Welt friedlich bleiben soll. Und es muss neue internationale gesetzliche Regelungen geben, um Geldmacht und den Geldadel weltweit einzuschränken, damit die überbevölkerten Staaten nicht weiter derart ausgebeutet werden.
Sie haben leider Recht: Normalerweise balanciert die Natur eine Population. Gibt es zu viele Esser und zu wenig Nahrung, dann kommen eben Hunger und Krankheiten bis die Esser wieder zum Nahrungsangebot passen. So war das über viele Jahrtausende. Der Mensch wurde von der Natur reguliert. Das haben wir inzwischen "erfolgreich" ausgeschaltet und müssten uns nun selbst regulieren, was aber natürlich unseren eigenen Instinkten widerspricht, denn die sind heute nicht viel anders als vor Jahrtausenden. Versuchen Sie doch mal den Leuten zu verbieten, Kinder zu bekommen. Oder versuchen Sie doch mal Älteren medizinische Leistungen vorzuenthalten, die lebensverlängernd wirken. Die Regierung möchte ich sehen, die das überleben würde...
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