Chinesische Fotografin Luo Yang "Wäre es okay, wenn du dich ausziehst?"

Sie gilt als eine der talentiertesten Fotografinnen des Landes: Jetzt zeigt die Chinesin Luo Yang ihre intimen Porträts in Berlin. Hier spricht sie über Nacktfotos und Frauenfreundschaften.

Ein Interview von


Zur Person
  • Xiao an
    Luo Yang, 32, stammt aus der Provinz Liaoning im Nordosten Chinas. Ai Weiwei nannte sie eines der aufstrebenden Fotografie-Talente Chinas. 2013 waren Fotografien von ihr in der von Ai kuratierten Ausstellung "FUCK OFF 2" im niederländischen Groninger Museum zu sehen. Luo arbeitet in Peking und Shanghai.

SPIEGEL ONLINE: Luo Yang, mit der Serie "Girls" porträtieren Sie seit vielen Jahren chinesische Frauen. Wie kamen Sie auf die Idee für die Serie?

Luo Yang: Anfangs hatte ich gar nicht die Absicht, nur Frauen zu fotografieren. Ich habe einfach angefangen, Leute um mich herum zu porträtieren. Aber dann habe ich festgestellt, dass ich fast nur Frauen fotografiere. Das mag auch damit zu tun haben, dass ich selbst eine Frau bin. Im Inneren sind sich alle Frauen gleich, finde ich. Ich glaube, ich kann mich besser in Frauen versetzen als in Männer. Deswegen habe ich auch immer das Gefühl, dass ich etwas von mir zeige, wenn ich eine andere Frau porträtiere.

SPIEGEL ONLINE: Wer sind die Frauen, die in "Girls" zu sehen sind?

Luo Yang: Zum größten Teil sind das Freundinnen von mir. Es sind aber auch Frauen dabei, die Internetberühmtheiten sind und die ich, nachdem ich auf sie aufmerksam geworden bin, kontaktiert habe.

SPIEGEL ONLINE: Was sind denn Internetberühmtheiten?

Luo Yang: Etwa Frauen, die im Netz Fotos von sich posten, auch Nacktfotos, oder Kunstwerke, die sie gemacht haben. Oder die in der chinesischen App WeChat aktuelle Ereignisse kommentieren und dabei witzig, direkt und mutig sind.

SPIEGEL ONLINE: Was muss eine Frau haben, damit Sie sie fotografieren?

Luo Yang: Die Frauen, die ich porträtiere, haben Ideale. Sie sind authentisch, ehrlich, pur und mutig. Das spüre ich spätestens, wenn sie vor der Kamera stehen.

SPIEGEL ONLINE: Und wie zeigt sich, ob eine Frau Ideale hat?

Luo Yang: Frauen, die anders sind, sich Regeln widersetzen und kein Nullachtfünfzehn-Leben führen, haben Ideale.

SPIEGEL ONLINE: Unter Ihren Frauenporträts sind viele Nacktaufnahmen. Zeigen sich die Frauen von sich aus nackt?

Luo Yang: Ich frage sie. Wenn ich zum Beispiel bei jemandem zu Hause bin und ein gewisses Vertrauen besteht, dann frage ich einfach: Wäre es okay, wenn du dich ausziehst? Manchmal lehnen die Frauen das auch ab.

SPIEGEL ONLINE: Warum nackt?

Luo Yang: Weil es Freiheit bedeutet. Und Reinheit und Ursprünglichkeit. Es zeigt, dass du quasi erst gerade aus dem Bauch deiner Mutter gekrochen und noch nicht von der Gesellschaft verformt worden bist.

SPIEGEL ONLINE: Auf einigen Fotos zeigen Frauen ihre Achselhaare. Im vergangenen Jahr startete eine chinesische Feministin auf WeChat einen Achselhaar-Wettbewerb und rief Frauen dazu auf, Fotos von ihrer Achselbehaarung zu posten. Sind die Fotos Ihr Statement zu der Debatte um einen selbstbestimmten Körper?

Luo Yang: In China rasieren sich die meisten Frauen unter den Achseln, um Männern zu gefallen. Wenn man sich die Achselhaare nicht rasiert, dann ist das eine Haltung, mit der man gegen diese Fremdbestimmung protestiert. Ich glaube auch, dass der gesellschaftliche Druck auf Frauen in China besonders groß ist. Frauen haben viele Freiheiten, aber in unserer Gesellschaft dominieren traditionelle Geschlechterrollen. Wenn Frauen zum Beispiel auf die dreißig zugehen, dann erwartet man von ihnen, dass sie so schnell wie möglich heiraten und Kinder kriegen. Sonst gelten sie als "übrig geblieben".

SPIEGEL ONLINE: Als Ai Weiwei ein Mal ein Nacktfoto von sich und ein paar Frauen im Netz postete, wurde ihm von der Polizei vorgeworfen, Pornografie zu verbreiten. Hatten Sie wegen Ihrer Fotos schon mal Probleme mit den Behörden?

Luo Yang: Nein, noch nie. Auch nicht mit den Galerien, in denen ich ausstelle, und mit den Magazinen, die meine Fotos drucken.

SPIEGEL ONLINE: In "Girls" zeigen Sie oft heterosexuelle Frauen mit ihren Partnern. Was ist mit lesbischen Frauen?

Luo Yang: Fotografiere ich auch, aber nicht so oft. In Berlin sind keine Fotos von lesbischen Frauen dabei. Ich interessiere mich für den Mainstream, und der Mainstream ist heterosexuell. Außerdem gibt es in China eine Art von Frauenfreundschaft, die ich faszinierend finde. Bei "Girls" gibt es zum Beispiel ein Foto, auf dem sich zwei Frauen umarmen. Sie sehen aus wie ein lesbisches Paar, sind aber Freundinnen. Zwischen manchen Frauen scheint es eine Verbundenheit zu geben, die stärker ist als bei Paaren.

Die Ausstellung "Girls" ist vom 20. Mai bis zum 5. Juni in der Berliner Galerie MO-Industries zu sehen.

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
sincere 21.05.2016
1. Nichts für ungut
aber auf Flickr tünmeln sich Fotografen aus China die wesentlich bessere Arbeiten geschaffen haben. Wir leben gerade in einer (fotografisch) sehr spannenden Zeit, es gibt sehr viel gute Fotografen da draußen die keiner kennt.
sitiwati 21.05.2016
2. wird das
nicht langsam langweilig, jede FRau zieht sich aus, im Prinzip schau dann eine aus wie die andere
maximovie 21.05.2016
3. Schöne Fotos
Sehr schöner ruhiger und natürlicher Ausdruck, auch wenn die Situationen gestellt sind.
panamalarry 21.05.2016
4. Rasiserte Achseln?
Warum werden rasierte Achseln als männliches Schönheitsideal bezeichnet? In meinem persönlichen Umfeld sind es die Frauen, die die Körperrasur vehementer vertreten. Und es sind diejenigen, die Zuwiderhandlungen gegen ihre eigenen Schönheitsideale vehementer kritisieren und vor allem andere Frauen schärfer kritisieren. Warum wird so etwas immer den Männern zugeschrieben? Sucht Euch doch endlich andere Feindbilder.
xaka 21.05.2016
5. Bei mir ist es umgekehrt ...
Zitat von sitiwatinicht langsam langweilig, jede FRau zieht sich aus, im Prinzip schau dann eine aus wie die andere
Für mich wirkt jeder Mensch nackt irgendwie einzigartiger, als angezogen.
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