Goebbels-Vergleich Scientology verteidigt Tom Cruise

Unser Tom ist sauber! Scientology hat Vergleiche zwischen ihrem Mitglied Cruise und Hitlers Propaganda-Minister Joseph Goebbels als "schändlich" abgetan - und nebenbei maliziös auf Deutschlands NS-Vergangenheit verwiesen.


Frankfurt am Main - Die umstrittenen Äußerungen des US-Schauspielers auf einem Video seien "schändlich fehlinterpretiert" worden, erklärte Scientology in Los Angeles am Montag in einer Pressemitteilung. Jeder, der Cruise kenne, wisse, dass dieser frei von Vorurteilen sei und Angehörige anderer Religionen oder Hautfarben nicht diskriminiere. Mit ihrer Stellungnahme reagierte die Organisation auf harsche Kritik aus Deutschland. Der ZDF-Historiker Guido Knopp und der Sekten-Experte Thomas Gandow hatten Cruise in der "Bild am Sonntag" auf der Grundlage einer Rede des bekennenden Scientologen, die in einem im Internet veröffentlichten Video zu sehen ist, mit Hitlers Propaganda-Minister Joseph Goebbels verglichen. Ihr Urteil: Die Rede erinnere an Goebbels' berüchtigte Sportpalast-Rede.

Cruise ruft in dem Film vor Scientology-Mitgliedern: "Should we clean this place up?" (Übersetzung der "Bild": "Sollen wir die Welt säubern?)". Darauf erwidert die Menge: "Ja!". Goebbels hatte am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast gerufen: "Wollt ihr den totalen Krieg?", was von begeisterten NS-Anhängern mit "Ja!" beantwortet worden war. Knopp warf die Frage auf, "ob Cruises Stauffenberg-Film, der im Herbst in die Kinos kommen soll, nicht doch in die Scientology-Strategie passt, um über die Person ihres Hauptdarstellers Sympathien für die Sekte zu erzeugen".

Scientology erklärte, dass das Video von einer Veranstaltung stamme, bei der es um humanitäre Projekte gegangen sei. Dazu gehöre eine Kampagne zur Verbreitung der Menschenrechte. Cruise habe sich in der Rede lediglich für einen Preis bedankt, den er für seine Verdienste um die weltweite Alphabetisierung erhalten habe. Und mit seiner umstrittenen Formulierung habe er lediglich andere aufgefordert, sich ähnlich zu engagieren.

Die Organisation wies zudem darauf hin, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ja schließlich eine Folge des Zweiten Weltkriegs und der von Deutschland begangenen Greueltaten gewesen sei - "Greueltaten, die von deutscher Propaganda ermöglicht wurden".

Der Grund für diesen Seitenhieb ist eindeutig: Deutsche Politiker diskutieren immer wieder über ein Verbot von Scientology. Die Organisation ist im Unterschied zu den USA nicht als Kirche anerkannt. Die Innenminister von Bund und Ländern erklärten im Dezember vergangenen Jahres, Scientology sei eine nicht mit der Verfassung vereinbare Organisation. Sie beauftragten den Verfassungsschutz, alle Informationen zu sammeln, die für ein mögliches vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren erforderlich sind.

tdo/AP



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