Goethe-Festwoche Meeting mit dem Dichter-Chef

Banken? Börse? Bühne! Die Geldstadt Frankfurt feiert die berühmteste Frankfurter Geistesgröße mit der Festwoche "goethe ffm". Mit dabei: Eine schlagkräftige "Faust" aus Rumänien.

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Es ist ja nicht nur so, dass jede Stadt gerne etwas hätte, auf das sie stolz sein kann. Es ist so, dass jede Stadt auf irgendetwas stolz ist – und dies laut in die Welt posaunt. Lokalpatriotismus nennt sich das Prinzip. Oder Standortmarketing. Worauf aber ist bloß Frankfurt am Main stolz? Auf den Flughafen, die Banken, die Börse? Nun ja, kann schon sein. Wirklich stolz aber ist die Stadt des Geldes auf einen Mann des Geistes, auch wenn der schon in jungen Jahren aus Frankfurt hinausstürmte und drängte: Johann Wolfgang von Goethe, der deutsche Dichter-Chef, der Vorstandsvorsitzende der hohen Literatur.

"Faust"-Gastspiel mit Kathrin Angerer als Gretchen: Multimedialer Trip
M. Horn

"Faust"-Gastspiel mit Kathrin Angerer als Gretchen: Multimedialer Trip

Ihm zu Ehren veranstaltet Frankfurt vom 28. August bis zum 7. September erneut eine extralange Festwoche namens "goethe ffm", was den alten Meister dank Kleinschrift und modischem Stadtkürzel natürlich viel jünger wirken lässt als er ist: Der 28. August ist sein 259. Geburtstag.

"Kunst macht Bildung" lautet das Motto dieses Mal, und es kooperieren deutlich mehr Institutionen als bei der ersten Auflage der Festwoche im Vorjahr: das Kulturamt, das Schauspiel, das Goethe-Museum, das Filmmuseum, das Institut für Stadtgeschichte und einige mehr.

Vor allem das Schauspiel hat einiges zu bieten: Die von Frankfurts Konservativen oft kritisch beäugte Intendantin Elisabeth Schweeger startet mit der Festwoche in ihre achte und letzte Frankfurter Spielzeit, die sie unter das hübsch-selbstironische Motto "hin und weg" gestellt hat.

Ihr Haus stemmt drei Premieren: Urs Troller inszeniert Goethes "Torquato Tasso", André Wilms kombiniert Peter Hacks' "Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe" mit Becketts "Letztem Band", und Dietmar Löffler bringt den Liederabend "Zum Teufel mit Goethe!" auf die Bühne.

Dazu gesellen sich drei "Faust"-Gastspiele. Sebastian Baumgarten zeigt einen multimedialen Trip durch das Drama, den die Rezensenten nach der Premiere am Schauspiel Hannover im vergangenen Oktober vor allem für die beiden Hauptdarstellerinnen Sonja Beißwenger als Mephistopheles und Kathrin Angerer als Gretchen lobten. Beißwenger ist in Frankfurt allerdings nicht dabei; ihren Part übernimmt Nicola Gründel.

In "Faust Fantasia" steht Regisseur Peter Stein zur Abwechslung einmal selbst auf der Bühne und interpretiert "Faust"-Verse, begleitet von Giovanni Vitaletti am Piano. Aus Sibiu kommt eine Inszenierung des berühmtesten Goethe-Stückes, die vom Verband der rumänischen Theater mit zwei Preisen ausgezeichnet wurde: für das beste Bühnenbild und für die beste Hauptdarstellerin Ofelia Popii als Mephisto. Gezeigt wird sie im herrlichen Bockenheimer Depot, das seit dem Aus für das dortige TAT viel zu selten bespielt wird.

Im vergangenen Jahr waren übrigens sämtliche Festwochen-Aufführungen von Goethe-Stücken im Schauspiel ausverkauft. Wer dieses Jahr dabei sein will, sollte also schnell sein – oder auf's Filmmuseum ausweichen: Dort laufen Goethe-Stoffe auf der Leinwand, unter anderem Peter Gorskis "Faust"-Film mit Gustaf Gründgens in seiner Paraderolle als Mephisto. Das Werk ist ein Film, sicher, und doch ist es ein Stück Theatergeschichte.


Festwoche "goethe ffm": 28. August bis 7. September, Informationen und Programm unter Stadt Frankfurt, Schauspiel Frankfurt, Goethe-Haus und Deutsches Filmmuseum.



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