Goldene Kamera: Kreisch-Alarm und ein Hauch von Hollywood

Chuck Berry, Robert de Niro, Martin Scorsese und Kylie Minogue: Berlin ist im Starfieber. Doch für Ohnmachtsanfälle und Kreischgewitter sorgte bei der 43. Verleihung der Goldenen Kamera im Axel-Springer-Haus die Band Tokio Hotel.

Berlin - Glanz und Glamour bereits am Vorabend der Berlinale-Eröffnung: Zur 43. Verleihung der Goldenen Kamera in Berlin sind am Abend Weltstars wie Chuck Berry, Robert de Niro, Hilary Swank und Kylie Minogue gekommen. Sie zählten - wie Entertainer Alfred Biolek - zu den Preisträgern des Film- und Fernsehpreises der Zeitschrift "Hörzu". Mehrere 100 Fans bereiteten Stars und Sternchen einen glanzvollen Empfang auf dem roten Teppich vor dem Axel-Springer-Haus.

Für Glanz sorgten aber nicht nur die Preisträger. Gekommen waren unter anderem auch Til Schweiger, Mario Adorf, Julia Jentsch, Ulrich Tukur, Martina Gedeck und Jessica Schwarz.

Die erste Trophäe bekam Schauspielerin Ulrike Krumbiegel ("Polizeiruf 110 - Jenseits") als beste nationale Schauspielerin. Sie freute sich sichtlich über ihren "Sechser im Lotto" und bat daraufhin erst einmal Hollywoodstar de Niro "auf Knien" um ein Autogramm. Ebenfalls nominiert waren in dieser Kategorie Jessica Schwarz und Katharina Wackernagel.

Matthias Brandt wurde als bester Schauspieler ausgezeichnet. Der Sohn von Ex-Kanzler Willy Brandt wurde für seine Rollen in "Am Ende der Straße" und " Contergan" geehrt. Er setzte sich damit gegen die ebenfalls nominierten Burghart Klaußner und Ulrich Tukur durch.

Hauptstadt im Starfieber

Insgesamt gab es 13 Kategorien. Drei Preisträger für das Lebenswerk standen schon vorab fest: Oscar-Preisträger de Niro war einer der drei. Umjubelt gab er sich bescheiden, fast schüchtern. Die Trophäe übergab sein alter Freund und Weggefährte Martin Scorsese, der heute auch den Berlinale-Eröffnungsfilm "Shine A Light" über die Stones präsentiert. "Er lebt die Charaktere", lobte Scorsese de Niro. Auf Deutsch bedankte sich de Niro: "Ich bedanke mich für die Ehre."

Rock'n'Roll-Legende Chuck Berry sagte, er wünsche sich so sehr, "ein bisschen deutsch zu sprechen". Da das der 81-Jährige aber nicht kann, sang er lieber schwungvoll "Roll over Beethoven", tanzte dazu und brachte das Publikum zum mitswingen - und nahm anschließend vor rund 900 Gästen die Kamera für sein Lebenswerk in Empfang.

Alfred Biolek bekam nicht nur einen der Ehrenpreise fürs Lebenswerk, sondern als Überraschungsgast Helen Schneider präsentiert. Die hatte 1978 in seiner Sendung "Bio's Bahnhof" ihren Durchbruch mit dem Volkslied "Sah ein Knab ein Röslein stehn" geschafft, das sie auf speziellen Wunsch Bioleks singen müsse. Schneider nahm nun Revanche - und bat Biolek zum Duett. Zusammen sangen sie voller Schmelz das Lied.

Swank, Minogue und Tokio Hotel

Weitere Höhepunkte waren die Ehrungen der anderen internationalen Stars: Oscarpreisträgerin Hilary Swank ("Boys Don't Cry"), deren neuer Film "P.S. Ich liebe Dich" gerade in den Kinos läuft, erhielt von Til Schweiger den Preis in der Sparte "Beste Schauspielerin international". Die 33-Jährige kam in einem ärmellosen, schwarz-silbern glänzenden Kleid auf die Bühne und bedankte sich lachend auf Deutsch: "Guten Abend, vielen Dank."

Boris Becker freute sich sichtlich, der australischen Pop-Diva Minogue die Trophäe überreichen zu können. Diese sei für ihn nach Überwindung ihrer Brustkrebserkrankung ein Vorbild, niemals im Leben aufzugeben. Die 39-jährige Minogue, im sexy-schwarzen Hosenanzug, bedankte sich beim Publikum für die Unterstützung der letzten Jahre und sang anschließend den Song den Song "In my arms".

Bereits im Vorfeld kamen Gerüchte über eine angebliche Versöhnung mit Ex-Freund Olivier Martinez auf. Doch bereits auf dem Weg nach Berlin ließ die Australierin mitteilen: "Ich habe mit meinem Ex-Freund lediglich zu Abend gegessen. Wir lassen es dabei, nur Freunde zu sein"

In der Sparte Musik National wurde die Magdeburger Gruppe Tokio Hotel ausgezeichnet. Bereits am Roten Teppich wurden sie laut kreischend von Hunderten gefeiert. Auf der Bühne scherzte Tokio-Hotel-Sänger Bill über die kursierenden Gerüchte zur Band, von Sex-Affären bis zur angeblichen Magersucht. "Wir sind auf jeden Fall vier gute Gründe, keine Kinder zu kriegen", sagte Bill augenzwinkernd.

Auch Preisträger Stefan Raab ("Schlag den Raab") riss seine Witzchen: "Liebe ZDF-Zuschauer, tut mir leid, dass Sie das noch erleben müssen", sagte der ProSieben-Moderator, als er die Goldene Kamera für die beste Unterhaltungsshow bekam. Er konnte sich gegen "Pilawas großes Geschichtsquiz" (ARD) und "Rach, der Restauranttester" (RTL) durchsetzen.

Zur Wahl in der Sparte "Beste Information" standen drei ARD-Filme: "Helmut Schmidt außer Dienst", "Die RAF" und "Das Schweigen der Quandts". Sandra Maischberger und Jan Kerhart gewannen die Trophäe für ihr Schmidt-Porträt.

Als Bester deutscher Fernsehfilm setzte sich "Contergan" im Urteil der Jury gegen die ebenfalls nominierten Filme "Angsthasen" (ARD) und "Die Todesautomatik" (ZDF) durch. Der Zweiteiler von Adolf Winkelmann zeichnet anhand des Schicksals einer betroffenen Familie den Skandal um das Schlafmittel Contergan nach. Lange Zeit war unklar, ob das Werk im Fernsehen gezeigt werden darf. Das Pharmaunternehmen Grünenthal hatte sich gegen die Ausstrahlung des Films durch mehrere Instanzen geklagt. Erst das Bundesverfassungsgericht entschied endgültig zugunsten einer Ausstrahlung der bereits im Januar 2006 abgedrehten Produktion.

Produzent Michael Souvignier betonte, es sei ein langer Kampf gewesen. Sie würden weiterhin von Grünenthal verklagt, sagte er. Dennoch werde der Film Ende des Monats ins Kino gebracht.

Als bester Nachwuchsschauspieler gewann Ludwig Trepte die mit 20.000 Euro dotierte Lilli Palmer & Curd Jürgens Gedächtniskamera. Als beste Fernsehkommissarin wählten die "Hörzu"-Leser Maria Furtwängler.

Star-Rummel geht weiter

Mit der Goldenen Kamera werden herausragende Leistungen in Fernsehen und Film ausgezeichnet. Sie wird seit 1965 vergeben. Die Veranstalter hatten bereits im Vorfeld betont, es gebe dieses Mal feste Kategorien, die nicht beliebig wechseln. Im letzten Jahr hatte es für Pierce Brosnan die "Spezial-Kategorie Umweltschutz" und für Simon Rattle die "Spezial-Kategorie Integration" gegeben.

Der Starrummel in der Hauptstadt setzt sich am Donnerstag nahtlos fort. Zur Eröffnung der Berlinale werden die Rolling Stones erwartet, um Martin Scorseses Dokumentarfilm "Shine A Light" über die Band zu präsentieren. Neben Festival-Direktor Dieter Kosslick sollen dann Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts über den roten Teppich vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz marschieren. Bis zum 17. Februar sollen unter anderen Größen wie Madonna, Patti Smith und Neil Young sowie Schauspiel-Stars wie Julia Roberts, Penélope Cruz, Scarlett Johansson und Ben Kingsley der Stadt ihre Aufwartung machen.

cjp/AP/ddp/dpa

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