Gratis-Theater: Eintritt frei für junge Briten

Großbritanniens Jugend braucht mehr Kultur. Das findet zumindest die Labour-Regierung - und verteilt jetzt Theater-Freikarten an junge Menschen. Gut möglich, dass andere Kulturbetriebe dem bald folgen.

London - Wie der "Guardian" am Dienstag berichtete, will die Labour-Regierung 2,5 Millionen britische Pfund für das Theaterprojekt bereit stellen. In bis zu 95 Theatern hätten junge Leute zwischen 18 und 26 Jahren dann freien Zutritt.

Großbritanniens Kulturminister Burnham: Gratis-Theater für die Jugend
REUTERS

Großbritanniens Kulturminister Burnham: Gratis-Theater für die Jugend

Das Programm soll laut "Guardian" im Februar nächsten Jahres starten und zunächst für zwei Jahre laufen. Zu den beteiligten Theatern gehören etwa das Birmingham Repetory Theater und die Londoner Spielstätten Young Vic und National Theatre.

Interessierte müssen jedoch schnell sein: Die Zahl der Freikarten ist begrenzt - und auch bei der Auswahl der Vorstellungen werden sich die jungen Theaterliebhaber wohl einschränken müssen.

Auf dem Parteitag in Manchester lobte der Labour-Abgeordnete und Kulturminister Andy Burnham das Programm. Kunst sei gleichbedeutend mit "Lebensqualität" sagte er dem "Guardian". Theater könne "das Leben von Menschen verändern, ihnen neue Einblicke geben, ihren Horizont erweitern und ihnen helfen, ihr eigenes Potential auszureizen", äußerte sich Burnham weiter.

Als Anregung für das jetzige Projekt gilt ein Bericht zur Zukunft der britischen Kunst vom Januar dieses Jahres. Der ehemalige Direktor des Edinburgh International Festival, Brian MacMaster, hatte darin vorgeschlagen, öffentlich geförderte Kunstbetriebe für eine Woche im Jahr kostenlos zu öffnen.

Demzufolge habe sich längst gezeigt, dass die britische Öffentlichkeit gut auf vergünstigte Angebote reagiert.

Ermäßigte Karten, wie etwa die Travelex-Saisontickets des National Theatre oder die Fünf-Pfund-Angebote der Royal Shakespeare Company, kämen bei Kulturliebhabern gut an, so der "Guardian". Preisnachlässe für junge Leute seien in vielen Häusern längst üblich.

Inzwischen bieten manche renommierte Theaterbetriebe "pay-what-you-can"-Abende an, an denen die Besucher den Preis für ihr Tickets selbst bestimmen; also frei nach dem Prinzip "Zahl-was-du-dir-leisten-kannst".

Burnham schoss im "Guardian" auch gegen die konservative Tory-Partei. Die betrachte das Theater als Luxusgut ausschließlich für diejenigen, die es sich leisten können.

Das jetzige Programm wird sich zunächst rein auf Theaterangebote beschränken. Eine Ausweitung auf Tanz, Musik und andere Kunstformen ist jedoch nach Informationen des "Guardian" nicht ausgeschlossen.

Welchen Erfolg das Programm letztlich haben wird, bleibt abzuwarten. Laut "Guardian" zeigte eine Gratis-Strategie bei vielen Museen und Galerien bereits Erfolg: Seit der Eintritt kostenlos ist, strömen die Besucher herein.

ber

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