Koalitionspoker "GroKo" ist Wort des Jahres 

Die Verhandlungen über die Große Koalition beschäftigen das Land seit der Wahl. Deshalb hat die Gesellschaft für deutsche Sprache die Abkürzung "GroKo" als interessante Sprachspielerei zum Wort des Jahres gekürt. Auf Platz zwei landete der "Protz-Bischof".

Wachsen zusammen: Parteichefs Gabriel, Merkel und Seehofer
REUTERS

Wachsen zusammen: Parteichefs Gabriel, Merkel und Seehofer


Hamburg/Wiesbaden - Der "Whistleblower" war für viele der große Favorit in diesem Jahr, doch der Sprachrat entschied sich für das Kunstwort "GroKo". Diese Kurzform für den Begriff Große Koalition hat die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden zum Wort des Jahres 2013 gekürt. Es steht für die andauernden Verhandlungen über die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD, die die Deutschen seit der Bundestagswahl beschäftigen.

Dieses Wort charakterisiere das Jahr in besonderer Weise, begründete die GfdS ihre Wahl. Es sei zudem eine interessante, sprachspielerische Wortbildung, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft, Armin Burkhardt. Das Wort zeige in seinem Anklang an "Kroko" beziehungsweise "Krokodil" eine halb spöttische Haltung gegenüber der sehr wahrscheinlichen Koalition.

Auf den zweiten Platz setzten die Sprachforscher den "Protz-Bischof", der auf den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst anspielt, dem unter anderem Maßlosigkeit beim Umbau seines Bischofssitz vorgeworfen wird. Auf Platz drei landete das Wort "Armutseinwanderung", womit vor allem die Immigration von Menschen aus Afrika und Osteuropa gemeint ist. Auch in den Top Ten: "Ausschließeritis" (Platz sechs). Das Wort erinnert an Krankheiten und bezeichnet das Verhalten von Parteien, vor Wahlen bestimmte Parteienkonstellationen von vornherein auszuschließen. Den siebten Platz belegte die "Generation Sandsack", die sich durch große Solidarität und Einsatzbereitschaft bei der Fluthilfe in Bayern und den östlichen Bundesländern auszeichnete, und sich via Social Media organisierte.

Überraschend hat es der "Whistleblower" nicht unter die Top Ten geschafft, trotz der überragenden Bedeutung des durch die Enthüllungen Edward Snowdens ausgelösten Abhörskandals.

"GroKo" ist keine neue Erfindung, sondern wurde auch früher schon vereinzelt als Akronym benutzt. Noch nie war der Begriff jedoch so populär wie in diesem Jahr. Zurück geht der Begriff vor allem auf den Twitter-Hashtag #GroKo, der in dem Nachrichtendienst zur Kennzeichnung von Beiträgen zum Thema Große Koalition verwendet wird.

Die Jury hatte ihre zehn "Wörter des Jahres 2013" aus mehr als 2400 Vorschlägen ausgewählt. Dabei geht es laut Akademie nicht um Häufigkeit, sondern um eine Art sprachliche Chronik des zu Ende gehenden Jahres.

Die Top Ten im Überblick:

  • GroKo
  • Protz-Bischof
  • Armutseinwanderung
  • Zinsschmelze
  • Big Data
  • Ausschließeritis
  • Generation Sandsack
  • Ausländermaut
  • falsche Neun
  • "Freund hört mit"

Im vergangenen Jahr hatte es der Begriff "Rettungsroutine" auf die Spitzenposition geschafft. Der Begriff spiegele nicht nur das seit Jahren aktuelle Thema der instabilen europäischen Wirtschaftslage wider, sondern stehe auch für die immer wiederkehrenden Maßnahmen zur Rettung des Finanzsystems, lautete damals die Begründung der Sprachjury. Sonderlich gebräuchlich war das Wort allerdings nicht.

seh/dpa

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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
Newspeak 13.12.2013
1. ...
Tut mir leid, bei solchen Wortneuschöpfungen kommt mir das GroKo (große K....n).
EuroLoser 13.12.2013
2. optional
Gibt's vielleicht etwas Wichtigeres?
smoothways 13.12.2013
3. Wort des Jahres
was wäre dann das Unwort des Jahres? Im Moment jedenfalls kann nicht wirklich von einem positivem Klang von "GROKO" die Rede sein, oder?
gemib 13.12.2013
4. eine armselige entscheidung
des sog. sprachrats auf sms-niveau, groko was?
Klaus-Otto 13.12.2013
5. Viel besser ...
... wäre der "GroKo-Deal", den die SPD mit der Union gemacht gat.
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