Ground-Zero-Architekt Libeskind Der geprügelte Triumphator

Ausgerechnet als am 11. September 2001 das World Trade Center einstürzte, feierte Daniel Libeskind seinen ersten öffentlichen Bau. Dann machte ihn sein Plan für Ground Zero zum Architekturstar. Sein Entwurf wurde gefeiert, gescholten und gefleddert - doch Libeskind hielt durch.

SPIEGEL ONLINE

Von , New York


Jeden Morgen, wenn er zur Arbeit geht, kommt er daran vorbei. Er verlässt sein helles Luxus-Loft in Tribeca, überquert die Chambers Street und wandert den West Broadway hinunter, bis er an einen Bauzaun stößt. Hinter diesem Bauzaun liegt der Ort seiner Triumphe, seiner Niederlagen und seiner Wiedergeburt.

Daniel Libeskind geht diesen Weg zweimal am Tag, morgens und abends. Die Baustelle liegt zwischen seiner Wohnung und seinem Büro. Er umrundet sie, durchquert zwei Straßen weiter ein Marmorfoyer und fährt in den 19. Stock. Stellt er sich da ans Fenster, blickt er über das atemberaubende Lower Manhattan - und hinüber zu der Baustelle, aus der die ersten neuen Türme in den Himmel wachsen.

Sie lässt ihn nicht los, diese Baustelle. Seit zehn Jahren nicht. Sie hat ihn weltberühmt gemacht und zum globalen Gespött, hat ihm Liebe und Hass beschert, hat sein Leben umgewälzt, seine Karriere geprägt, seine Familie entwurzelt und seine Nerven zerrüttet.

"Alles war schwierig, von A bis Z", lacht er. "Es gab nicht einen Moment, von dem man sagen konnte, das ist gut, das ist einfach." Würde er es trotzdem wieder machen? "Ohne Zögern."

"Ab 10 Uhr kamen die Leute"

Als Daniel Libeskind 2003 zum Masterplaner für die Wiederbebauung von Ground Zero gekürt wurde, der Wunde der Nation, ahnte er nicht, was ihn erwartete. Dass sein Entwurf erst gepriesen würde, dann in der Luft zerrissen und schließlich zerrieben zwischen den Interessen, Mächten und Emotionen New Yorks. "Nach all den Kämpfen ist es absolut bemerkenswert", beharrt er, "wie nahe das, was da nun gebaut wird, an der Vision liegt."

Mit dieser Vision setzte er sich damals gegen die Weltstars der Architekturbranche durch: Norman Foster, Richard Meier, Peter Eisenman, David Childs. Dabei hatte er selbst gerade erst einen einzigen öffentlichen Bau fertiggestellt - das neue Jüdische Museum in Berlin.

Der Eröffnungstag dieses Trakts, zu dem Libeskind in Berlin war, hat besondere Bedeutung. Es war der 11. September 2001.

"Ab 10 Uhr kamen die Leute", erinnert sich Libeskind. "Und dann sahen wir nachmittags diese Bilder im Fernsehen." Bilder aus New York und Washington. "Es war der bizarrste Tag meines Lebens." Sein Schwager, der bei der Port Authority arbeitete, der New Yorker Hafenbehörde, verlor mehrere Freunde.

Libeskind wusste sofort: "Ich gehe zurück nach New York." Der Sohn polnischer Holocaust-Überlebender hatte seit seiner Kindheit immer wieder dort gelebt und war 1965 US-Staatsbürger geworden. Als Architekturstudent hatte er zugesehen, wie das alte World Trade Center entstanden war. "Alle hassten es, fanden es schrecklich. Es wurde trotzdem zur Ikone." In seiner eigenen Odyssee sieht er Parallelen dazu.

Ein grauer Novembertag in der Trümmerwüste

Dabei wollte er sich erst gar nicht an dem Design-Wettbewerb beteiligen. Die damalige Ground-Zero-Entwicklungsgesellschaft LMDC hatte ihn stattdessen in die Jury eingeladen. Als er jedoch ein Terminproblem hatte, bot sie ihm an, selbst einen Entwurf einzureichen.

Die Idee zu "Memory Foundations", wie der Entwurf hieß, kam Libeskind, als er an einem grauen Novembertag in die Grube stieg, die da noch eine Trümmerwüste war, ein Friedhof. In dem Moment kam ihm die Idee: "Es muss die Opfer ehren, aber auch positiv in die Zukunft weisen."

Heraus kam etwas, was als Computergrafik bestach, sich in den Wirren der New Yorker Lokalpolitik aber kaum halten konnte. Acht Jahre später sind von Libeskinds Masterplan die Grundzüge zwar noch erhalten. Doch viele seiner genialen Einfälle gingen unter im Zank der Politiker, Bürokraten, Investoren, Hinterbliebenen, Anwohner, Versicherungen, Sicherheitsexperten und Anwälte. "Anwälte", ruft Libeskind. "So viele Anwälte! Verrückt!"

Manche Vision wurde so nie Realität. Der "Freedom Tower" heißt nun lapidar One World Trade Center. Seine elegant-gezwirbelte Form, die an die Freiheitsstatue erinnern sollte, ist zu einem eisigen Glasturm mutiert, gebaut vom Libeskind-Rivalen Childs. Die überladene Symbolik des alten Entwurfs ist kommerziell-praktischen Erwägungen gewichen. Von den hängenden Gärten ganz zu schweigen.

Libeskind betont, seine zentralen Gedanken seien erhalten geblieben. Das Memorial in den "Fußabdrücken" der alten Towers. Die Höhe von One World Trade Center (1776 Fuß), ans Geburtsjahr der USA gemahnend. Die rohe Betonwanne des WTC-Fundaments, die an 9/11 verhinderte, dass der Hudson das Areal flutete.

"Nichts kann einen darauf vorbereiten"

Libeskind steht in seinem Studio vor zwei aufgezogenen Hochglanzdrucken - der Plan 2003 und der Plan 2011. "Wie ähnlich die sich sehen", sagt er fröhlich. Wenn man die Augen zusammenkneift, hat er recht.

Er hat sich nicht unterkriegen lassen. "Ich bin ein Optimist", sagt er. Seine Gestik und Mimik scheinen sogar noch lebhafter als an jenem Februartag 2003, als er, unweit von hier, Sternenbanner im Rücken, erstmals seinen Entwurf präsentierte. Obwohl viele seither versucht haben, ihn zu entmachten, zu verdrängen, zu diskreditieren. Obwohl ihn das "New York Times Magazine" als den "geschrumpften Daniel Libeskind" verspottete. Obwohl Architekturkritiker Herbert Muschamp ihn mit Nazi-Baumeister Albert Speer verglich.

"Nichts kann einen darauf vorbereiten", sagt Libeskind. "Aber ich habe sie alle überdauert." Seine Augen glänzen. "Es war hart. Es war bedeutsam. Es hat mein Leben verändert."

Daniel Libeskind ist fest nach New York zurückgezogen. Er hat Dutzende weitere Projekte auf der ganzen Welt in Planung, darunter einen futuristischen Turm an der Madison Avenue, dessen Realisierung allerdings wegen der Finanzklemme stockt. Nach Jahrzehnten als Mieter hat er sich auch endlich eine Wohnung gekauft - besagtes Loft in der Hudson Street, für eine Million Dollar.

Aus dem Schlafzimmer sieht er nach Süden, auf den Rohbau des One World Trade Center.

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systemfeind 10.09.2011
1. unbegabt
Zitat von sysopAusgerechnet als am*11. September 2001 das World Trade Center einstürzte, feierte Daniel Libeskind seinen ersten öffentlichen Bau. Dann*machte ihn*sein Plan für Ground Zero*zum Architekturstar.*Sein Entwurf wurde gefeiert, gescholten und gefleddert - doch Libeskind hielt durch. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,783991,00.html
Libeskind ist unbegabt ; er hat in Dresden ein schönes deutsches Gebäude mit einem "victory" - V verunstaltet , folgende Generationen werden seinen Architekturmüll beseitigen und ihn vergessen . Die westliche Moderne ist am Ende - das ist die frohe Botschaft am 11. Sep.
leobronstein 10.09.2011
2. nun ja
Die Artikelschwemme zu 9/11 war wohl kaum zu vermeiden. Aber jenseits von scheinheiliger Betroffenheit und harten Worten vermisst man gelegentlich die wirklich konsequenten, nachdenklichen Töne. Etwa wie hier: http://www.dasdossier.de/magazin/medien/einfluss-inhalt/offenheit-statt-hass
ardobor 10.09.2011
3. Das jüdische Museum war nicht der erste öffentliche Bau Libeskinds
Zitat von sysopAusgerechnet als am*11. September 2001 das World Trade Center einstürzte, feierte Daniel Libeskind seinen ersten öffentlichen Bau. Dann*machte ihn*sein Plan für Ground Zero*zum Architekturstar.*Sein Entwurf wurde gefeiert, gescholten und gefleddert - doch Libeskind hielt durch. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,783991,00.html
Das jüdische Museum in Berlin war nicht der erste öffentliche Bau Libeskinds, sondern das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, das bereits 1998 eröffnet wurde: http://www.osnabrueck.de/fnh/10756.asp
grashalm, 10.09.2011
4. Die wertvolle Hütte
Zitat von systemfeindLibeskind ist unbegabt ; er hat in Dresden ein schönes deutsches Gebäude mit einem "victory" - V verunstaltet , folgende Generationen werden seinen Architekturmüll beseitigen und ihn vergessen . Die westliche Moderne ist am Ende - das ist die frohe Botschaft am 11. Sep.
Die westliche Moderne hat sich zur abstrakten Skulpturarchitektur weiterentwickelt, was ihr die Möglichkeit zur Umsetzung aktueller, vielseitiger, meist humaner Inhalte verschafft, umgesetzt durch Ästhetiken von Architektenpersönlichkeiten, deren Basis nicht ausschliesslich, das zu marktegetragene Rechteck ist, welches öffentlichen Raum, und deren Insassen im Affenkäfig zeigt, welchem jeder Zoo, mehr Auslauf gewährt. D.L. zu belabern, zeugt vom Unvermögen, sich auf Architekturen, auch nur ansatzweise einzulassen, sozusagen Friedhof im Hirn.
systemfeind 10.09.2011
5. modernistischer Kitsch ...
Zitat von grashalmDie westliche Moderne hat sich zur abstrakten Skulpturarchitektur weiterentwickelt, was ihr die Möglichkeit zur Umsetzung aktueller, vielseitiger, meist humaner Inhalte verschafft, umgesetzt durch Ästhetiken von Architektenpersönlichkeiten, deren Basis nicht ausschliesslich, das zu marktegetragene Rechteck ist, welches öffentlichen Raum, und deren Insassen im Affenkäfig zeigt, welchem jeder Zoo, mehr Auslauf gewährt. D.L. zu belabern, zeugt vom Unvermögen, sich auf Architekturen, auch nur ansatzweise einzulassen, sozusagen Friedhof im Hirn.
...getragen von einer ungebildeten Kulturschickeria und einer dummen noch - Mittelschicht ; sozusagen Zombis im Feuilleton ,selbstverständlich kann ein Libermann keine deutsche Architektur "verbessern" , "ergänzen" oder "kommentieren" ; es ist nicht einmal Dekonstruktivismus ; nur Unvermögen , umgesetzt durch europäische Technik ; der vorauseilende Beifall für diese Pseudoarchitektur wird gewiss noch an anderr Stelle thematisiert werden .
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