Medienkrise Henri-Nannen-Preis wird 2015 nicht vergeben

Gruner + Jahr setzt die Verleihung des Henri-Nannen-Preises aus. Der Verzicht soll eine Reaktion auf die Sparmaßnahmen des Verlags sein. Bis 2016 könnte der Preis modernisiert sein und dann dem Medienwandel gerecht werden.

Journalisten-Preis "Henri": "In dieser Lage nicht angemessen"
DPA

Journalisten-Preis "Henri": "In dieser Lage nicht angemessen"


Hamburg - Der Henri-Nannen-Preis wird 2015 nicht vergeben. Das bestätigte der Verlag Gruner + Jahr auf Nachfrage SPIEGEL ONLINE. Grund für die Pause sind demnach die aktuellen Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen. Der traditionell feierliche Rahmen der Preisverleihung "erscheint uns in dieser Lage nicht angemessen", sagte ein Unternehmenssprecher.

Das in Hamburg ansässige Verlagshaus Gruner + Jahr lobt die in mehreren Kategorien vergebene Auszeichnung in ihrer derzeitigen Form seit 2005 aus. Sie gilt als eine der wichtigsten journalistischen Auszeichnungen in Deutschland.

Nun könnte sie vor einem grundlegenden Wandel stehen: Man wolle das Ausfalljahr nutzen, um "darüber nachzudenken, wie der Henri-Nannen-Preis in Zeiten tiefgreifender Veränderungen der Medienlandschaft modernisiert und weiterentwickelt werden kann", hieß es von Verlagsseite.

In den vergangenen Jahren hatte es mehrfach Ärger um den Nannen-Preis gegeben. Im Frühjahr kündigte Preisträger Jacob Appelbaum an, wegen angeblicher Nazi-Propaganda des Namensgebers im Zweiten Weltkrieg seine "Henri"-Statue einschmelzen zu lassen. 2012 lehnten Redakteure der "Süddeutschen Zeitung" aus Protest gegen die Auszeichnung von "Bild"-Journalisten die Annahme des Preises ab. SPIEGEL-Autor René Pfister wurde der Preis 2011 wegen angeblich "fehlender Glaubwürdigkeit" aberkannt.

Eine grundsätzliche Entscheidung gegen den Preis sei die nun getroffene Entscheidung keineswegs, so war von Verlagsseite zu vernehmen - mit Blick auf die aktuelle Situation sei die Aussetzung aber "ein wichtiges Signal insbesondere nach innen". Es habe nicht wenige Stimmen aus der Belegschaft gegeben, die angesichts der Sparmaßnahmen "einen solch sichtbaren Verzicht gefordert hatten".

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insgesamt 4 Beiträge
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kral1 18.09.2014
1. Muß es ein Preis aus Bronze sein?
Der Preis, mit dem neben den besten journalistischen Arbeiten des Jahres auch ein publizistisches Lebenswerk und ein besonderer Einsatz für Pressefreiheit geehrt werden, ist eine Bronzebüste Henri Nannens: der Henri Der Einsatz für Pressefreiheit ist in einer Demokratie unbezahlbar und für Qualitätsjournalismus überlebenswichtig. Wenn dem Verlag Gruner&Jahn das "Kleingeld" für Bronze fehlt, dann wäre Eisen eine "moderne" Alternative.
BettyB. 18.09.2014
2. Tja, so ist es nun einmal
Auch bei G&J hätte man mal nachdenken sollen. Preisverleih ohne Feier würde die Preisträger für ihre Leistungen ehren und die Mitesser lehr ausgehen lassen. Doch anscheinend geht es G&J nicht um die Auszeichnung, sondern allein um die Party...
kategorien 21.09.2014
3. Innenpolitisches Spielchen
Ein Unternehmen mit rund 12.000 Mitarbeitern und 2,2 Mrd. € setzt einen Preis aus, der mit 35.000 € dotiert ist. Selbst, wenn die Feier 350.000 € kosten sollte, nehme ich an, dass es sich bei dieser Aktion -- wie in der Begründung angedeutet -- um ein innenpolitisches Manöver handelt. Ganz sicher spricht es nicht für G+J.
gebhard-bock 25.09.2014
4.
Schade! Gerade in diesen Tagen erleben wir brutale westlich gesteuerte Meinungsdiktatur. So wird zur Ukrainekrise gelogen und betrogen, wie früher nur zu Bushkriegszeiten. Da hätte ein Preis für guten unabhängigen Journalismus gut getan.
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