"FTD" vor dem Aus: Unwürdige Hängepartie
Schrecken ohne Ende: Das Aus der "Financial Times Deutschland" ist zwar beschlossen, wird aber noch nicht offiziell verkündet - weil der Verlag Gruner + Jahr um die Produktionssicherheit fürchtet. Die "FTD"-Redaktion wartet derweil auf klare Worte des Managements.
Es klang noch einmal nach ein bisschen Hoffnung für die "Financial Times Deutschland". Eine Entscheidung über das Schicksal der Zeitung sei noch nicht getroffen, es würden "aktuell letzte Gespräche zu einem potentiellen Verkauf der 'FTD' geführt, ließ ein Sprecher von Gruner + Jahr nach der gestrigen Aufsichtsratssitzung im Verlagshaus wissen.
Am Schicksal der Zeitung wird das kaum etwas ändern, das Blatt wird eingestellt, das wissen längst alle, auch die Redakteure am Baumwall, die nur noch darauf warten, dass der Verlag auch offiziell das Ende verkündet und dem Leiden ein Ende setzt.
Das aber wollen die Konzernstrategen bei G + J und beim Mehrheitseigner Bertelsmann erst am Freitag tun - um, wie es heißt, die Produktion bei der Tageszeitung nicht zu gefährden, die schließlich am Samstag nicht erscheint. Schon deshalb muss bis dahin so getan werden, als seien die Dinge noch nicht endgültig entschieden. Formal hat der Aufsichtsrat des Verlags das Schicksal der "FTD" am Mittwoch tatsächlich nicht besiegelt - der Vorstand erhielt vielmehr die Ermächtigung für "Verkauf, Teilschließung oder Schließung" der Wirtschaftsmedien. Doch das Gremium kann und wird nun wohl schnell handeln. Am Freitag früh sollen, so der Plan, alle Beteiligten über das Aus der "FTD" informiert werden. Auch der Aufsichtsrat von Bertelsmann soll dem Beschluss des Aufsichtsrat bereits zugestimmt haben.
Gäbe es Interessenten, würde man die "FTD" nicht schließen
Dass nun plötzlich noch von einem Verkauf die Rede ist, mutet wie ein hilfloser Versuch an, sich über den einen Tag bis zur geplanten offiziellen Verkündung hinwegzuretten. Um mehr als den Verkauf des Abonnentenstamms dürfte es ohnehin kaum gehen - gäbe es noch ernsthafte Kandidaten für eine Übernahme der Zeitung und ihrer Redaktion, hätte sich der Vorstand kaum Anfang der Woche darauf verständigt, die "FTD" schließen zu wollen, "Capital" zu erhalten und für die beiden Magazine "Börse Online" und "Impulse" einen Käufer zu suchen. Den Abonnentenstamm der "FTD" aber könnte der Verlag auch dann noch verkaufen, wenn er beschließt, dass das Blatt ab Anfang Dezember nicht mehr erscheint.
Nicht nur in der medialen Öffentlichkeit ist das Verständnis für die Entscheidung von Gruner + Jahr groß, die "FTD" einzustellen - 250 Millionen Euro soll das Experiment schließlich schon verschlungen haben. Auch in der Redaktion versteht man das, doch der Unmut über das Verhalten des Verlags und seiner Eigner wächst. "Der Groll richtet sich nicht gegen die Entscheidung, die Zeitung zu schließen. Das können wir nachvollziehen", sagt ein Redakteur. "Aber die Hängepartie ist unerträglich und unwürdig. So etwas macht man einfach nicht." Bis Mittwochabend kursierte in der Redaktion noch die Hoffnung, Vorstandsfrau Julia Jäkel werde am Donnerstag vor die Journalisten treten - auch das aber wird nun erst am Freitag passieren.
Nach bisherigem Plan wird die letzte Ausgabe der FTD am 7. Dezember erscheinen. Produziert würde dann am 6. Dezember - der Tag, an dem bei Gruner + Jahr ohnehin großer Ausverkauf ist: beim großen Weihnachtsbasar im Foyer des Verlagshauses am Baumwall. Für den 7. Dezember ist zudem die Weihnachtsfeier der Gemeinschaftsredaktion aller Wirtschaftsmedien geplant. Dabei bleibt es, auch wenn die Zeitung dann schon tot ist. Der Verlag, heißt es in der Redaktion, bezahle sogar die Reisespesen.
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