Vorwurf der Manipulation Wallraff droht neuer Ärger mit der Justiz

Günter Wallraff steht erneut in der Kritik. Nach Informationen des SPIEGEL behauptet ein ehemaliger Mitarbeiter, der Enthüllungsjournalist und er hätten für eine Reportage eidesstattliche Versicherungen manipuliert.

Günter Wallraff (2009): Der Enthüllungsjournalist soll Dokumente manipuliert haben
DPA

Günter Wallraff (2009): Der Enthüllungsjournalist soll Dokumente manipuliert haben


Hamburg - Dem Enthüllungsautor Günter Wallraff droht neuer Ärger mit der Justiz wegen womöglich manipulierter eidesstattlicher Versicherungen. Im April 2008 hatte Wallraff im "Zeit"-Magazin einen Bericht über schlechte Arbeitsbedingungen in der Großbäckerei Weinzheimer im Hunsrück veröffentlicht. Daraufhin leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung ein. Der Bäcker musste seinen Betrieb schließen.

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Heft 33/2012
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Zu den wichtigsten Indizien im noch laufenden Prozess sowie einem weiteren Verfahren in Köln gehören Aussagen von Mitarbeitern des Betriebs, rund ein Dutzend davon liegen als eidesstattliche Versicherungen vor. Wallraffs ehemaliger Mitarbeiter André Fahnemann behauptet nach Informationen des SPIEGEL nun, er und Wallraff hätten für die eidesstattlichen Versicherungen Aussagen bearbeitet und über die Blanko-Unterschriften von Mitarbeitern montiert.

In einem Fall will Fahnemann sogar im Auftrag von Wallraff die Unterschrift eines Bäckereimitarbeiters gefälscht haben. Am vergangenen Freitag übergab Fahnemann in Anwesenheit des Anwalts des Großbäckers diverse Unterlagen an die Staatsanwaltschaft. Die Ermittler prüfen die Dokumente. Ein weiterer Anwalt des Bäckereiunternehmers kündigte daraufhin am Freitag die Beantragung der Vernehmung von Wallraff und Fahnemann an.

Wallraffs Anwalt Winfried Seibert sagte, es sei "üblich, mit Blankounterschriften zu arbeiten", wobei die Texte mit den Zeugen abgestimmt würden; so sei es auch in diesem Fall gewesen. Von der gefälschten Unterschrift habe Wallraff "erst im Nachhinein erfahren". Diese Version sei aber nicht bei Gericht eingereicht worden.

Der Anwalt des Bäckereiunternehmers, Ralf Höcker, kritisierte Wallraff: "Die Einblicke, die uns Herr Fahnemann gegeben hat, ergeben ein schockierendes Bild der Arbeitsweise von Herrn Wallraff."

Wallraffs früherer Mitarbeiter Fahnemann hatte sich zuvor selbst angezeigt. Nach SPIEGEL-Informationen prüft die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen angeblicher Beihilfe zum Sozialbetrug und wegen angeblicher Vorenthaltung von Arbeitnehmerentgelt gegen Wallraff.

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lei

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