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"Guldenburgs": Eva Renzi ist tot

Ob Bühnendrama oder TV-Serie: Eva Renzi war eine der vielseitigen Darstellerinnen ihrer Generation. In den sechziger Jahren gelang es ihr, in Amerika Fuß zu fassen, in den Achtzigern gehörte sie zu den Stars des deutschen Fernsehens. Jetzt ist die Schauspielerin im Alter von 60 Jahren gestorben.

 Schauspielerin Eva Renzi: "Völlige Hingabe"
DPA

Schauspielerin Eva Renzi: "Völlige Hingabe"

Wenn Eva Renzi von ihrer Karriere sprach, dann klang das weniger nach einem Traum als nach einem Trauma. Die Schauspielerin sah sich selbst als Medienopfer: "Die Verquickung des Privaten und dieser schnellen öffentlichen Exposition hat mich damals entwurzelt", sagte die Schauspielerin der "Berliner Morgenpost" vor drei Jahren. "Ich war aus mir selbst herausgerissen, plötzlich hochkatapultiert und das noch international", äußerte sie sich rückblickend zu ihrem Werdegang. In Hollywood habe man sie mit offenen Armen empfangen, während sie in Deutschland nur gedemütigt worden sei.

Tatsächlich konnte sich Renzi Ende der sechziger Jahre im amerikanischen Film- und Fernsehgeschäft behaupten: Sie war in Delbert Manns' Abenteuerfilm "The Pink Jungle" (1968) zu sehen, ein Jahr später spielte sie die Hauptrolle im Krimi "Taste of Excitement". Ab 1971 gehörte sie zur festen Besetzung der US-Serie "Primus".

Geboren wurde sie in Berlin, als Evelyn Renziehausen am 3. November 1944. Die Tochter eines dänischen Mayonnaise-Fabrikanten und einer Französin hielt sich zunächst als Telefonistin, Hostess, Platzanweiserin und Fotomodell über Wasser. Parallel absolvierte sie eine Schauspielausbildung. Ihr erstes Bühnenengagement erhielt die damals 20-Jährige an der Freien Volksbühne in Berlin. 1965 sah man sie als Edith in Noel Cowards "Geisterkomödie" im Theater am Kurfürstendamm; im selben Jahr gelang ihr mit der Titelrolle in Will Trempers "Playgirl" der Sprung zum Film. In den folgenden Jahren drehte die Schauspielerin verschiedene Filme, meist im Ausland.

Im Alter von 22 Jahren heiratete Renzi den 24 Jahre älteren Schweizer Schauspieler Paul Hubschmid, mit dem sie auch zusammen auftrat. Aus einer früheren Verbindung stammt ihre Tochter Anouschka, die inzwischen selbst als Schauspielerin arbeitet.

1973 sorgte Eva Renzi mit einer mehrmonatigen Indien-Reise in der Boulevardpresse für Aufsehen. In den kommenden Jahren zog sie sich zunehmend aus der Schauspielerei zurück, ihr Privatleben sorgte jedoch weiter für Schlagzeilen. 1978 berichtete sie von schlechten Erfahrungen, die sie mit der indischen Bhagwan-Sekte in Puna gemacht hätte. Sie zeigte den Guru wegen "faschistoider Tendenzen" an und warf ihm und seiner Gefolgschaft vor, mit Drogen zu arbeiten.

Im deutschen Fernsehen spielte sie Ende der achtziger Jahre in verschiedenen Serien. Unter anderem war sie in "Das Waldhaus", "Peter Strohm" sowie in "Das Erbe der Guldenburgs", der deutschen Antwort auf "Dallas" und "Denver Clan", zu sehen. 1983 sorgte die Schauspielerin für einen Eklat, als sie ihr Engagement für die Bad Hersfelder Festspiele verlor. Sie habe den damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens, den Schirmherrn der Festspiele, als "alten Nazi" bezeichnet, lautete der Vorwurf. Das Bühnenschiedsgericht am Arbeitsgericht Frankfurt hob die Kündigung im Nachhinein auf; es sah die umstrittene Äußerung als "nicht erwiesen" an.

Renzi spielte parallel zu ihren Fernsehrollen auch immer wieder am Theater und absolvierte Tourneen. 2002 trat sie mit dem Monolog "Amanda" das erste Mal seit 25 Jahren auf einer Berliner Bühne auf. Der "Tagesspiegel" lobte damals ihre "völlige Hingabe" und "trotzige Selbstbehauptung". Am Dienstag starb Renzi nach einem Krebsleiden in Berlin, wie ihre Agentur bestätigte. Sie wurde 60 Jahre alt.

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