Hamburger Gängeviertel: Künstlerquartier unter Denkmalschutz

Wohnen und Arbeiten, Kultur und Austausch: Dafür soll das Hamburger Gängeviertel in Zukunft stehen. Seit Freitag steht es vollständig unter Denkmalschutz. 20 Millionen Euro stellt die Hansestadt für die Sanierung des bunten Viertels zur Verfügung. 

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Kultursenatorin Barbara Kisseler: "Geschichte nicht zum Ausverkauf"

Hamburg - Jahrelang haben Künstler, Anwohner und Initiativen gegen den Ausverkauf des Hamburger Gängeviertels protestiert, haben Häuser besetzt und prominente Kreative wie Daniel Richter einspannen können. Mit Erfolg: Seit Freitag steht der historische Teil des Viertels vollständig unter Denkmalschutz. "Die Stadt bietet ihre Geschichte nicht zum Ausverkauf an", sagte Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos), die am Freitag symbolisch eine Denkmalplatte an eines der Gebäude anschraubte. Nun sollen die alten Häuser saniert und dann durch die Gängeviertel-Genossenschaft in Selbstverwaltung übernommen werden.

Die Stadt Hamburg hatte das Gängeviertel bereits 2003 an den niederländischen Investor Hanzevast verkauft, doch der ließ die Häuser vor sich hin rotten und wollte die Gebäude in der Caffamacherreihe sogar komplett abreißen. Das Entsetzen in der Kulturszene der Hansestadt war enorm, die Empörten organisierten sich. Unter der Schirmherrschaft von Maler Daniel Richter besetzten am 22. August 2009 rund 200 Künstler das Viertel. Galerien wurden eingerichtet, es gab Konzerte, Diskussionen und Partys. Damit wollten die Kreativen Raum für Kunst und Kultur schaffen und auf ihre Platznot hinweisen.

Durch den öffentlichen Druck nach der Besetzung sah sich die Stadt im November 2010 schließlich gezwungen, die historischen Häuser für 2,8 Millionen Euro von den Niederländern zurückzukaufen. Für die geplante Sanierung stellt die Stadt nun weitere 20 Millionen Euro bereit. "Natürlich versuchen wir dabei soviel historische Substanz wie möglich zu erhalten", kündigte Christine Ebeling von "Komm in die Gänge" an. Die Unterschutzstellung sei ein weiterer Schritt, das Viertel langfristig vor Immobilienspekulation zu schützen.

Auf dem Areal sollen in den nächsten acht Jahren neben Ateliers und öffentlichen Räumen auch rund 80 Wohnungen entstehen. Nach dem Wunsch der Initiative soll das Viertel auch künftig so unkommerziell wie möglich bleiben. Die Mischung von Wohnen und Arbeiten, sozialem und kulturellem Leben besitze eine lange Hamburger Tradition, die nun von der Initiative fortgeführt werde, teilte Ebeling mit. In den vergangenen zwei Jahren habe die Initiative bereits mit zahlreichen kleineren Sanierungsmaßnahmen denkmalgerecht den weiteren Verfall der Häuser verhindert.

vks/dpa/dapd

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