Dienstälteste Bildjournalistin: Pressefotografin Erika Krauß ist tot

Sie hat das Bild der Politik in Hamburg geprägt wie kaum eine andere. Ob Gorbatschow, Kohl oder Schmidt - Erika Krauß begleitete alle wichtigen Empfänge mit ihrer Kamera. Nun ist die Pressefotografin im Alter von 96 Jahren gestorben.

Erika Krauß ist tot: Hamburger Pressefotografin mit 96 Jahren gestorben Fotos
DPA

Hamburg - "In Hamburg passiert nichts Wichtiges ohne sie", sagte der damalige Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) zum 80. Geburtstag von Erika Krauß. Das war vor 16 Jahren - und auch danach änderte sich daran kaum etwas. Bis ins hohe Alter begleitete Krauß die Politik im Rathaus der Hansestadt mit der Kamera. Am Mittwochmorgen ist sie in Hamburg verstorben.

Schwarzer Hut, schicker Aufzug - so haben sie Generationen Hamburger Politiker kennengelernt. "Erika Krauß gehörte einfach zum Hamburger Rathaus dazu", sagte Oberbürgermeister Olaf Scholz (SPD). "Diese Beständigkeit ist bemerkenswert. Und dass sie noch sehr weit über übliche Ruhestandsgrenzen hinaus arbeitete, zeigt, dass ihre Tätigkeit für sie mehr als ein Beruf war. Wir werden sie nicht vergessen."

Krauß war die dienstälteste aktive Bildjournalistin. Seit 1950 arbeitete Krauß für die Hamburger Morgenpost - als freie Mitarbeiterin. "Nie wollte sie sich an ein festes Anstellungsverhältnis binden lassen. Und so blieb es bis zum Schluss", heißt es einer Würdigung auf der Internetseite der Zeitung.

Als Helmut Schmidt zum ersten Mal vor ihrer Linse saß, wollte er gerade Senator werden. In ihrer Karriere hat Krauß zahlreiche Politiker wie Michail Gorbatschow, Helmut Kohl und Jassir Arafat fotografiert, außerdem etliche Royals und Schauspieler. 1965 begleitete sie die noch junge Königin Elizabeth II., später folgten Prinz Charles und Lady Di. Am besten hat ihr nach eigenen Angaben aber Königin Silvia von Schweden gefallen.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) würdigte die Fotografin als Legende des Journalismus. "Selten hat eine Journalistin auf so hohem Niveau und über eine so lange Zeit eine Stadt und ihre Politik begleitet und abgebildet und sich dabei auch so hohe menschliche Anerkennung erworben", sagte die DJV-Landesvorsitzende Marina Friedt mit. "Mit ihr verlieren wir eine geliebte Freundin, eine ungewöhnliche und hochrespektierte Kollegin und einen wunderbaren Menschen", sagte der Vorsitzende der Landespressekonferenz Hamburg, Jürgen Heuer.

Für ihre Verdienste um die politische Berichterstattung erhielt Krauß 1999 den Alexander-Zinn-Preis des Hamburger Senats. In der Begründung hieß es, sie habe sich "um das öffentliche Wohl Hamburgs verdient gemacht". Die Hamburger Größen der Politik, wie Altkanzler Helmut Schmidt - sie waren für Krauß längst zu alten Freunden geworden.

usp/dpa

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