Erfinder der Digedags DDR-Zeichner Hannes Hegen ist tot

Hannes Hegen schenkte der DDR ein paar reisefreudige Comichelden: Dig, Dag und Digedag erlebten Abenteuer in der ganzen Welt. Jetzt ist der Zeichner im Alter von 89 Jahren gestorben.

DPA

Berlin/Hamburg - Mit seinen gezeichneten Figuren entführte Hannes Hegen die Menschen in der DDR aus ihrem engen Kosmos: Die Digedags und ihre Reisegeschichten erschienen von 1955 bis 1975 in der von Hegen gegründeten und später im Kollektiv verantworteten Zeitschrift "Mosaik". So konnte man als Ostdeutscher dann doch nach Italien, Amerika und in den Orient reisen - wenn auch sicherheitshalber in eine andere Epoche.

Die DDR-Führung nahm den Comic wohlwollend auf, sie versuchte zeitweise sogar, die "Digedags" ins Ausland zu exportieren. Generationen von Lesern verschlangen in der DDR die gesammelten Abenteuer der Comic-Helden, die der Schriftsteller Uwe Tellkamp einmal als das "Buch seiner Kindheit" bezeichnete - 660.000 Exemplare wurde von "Mosaik" im Monat verkauft. Die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung der Comics kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Hegen und sein Team erlaubten sich bisweilen versteckte systemkritische Anspielungen, meist aber waren die Digedag-Strips ein politikfreier Raum - was in der DDR ja ein Wert an sich war.

Hegen wurde 1925 als Johannes Eduard Hegenbarth in Böhmisch Kamnitz geboren. Der Grafiker und Illustrator lernte in Wien und Leipzig sein Handwerk, ehe er sich als Zeichner für Zeitungen und Zeitschriften einen Namen machte. 1955 gründete er "Mosaik". Die Original-Digedag-Comics wurden 1975 nach Streitigkeiten zwischen Erfinder und dem Junge-Welt-Verlag eingestellt. Eine Kopie seines Heldentrios (die "Abrafaxe") erschien weiterhin, der Künstler Hegen hingegen verstummte fast völlig. Vor zwei Jahren widmete ein Museum in Leipzig dem legendären Zeichner eine große Ausstellung.

Hegen starb bereits am 8. November im Alter von 89 Jahren in Berlin, wie der Verleger Mark Lehmstedt nun mitteilte.

tha

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