Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis Auszeichnung für Eric Friedler

Unabhängigkeit und Gespür für Themen: Der Journalist Eric Friedler wird mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus 2008 geehrt. Der Förderpreis ging an eine Autorin von SPIEGEL TV.


Hamburg - Zuletzt war Eric Friedler mit seinem brisanten Dokumentarfilm "Das Schweigen der Quandts" im Gespräch. Das Porträt über die einflussreiche Wirtschaftsdynastie und ihre Verbindung mit dem Nationalsozialismus hatte die reichste Familie Deutschlands mit Ausbeutung, Unrecht und Zwangsarbeit in Verbindung gebracht. Fünf Jahre lang hatte der Journalist mit seiner Kollegin Barbara Siebert an diesem Projekt gearbeitet.

Die Jury würdigte den 36-Jährigen, der schon vor fünf Jahren den Förderpreis der Jury bekam, für seine "über die Jahre zu beobachtende Unabhängigkeit und sein herausragendes Gespür bei der Wahl seiner Themen". Sie lobte Friedlers Durchhaltevermögen. "Wenn eine Sache ihn bewegt, gibt er trotz aller Schwierigkeiten und Behinderungen seiner Recherchen, ja selbst bei Drohungen nicht auf."

In dem Dokumentarfilm über die Industriellenfamilie Quandt und auch in anderen Filmen Friedlers sah die Jury ihre Erwartungen erfüllt, die sie 2003 mit der Verleihung des Förderpreises für seine investigativen Filmbeiträge, zum Beispiel "Konvoi in den Tod", ausgedrückt hat. In diesem Film spürte Friedler den ungeklärten Umständen eines Massenmords an gefangenen Taliban-Kämpfern im Norden Afghanistans nach.

"Ich bin stolz und fühle mich wahnsinnig geehrt", sagte der 36-jährige Journalist zu SPIEGEL ONLINE. "Bei investigativer Arbeit spielen viele Faktoren eine Rolle - es ist wichtig, dass man einen starken Partner wie den NDR hinter sich hat, auch wenn man nicht sofort Ergebnisse liefert."

Der Förderpreis geht in diesem Jahr an die TV-Reporterin Christina Pohl, die mit der 90-minütigen Dokumentation "Die Räuber" über gewalttätige Jugendliche in Hildesheim ihre laut Jury bislang "eindrucksvollste Sozialreportage" vorlegte. Pohl ist seit 1991 Autorin bei SPIEGEL TV. Die Sendung wurde bei Vox ausgestrahlt.

Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ist mit 5000 Euro, der Förderpreis mit 2500 Euro dotiert. Beide Preise erinnern an den 1995 verstorbenen "Tagesthemen"-Moderator. Der Preis wird von einer 16-köpfigen Jury unter dem Vorsitz von ARD-Korrespondent Thomas Roth vergeben.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören Anne Will (2007), die Redaktion des ZDF-Magazins "Frontal 21" (2006) und die ARD-Sendung "Hart aber fair" mit Moderator Frank Plasberg (2005).

sta/ddp



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