Hans Peter Doll "Feuerwehrmann des Theaters" ist tot

Der langjährige Generalintendant des Württembergischen Staatstheaters Stuttgart, Hans Peter Doll, ist an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.


Hans Peter Doll
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Hans Peter Doll

Stuttgart - Das Baseler Theater bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Südwest-Presse". Doll hatte in den vergangenen drei Jahrzehnten zahlreiche Bühnen unter anderem in Stuttgart, Braunschweig, Frankfurt und Basel geleitet.

Begonnen hatte Dolls Theaterkarriere 1946 an den Städtischen Bühnen in Frankfurt/Main. Weitere Stationen seiner Laufbahn waren Braunschweig, Bochum, Hannover, Bremen und Heidelberg. 1969 wurde er zum Generalintendanten der Würtembergischen Staatstheater in Stuttgart berufen. Mit Doll hatte man sich in Stuttgart für einen Intendanten entschieden, der sich in allen Sparten gut auskannte, selber aber keine Ambitionen hatte, Regie zu führen.

In die Zeit seiner Stuttgarter Intendanz, die er bis 1985 ausübte, fielen unter anderem der Tod des Ballettchefs John Cranko (1973) und des Operndirektors Wolfgang Windgassen (1974) sowie der politische Wirbel um den damaligen Schauspieldirektor Claus Peymann. Der Schauspieldirektor hatte zu Spenden für die zahnärztliche Behandlung von Baader-Meinhof-Häftlingen aufgerufen.

Erst die Politik stellte dem Theatermacher Mitte der achtziger Jahre ein Bein. 1985 räumte Doll seinen Sessel für den jüngeren, in Stuttgart später eher glücklos agierenden Wolfgang Gönnenwein. Seine neue Rolle als "Landesbeauftragter für die Ausbildung des künstlerischen Bühnennachwuchses" füllte Doll jedoch wenig aus. So fand er neue Aufgaben unter anderem als Leiter der ältesten deutschen Freilichtbühne, der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel bei Bayreuth.

Doll war vor allem an Häusern gefragt, die sich in schwierigen Übergangssituationen befanden. Deshalb wurde er auch als "Feuerwehrmann des deutschen Theaters" bekannt.



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