Kultur


Byebye Beatrix mit Kerkeling: Wink doch mal, Hape, bitte wink!

Von Arno Frank

Die Abdankung beim ORF: Wo ist Kerkeling?
Fotos
DPA /ORF

Hallo, ich bin die Bea! Als Double der niederländischen Königin ließ sich Hape Kerkeling einst durch Berlin chauffieren. Zu deren Abdankung engagierte das österreichische TV den Komiker nun als "Sonderberichterstatter". Würde er dafür noch einmal in seine Paraderolle schlüpfen?

Um genau 14.51 Uhr gähnte Kronprinzessin Amalie. Sofort schnellte, die Erziehung war teuer, ihre Hand vor den Mund. Ich habe es trotzdem gesehen. Und, dankbar für diesen royalen Rat, den Fernseher nach acht Stunden ausgeschaltet. Dabei hätte ich mir so gerne einen adeligen Tag gemacht. Mit Oranien-Nassau, dem altehrwürdigen habsburgischen Sender ORF2. Und mit Hape Kerkeling, der schon vor 22 Jahren einmal als Königin Beatrix reüssierte und deshalb als "Sonderberichterstatter" engagiert wurde, um das auf Ironie hoffende Publikum bei der Stange zu halten.

1991 fuhr Kerkeling anlässlich eines Staatsbesuchs winkend in Beatrix-Verkleidung vor dem Schloss Bellevue vor und forderte ein "lekker Middagessen". Mit Kerkeling, so mein Kalkül, würden sich selbst acht Stunden tantenhaftester Hofberichterstattung ertragen lassen. Was ich stattdessen durchlebte, war wohl einer der längsten und schlechtesten Sketche des Komikers. Denn Kerkeling war nur etwa alle drei Stunden für drei Sätze zu sehen.

Die übrige Zeit konnte man der Expertin Lisbeth Bischoff ("Das Vorarlberg-Kochbuch") und der "Zeit im Bild"-Moderatorin Birgit Fenderl dabei zuschauen, wie sie im Studio wechselnden Gästen die immergleichen Fragen stellten, während sich im Hintergrund feierlich eine animierte Krone drehte.

Schalte zur Vorhölle

Schmunzelnd wird irgendwann am späten Vormittag erstmals der Sonderberichterstatter anmoderiert. Dann steht Kerkeling ohne Beatrix-Perücke, im Anzug und mit Máxima-Fanschal, den er sich noch von der Hochzeit aufgehoben hatte, vor verhalten feiernden Menschenmengen und hat ein paar Zahlen auswendig gelernt, die er nun ebenso schmunzelnd in ein ORF-Mikro spricht.

Nach genau einer Minute wird zurückgeschaltet in die Vorhölle aus sinnlosem Expertenwissen und Einspielfilmchen aus dem Archiv - ein Special zur Betonfrisur der abdankenden Königin, ein Special zur Farbe Orange, ein Special zu den horrenden Kosten der Monarchie, ein Special zu früheren Specials, immer unterlegt mit sämigen Streichern. So schleppen sich die Stunden. Es gibt nicht einmal mehr Bilder aus den Niederlanden, geschweige denn einen Kerkeling.

Was macht der eigentlich da?

Als ich gerade per Mail beim ORF anfragen will, wo der Komiker denn bleibt, ob da ein Missverständnis vorliegt, tut sich was: "Wir schalten noch einmal live nach Amsterdam zu unserem Korrespondenten … ich höre gerade, wir warten noch, wir haben noch keine Leitung zu unserem Sonderkorrespondenten".

Falscher Alarm.

Und jetzt, jetzt ist es zu spät, jetzt tauchen endlich die "gekrönten Häupter" vor der Kirche auf. Jetzt gilt's. Und das klingt im Fernsehen dann so: "Das spanische Kronprinzenpaar Felipe und Letizia!" - "Sie trägt dasselbe Kleid wie bei der Hochzeit von Kronzprinzessin Viktoria von Schweden, aber eine neue Hutkreation." - "Ja, aber das Kleid ist ihr nicht zu eng geworden." - "Wer ist das? Ich sag jetzt einfach Brunei, oder ist das völlig falsch?" - "Die stehen auf der Liste" - "Da hinten sehen wir schon die Japaner!" - "Alle können wir nicht kennen…" - "Allerdings!" - "Da! Die Schwester von Königin Beatrix … pardon, von Ex-Königin Beatrix!" - "Haha, ja, das wird uns noch lange beschäftigen!" - "Viele Gäste sind im Verkehrsstau steckengeblieben, also ganz irdische Probleme!" - "Bürgerliche Probleme!" - "Hier ist Prinz Albert von Monaco, ohne seine Frau Charlene…" - "Zugelegt hat er." - "Ich find's ja beeindruckend, wie brav diese kleinen Kinder sind, ich hab' ja selber welche." - "Wobei diese Kinder, anders als bürgerliche Kinder, sowas ja gewöhnt sind, das muss man auch mal sagen." - "Sicher auch ein bewegender Moment jetzt für Beatrix." - "Isser jetzt schon König oder muss er erst noch eine Unterschrift leisten?" - "Relativ wurscht".

Mit Schminke reicht's sogar zu Willem-Alexander

Dann, als es auch schon wurscht ist, keimt plötzlich noch mal Hoffnung auf: "Machen wir's jetzt? Ja! Hallo, Hape Kerkeling! Wie ist denn die Stimmung? "Tja, meint Kerkeling und bestätigt: "So langsam kommt eine Stimmung auf, jetzt wird es ruhiger, und passend dazu ist die Sonne herausgekommen." Dann die unvermeidliche Frage: "Wie sehen Sie denn ihre persönliche Zukunft, Herr Kerkeling? Werden Sie mit ihrer Paraderolle als Königin Beatrix auch in Pension gehen?" Wird er, stellt aber in Aussicht, dass es "mit ein wenig Schminke" auch zu Willem-Alexander reichen könnte.

Zwei weitere Stunden später zeigt das ORF erneut den Sketch, für den Kerkeling sich einmal als Königin Beatrix… es ist zum Heulen.

Im Postfach dann doch noch eine Nachricht vom ORF: "Guten Tag! Vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr Interesse an den Programmen des ORF. Wir freuen uns, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns auf diesem Wege zu kontaktieren. Der ORF ist stets bemüht, sein Programmangebot so attraktiv wie möglich zu gestalten, und so ist uns Ihre Meinung ..." und so weiter und so fort.

Oder, anders gesagt: Hurz.

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  • Dienstag, 30.04.2013 – 18:12 Uhr
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