Harald Schmidt kontra Fotografen "Ihr Zahnfleisch ist entzündet!"

Schmidt und Pocher am Drücker: Als man ihm bei einer Fotoprobe zu dicht auf die Pelle rückte, lieferte sich Harald Schmidt einen gewitzten Nahkampf mit den Bildreportern - und bekrittelte Zahnfleisch und Telefon-Verhalten.


Köln - Herr Andrack wurde ins Foyer verbannt. Ein überlebensgroßes Ölgemälde von Harald Schmidts lang gedientem Beisitzer ziert jetzt den Besucher-Aufenthaltsraum der neuen "Schmidt & Pocher"-Show in Köln. Das Studio gehört nun Harald Schmidt und Oliver Pocher allein.

"Schmidt & Pocher": Keine Kochshow
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"Schmidt & Pocher": Keine Kochshow

Am 25. Oktober geht das Duo um 22.45 Uhr erstmals mit der neu justierten Late-Night-Show für die ARD auf Sendung, am Mittwoch saßen die beiden Gastgeber schon einmal in der umgestalteten Dekoration für die Fotografen Probe. "Pro 7 hätte das viel größer aufgezogen", spielte Pocher den Pikierten, "allerdings vielleicht auch in Istanbul."

Eine klare Rollenverteilung ist noch nicht auszumachen. Schmidt, im eleganten grauen Nadelstreifenanzug, gab den jovialen Hausherren, dem man durchaus eine gewisse Vorfreude unterstellen konnte. Pocher, im Anzug und T-Shirt sowie über einen Kopf kleiner, tuschelte lieber und taute erst allmählich auf.

Eleganter und gediegener als früher ist die neue Studio-Dekoration geworden, an der stellenweise noch gearbeitet wird. Schmidt und Pocher sitzen Seite an Seite an einem Schreibtisch, der heute durch einen übereifrigen Fotografen prompt Schaden nahm.

Harald Schmidt war besorgt: "Kinder, wir machen hier doch keine Kochshow!", rügte er und tadelte das Gerangel der Fotografen: "Keine Aggressivität gegenüber Kollegen! Ihr steht aber höllisch unter Druck!"

Tatsächlich rückten die rund dreißig anwesenden Fotografen den Hauptpersonen so nah, dass sich Schmidt diagnostisch betätigen konnte. "Ihr Zahnfleisch ist entzündet", bescheinigte er einem der Journalisten: "Ich würde aufpassen, das gibt gefährliche Zahnfleischtaschen." Auch die Handy-Freisprecheinrichtung eines anderen Bildreporters blieb von ihm nicht unkommentiert: "Bluetooth verursacht Krebs."

Die um die besten Bilder ringenden Fotografen stimmten Schmidt heiter: "Wie sie kriechen!", amüsierte sich der Gastgeber, während er beiläufig erwähnte, dass der Chefredakteur einer großen deutschen Fernsehzeitschrift ihn "äußerst devot" um ein Interview angebettelt habe.

Auch ansonsten zeigte sich Schmidt gut aufgelegt. Eine Reporterin bat um ein Exklusivbild und behauptete - zu Unrecht - sie sei die einzige Frau unter den Fotografen: "Ja, es gibt noch Jobs, da ist die Welt noch in Ordnung", gönnte sich Schmidt einen Rückfall in die Zeiten des "Dirty Harry". Die anwesenden Journalisten waren im Anschluss ratlos: "Er hat uns gedemütigt, aber es war auch total lustig", meinte einer von ihnen.

Ab 25. Oktober muss sich die demonstrierte Eintracht zwischen Schmidt und Pocher bei den Zuschauern bewähren. Schmidt versprach "Marktanteile von über 20 Prozent - wie immer".

Markus Peters/ddp



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