Harald-Schmidt-Show Senioren-Schelte wegen Gammelfleisch-Witz

Senioren machen mobil: Das "Büro gegen Altersdiskriminierung" fordert, Harald Schmidts Late-Night-Show aus dem ARD-Programm zu nehmen. Der Entertainer hatte Menschen über 50 mit Gammelfleisch verglichen.


Köln - Es schien nur ein Scherz von vielen zu sein, ein "echter Harald Schmidt": "Wir im Ersten, wir sagen nicht Gammelfleisch, wir sagen 50 plus", ulkte der Entertainer gestern Abend in seiner Fernsehshow. Das Publikum war amüsiert - Entertainment as usual.

Fast-Senior Schmidt: Witze über die Generation 50 plus
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Fast-Senior Schmidt: Witze über die Generation 50 plus

Doch einigen blieb das Lachen im Halse stecken. Es sei nicht nur ein Spruch gewesen, sondern ein Witz auf Kosten anderer. Heute meldete sich das "Büro gegen Altersdiskriminierung" zu Wort. Der Scherz habe die Zuschauer der ARD, die über 50 Jahre sind, beleidigt, sagte Vereinsvorsitzende Hanne Schweitzer, die ihr eigenes Alter lieber verschweigen möchte. Sie fordert Fritz Pleitgen, den Indentanten des Senders WDR auf, "die Zuschauer mit weiteren Folgen dieser Sendung zu verschonen".

Mit seinem Scherz traf Schmidt immerhin genau die Hauptgruppe der ARD-Zuschauer: Mehr als 70 Prozent sind älter als 50 Jahre. Ausnahme: die "Harald Schmidt-Show". Der Anteil der 14- bis 29-jährigen Zuschauer ist mit 14,3 Prozent überdurchschnittlich hoch.

Die über 50-Jährigen hätten es dennoch weder "nötig noch verdient", so Hanne Schweitzer, von einem "überbezahlten Unterhaltungsheini" beleidigt zu werden. Eine negative Assoziation wie "Gammelfleisch" auf die Altersgruppe zu übertragen, sei nicht in Ordnung. Auch wenn Schmidt selbst schon fast zu dieser Altersgruppe zähle, sei es ein Witz auf Kosten anderer: "Er ist nicht derjenige, der sich auf dem Arbeitsamt um einen Job bemühen muss - mit über 50."

Harald Schmidt wurde übrigens heute für den "Preis der beleidigten Zuschauer" neben Bekanntheiten wie Günter Grass und Sabine Christiansen nominiert. Der Preis für die größte Fernsehunverschämtheit des Jahres wird am 17. Oktober verliehen.

nkl/AP



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