Haute Couture Paris sieht rot

Rot in allen Schattierungen gegen Sex-Appeal in gedämpfter Form: Mit Herbst- und Wintermode von Dior und Versace sind die Haute-Couture-Schauen in der Mode-Hauptstadt Paris eröffnet worden. Der bislang eher umstrittene Dior-Designer John Galliano begeisterte mit seiner an der Zeit von Freud und Jung orientierten Kollektion.


Dior: Hochzeit von Engel und Teufel
AFP

Dior: Hochzeit von Engel und Teufel

Paris - Die Lieblingsfarbe von Galliano - Rot - dominierte die Entwürfe. Hatte er sich bei seiner Kollektion im Januar an der abgerissenen Kleidung Obdachloser orientiert, standen diesmal die zwanziger und dreißiger Jahre im Mittelpunkt - "die Zeit von Freud und Jung, vor ihrem Bruch", wie Galliano sagte. Bei Versace blieb Donatella dem Motto des Modehauses - sexy, sexy, sexy - treu, aber in etwas gedämpfter Form.

Die Braut in einem engen Kleid aus weißer Spitze, mit Perlen bestickt, Flattersaum und einem langen Tüllschleier war der Höhepunkt der Dior-Show, zu der Prominente wie US-Regisseur Steven Spielberg und Präsidentengattin Bernadette Chirac kamen. Als "Brautmutter" schickte der englische Designer des Modehauses Schauspielerin Marisa Berenson auf die Bühne - in einem bestickten, glänzenden Seidenkleid und passenden Hut. Ein "Priester" in schwarzer Robe und "Blumenmädchen" in Ballerinakleidern vervollständigten das Bild.

Versace: Abendgarderobe in Blau und Grün
AP

Versace: Abendgarderobe in Blau und Grün

Galliano wäre aber nicht Galliano ohne eine kräftige Prise Provokation bei seinen Entwürfen. Neben ganz konventionellen Abendkleidern mit geschnürtem Oberteil und weitem Rock zeigte er barbusige Ballerinas - mit einem Hauch von Tüll als Oberteil. Ein Model schickte er als eine Art Kellnerin auf den Laufsteg: Sie trug ein schwarzes Spitzentop, das mehr ent- als verhüllte, und einen hellen Minirock im Schürzen-Look. Überhaupt standen verfremdete Uniformen im Mittelpunkt seiner Kollektion - vorgeführt von fast androgyn wirkenden Mannequins.

Wie immer inszenierte Galliano rund um seine Kollektion ein Kostümfest: mit als Clowns geschmückten Models, Schäferinnen im Blumen-Dress, Kleidern in knallbunten Farben, statt konventionellem Schmuck Nägel, Nieten und grobe Ketten. Doch daneben zeigte er auch weich fließende Kleider aus glänzenden Stoffen, mit viel Rüschen und oft drapiertem Dekollete. Andere Models trugen traumhafte graue Hosenanzüge aus Leder, meist mit kurzer und oft mit schräg geknöpfter Jacke. Pelz verwendete Galliano als Verzierung ebenso wie Metall oder Bast.

Ein Misston überschattete allerdings die Dior-Show: Aus Verärgerung darüber, dass die für Mode zuständige Chambre Syndicale den Termin zur Eröffnung der Haute-Couture-Schauen nicht - wie sonst üblich - an Torrente vergeben hatte, verzichtete deren Designerin Rose Mett auf ein Defile in Paris und verlegte es nach Monaco.

Donatella Versace bevorzugte diesmal gedeckte Farben wie Lachsrosa, Rost oder Zartgrün. Sie mischte Seide und Satin mit Pelz; viel Stickerei schmückte ihre Entwürfe. Zum kurzen beigen Rock kombinierte sie grüne Westen; alle ihre Abendkleider hatten riesige Dekolletes und waren zum Teil auch rückenfrei. Röcke und Mäntel für den Tag - letztere meist aus Pelz - waren höchstens knielang. Ihre Hosen, zum Teil aus Leder, waren oft hauteng; dazu zeigte Donatella hüftlange Jacken, aber auch ganz kurze Westen.

Susanne Gabriel



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