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Heidenreich-Nachfolgerin Amelie Fried: "Die Sendung muss kontroverser werden"

Deutschlands neue Vorleser sind gefunden. Das ZDF schickt bald ein literaturkritisches Duett auf Sendung, dessen eine Hälfte aus Amelie Fried besteht - sie verlässt die Talkshow "3 nach 9". Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt die Moderatorin, was sie von Vorgängerin Elke Heidenreich und Scharfrichtertum hält.

SPIEGEL ONLINE: Frau Fried, beim ZDF sollen sich Menschen aus dem Literaturbetrieb geradezu dutzendweise um die Heidenreich-Nachfolge beworben haben. Sie auch?

Fried: Nein, das nicht. Aber ich habe gewisse Rauchzeichen ausgesandt, dass mich die Sendung interessieren würde.

TV-Moderatorin Fried: "Weder provozieren, um der Provokation willen, noch alles toll finden"
DPA

TV-Moderatorin Fried: "Weder provozieren, um der Provokation willen, noch alles toll finden"

SPIEGEL ONLINE: Sie werden die Sendung im Duo mit dem Literaturkritiker Ijoma Mangold machen. Warum?

Fried: Das ist eine schöne Idee. Die neue Sendung muss kontroverser werden, als es "Lesen!" manchmal war. Das war eher affirmativ, da hat man Bücher empfohlen bekommen. Aber es gab wenig Kontroverse. Das soll jetzt anders werden mit zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten mit zwei völlig verschiedenen Hintergründen. Da ist dann schon ein bisschen mehr Spannung drin, als wenn es einer allein macht. Zusätzlich haben wir ja auch Gäste. Die ganze Sendung wird mit "Lesen!" nicht mehr so viel gemeinsam haben.

SPIEGEL ONLINE: Klingt so, als hätten Sie die Sendung Ihrer Vorgängerin nicht besonders geschätzt.

Fried: Doch, ich habe die Sendung sehr gern angeguckt, und ich mag auch Elke Heidenreich und ihre Art, radikal subjektiv Bücher zu mögen oder nicht zu mögen. Aber wir machen das jetzt eben anders.

SPIEGEL ONLINE: Ein bisschen näher am Klassiker "Das Literarische Quartett" mit Marcel Reich-Ranicki, wo ja auch sehr heftig gestritten wurde?

Fried: Ich fand das "Literarische Quartett" wunderbar. Aber vielleicht nimmt man einfach das beste aus beiden Sendungen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie denn eine streitlustige Person?

Fried: Also ich habe meine Meinungen, ich diskutiere auch gern. Und man muss sich ja nicht bei jedem Buch zoffen. Aber interessant ist es doch, wenn man sich nicht bei jedem Buch einig ist.

SPIEGEL ONLINE: Wer von Ihnen beiden soll denn die Rolle des literarischen Scharfrichters spielen, die Reich-Ranicki so virtuos beherrschte?

Fried: Man muss sich ja nicht gleich zum Scharfrichter aufschwingen, damit eine solche Sendung unterhaltsam wird.

SPIEGEL ONLINE: Elke Heidenreich war immer die Freundin, die Bücher empfahl. Marcel Reich-Ranicki war wegen seiner Verrisse geradezu gefürchtet. Welche Rolle liegt Ihnen näher?

Fried: Ich kann beides sein. Aber man muss weder provozieren, um der Provokation willen, noch muss man alles toll finden. Ich liege wohl eher in der Mitte.

Das Interview führte Markus Brauck

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