Helene Fischer zu #wirsindmehr "Immer ist es Liebe, die gewinnt"

Helene Fischer äußert sich nur selten zu politischen Themen. Nach dem Protestkonzert in Chemnitz meldet sich die Sängerin nun jedoch mit dem Hashtag #wirsindmehr: "Lasst uns für ein paar Stunden den Alltag vergessen."

Helene Fischer (September 2017)
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Helene Fischer (September 2017)


Die Schlagersängerin Helene Fischer hat sich mehr als eine Woche nach den ausländerfeindlichen Übergriffen in Chemnitz zur gesellschaftlichen Spaltung in Deutschland geäußert. "Wir können und dürfen nicht ausblenden, was zur Zeit in unserem Land passiert", schrieb sie auf Instagram und Facebook, "doch wir können zum Glück auch sehen wie groß der Zusammenhalt gleichzeitig ist - das sollte uns stolz machen. Musik als Zeichen der Verbundenheit und immer ist es Liebe, die gewinnt."

Die 34 Jahre alte Sängerin äußert sich nur selten zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Zu dem Beitrag vom Dienstag schrieb sie noch den durch das Chemnitzer Konzert gegen rechts bekanntgewordenen Hashtag #wirsindmehr. Außerdem setzte sie Hashtags wie #wirbrechendasschweigen und #schreiteslaut.

Am Dienstagabend stand das erste von fünf Nachholkonzerten Fischers in Berlin an (4., 5., 7., 8. und 9. September). Im Februar hatte sie die fünf Auftritte wegen eines Infekts abgesagt. Alle Shows damals waren mit je 12.000 Tickets ausverkauft. Bei Instagram und Facebook schrieb sie am Dienstag: "Lasst uns heute gemeinsam feiern, tanzen, lachen, Emotionen teilen und für ein paar Stunden den Alltag vergessen."

Video zum Konzert in Chemnitz: "Es ist wichtig, dass man sich nicht allein fühlt"

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Nach den Krawallen in Chemnitz hatten am Montag Musiker wie die Toten Hosen, Kraftklub und Marteria mit einem Konzert in Chemnitz ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt. Im Rahmen dieses #wirsindmehr-Konzerts hatte etwa der Songwriter Bosse gefordert, dass sich mehr erfolgreiche Musiker zu Wort melden sollten.

Die Internet-Größe und Plakatkünstlerin "Barbara" hatte außerdem in einem tausendfach gelikten Post bei Facebook eine Art offenen Brief an Helene Fischer geschrieben, in dem sie sich wünschte, Fischer solle in Chemnitz ein Konzert gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit geben: "Die Verteidigung der freien und offenen Gesellschaft braucht ganz dringend die breite Mitte der Bevölkerung und Sie könnten diese sooo gut erreichen."

Nach Fischers Post vom Dienstag schrieb Barbara dann ein "Danke" und kommentierte: "Immerhin ein kleines Statement!" Und: "Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass wir im Kampf gegen Nazis und für eine offene und freie Gesellschaft vor allem dann MEHR sind, wenn wir es schaffen unter anderem auch eine Brücke zwischen Punkrockern und Schlagerfuzzis und so zu schlagen."

aar/dpa

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mens 05.09.2018
1. Pillepalle
Ist Deutschland auf einer musikalischen Kulturreise gegen Verfassungsfeinde? Müssen Künstler jetzt die Drecksarbeit machen? Es ist ja schön mehr Bewusstsein für ein Problem zu schaffen. Ich möchte aber, dass die Organe des demokratischen Rechtsstaates Deutschland Neonazis bekämpfen und nicht betreuen und von linken Bands und Frau Fischer wegsingen lassen. Eine Kostprobe für angemessene Polizeiarbeit gegen Feinde der Demokratie liefern Aufnahmen eines Polizeieinsatzes gegen deutsche Neonazis in Luxemburg in den 90ern. Ohne Helm aber mit Hund verteidigt sich dieses Land konsequent. Warum geht das bei uns nicht? Warum stehen 2018 martialisch ausgerüstete Beamte in Chemnitz neben Hitlergrüßenden und machen nichts? Schande kommt auch ohne Melodie aus.
pecos 05.09.2018
2. Ich mag ...
... die Fischerin und ihre Lieder gar nicht, aber darum geht es nicht: ich unterstelle ihr erst einmal, dass sie genauso eine Demokratin ist wie die von Barbara als Gegenbild markierten "Punkrocker". Die Frau ist kein Fuzzi, sondern eine super Sängerin - das sage ich als Jemand, der ihre Sachen nicht mag. Also: verzichtet bitte auf diskreditierende Fuzzi-Begrifflichkeiten, sondern begreift Schlagersängerinnen und ihre -hörer erst einmal als genauso natürliche Verbündete im Kampf gegen rechts. Ich meine jetzt, als Kollektiv. Es gibt auch rechtsradikale PunkrockerInnen bzw. -Hörerinnen. Also kommt mal runter von eurem hohen Ross: Frau Fischer und der Schlager sind genau wie LiebhaberInnen anderer Musikgenres erstmal (bis zum Beweis des Gegenteils) keine Gegner, der Feind steht nämlich rechts.
radioactiveman80 05.09.2018
3. Es ist scheinheilig
Das grosse Hashtagrennen ist eröffnet. Wer äussert sich zuerst, wer am tollsten, wer am Buntesten? Tweet absetzen, Gewissen beruhigt, wieder hinlegen. Klicks zählen, besser fühlen. Wer nicht twittert, macht sich verdächtig. Wie wäre es zur Abwechslung mal damit: „Auf einer angemeldeten Demo ist es zu vereinzelten Straftaten gekommen. Diese werden polizeilich verfolgt. Alle anderen Teilnehmer blieben freidlich. Ich (man setze hier beliebige Künstler ein) teile die Demo, die Parolen und Ansichten dieser Leute nicht, ich lehne sie zutiefst als rechtsnational und intolerant ab - akzeptiere als aufrechter Demokrat jedoch dass dort ein Grundrecht wahrgenommen wurde. Mein Beitrag besteht darin dieses Grundrecht zu verteigen, auch und gerade gegen mir politisch weit entfernt gegenüberstehenden Personen. Um die dort verübten Straftaten kümmert sich der Staat. Dankeschön, kauft mein Album. Ende.“
tulu01 05.09.2018
4. irgendwie mutig
aber bei diesem doch schon leicht kryptischen Post wird es auch bleiben. Bei zuviel Engagement gegen Rechts wird sie die Hälfte ihrer Fanbase verlieren und ich glaube das weiß sie auch.
Himbeertony 05.09.2018
5.
Warum sollte sich Helene Fischer politisch zu Wort melden? Sie ist eine Erfindung der Musikindustrie, ein reines Konsumprodukt. Konsumprodukte äußern sich im Regelfall selten in dieser Richtung. Von Nutella oder Persil habe ich auch noch nichts zu Chemnitz gehört...
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