Henri-Nannen-Preis 2017 Sonderpreis für türkische Moderatorin

Reportagen, Fotos und Solidarität mit inhaftierten Journalisten: In Hamburg ist der Henri-Nannen-Preis 2017 verliehen worden. Die türkische Fernsehmoderatorin Banu Güven erhielt einen Sonderpreis.

Banu Güven
DPA

Banu Güven


Von den Panama Papers bis zu Nahaufnahmen aus dem Alltag ägyptischer Familien - in mehreren Kategorien wurde der Henri-Nannen-Journalistenpreis in Hamburg verliehen. Bei der Veranstaltung standen nicht nur die Preisträger im Mittelpunkt, es wurde auch an ihre inhaftierten Kollegen im Ausland erinnert.

Vor rund 500 Gästen sprach Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) über den in der Türkei festgenommenen Deniz Yücel und forderte, andere Journalisten mit diesem Schicksal nicht zu vergessen: "Wir wollen vor allen Dingen, dass er (Yücel) freikommt."

Die undotierten Preise erinnern an den "Stern"-Gründer Henri Nannen (1913-1996). Die Chefredaktion des Magazins vergab ihren Sonderpreis an die türkische Fernsehmoderatorin Banu Güven, die seit 2014 für den kurdischen TV-Sender IMC arbeitete. Im September 2016 wurde der Sender laut "Stern" von der Polizei wegen angeblicher Nähe zu Terrororganisationen geschlossen. Güven machte in sozialen Medien weiter, unter anderem mit einem Podcast auf Facebook.

Durch die Veranstaltung führte die "Tagesthemen"-Moderatorin Caren Miosga. Sie stellte mit Laudatoren der Jury die Preisträger vor, die folgende Kategorien gewannen:

Beste Reportage: Die vor 40 Jahren in Erinnerung an den Reporter Egon Erwin Kisch erstmals verliehene Auszeichnung ging an das Autoren-Duo Amrai Coen und Tanja Stelzer von der Wochenzeitung "Die Zeit". Sie recherchierten, wie Überlebende der Anschläge von Brüssel vom 22. März 2016 weiterlebten, und porträtierten diese.

Beste Reportage-Fotografie: Bieke Depoorter zeigte im Magazin "Geo" unter dem Titel "Dürfen wir bei Ihnen schlafen?" Nahaufnahmen aus dem Alltag ägyptischer Familien - fünf Jahre nach der Arabischen Revolution.

Beste inszenierte Fotografie: Mit "Jody war eine Frau" brachte Jean-François Bouchard im Magazin "Stern" Porträts von Männern, die als Frauen geboren wurden.

Beste investigative Leistung: Ein sechsköpfiges Team der "Süddeutschen Zeitung" brachte die Panama Papers ans Licht und enthüllte, wie eine panamaische Kanzlei weltweit unter anderem Unternehmern, Politikern und Prominenten half, ihr Geld zu verstecken.

Beste Dokumentation: Nicola Meier von der Wochenzeitung "Die Zeit" überzeugte mit "Wer rettet Klara?". In dem Beitrag geht es um ein todkrankes Kind, für das es ein allerdings nicht zugelassenes Medikament geben könnte.

Bestes Web-Projekt: Der aktuelle Jahrgang der Axel-Springer-Akademie hat 13- bis 17-Jährigen den Holocaust erklärt - mit Hilfe des sozialen Dienstes Snapchat. Mit ihrem "innovativen und mutigen" Web-Projekt "Sachor jetzt!" setzten sich die Nachwuchsjournalisten durch.

asc/dpa



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