Herkules von Gelsenkirchen Troubleshooter für den Pott

Eine Landmarke der besonderen Art: Am Mittwoch errichteten der Künstler Markus Lüpertz und sein Team auf einem ehemaligen Zechengelände in 130 Meter Höhe eine Monumentalskulptur. Der "Herkules von Gelsenkirchen" soll Symbol einer Region werden, die sich neu erfinden muss.

dapd

Gelsenkirchen/Hamburg - Seit Mittwoch steht er an seinem Platz hoch über dem Ruhrgebiet - der "Herkules von Gelsenkirchen". Ein 130 Meter hoher Kran hat die Monumentalskulptur des Künstlers Markus Lüpertz auf den mehr als 80 Meter hohen Turm der ehemaligen Zeche Nordstern in Gelsenkirchen gehoben. Trotz dichten Nebels und Schneefalls kamen zahlreiche Schaulustige, um sich anzusehen, wie das rund 23 Tonnen schwere Kunstwerk hochgehoben und auf dem Dach des Zechenturms platziert wurde. "Die Arbeit ist gemacht, ich bin fertig, alles hat funktioniert, das ist beglückend", sagte der 1941 in Böhmen geborene Künstler, dessen Arbeiten in der Vergangenheit immer wieder für Kontroversen gesorgt haben.

So verhinderte in Augsburg ein Bürgerbehren im Jahre 2001 die Aufstellung einer Lüpertz'schen Bronzeskulptur. Erst drei Jahre später fand die üppige "Aphrodite" eine Heimat vor dem Augsburger Zeitungshaus. 2005 schmähte Künstlerkollege Gerhard Richter eine Mozart-Skulptur, die Lüpertz für die Stadt Salzburg geschaffen hatte, als "Humbug" - und der in Österreich als "Pornojäger" bekannte Moral-Aktivist Martin Humer verunstaltete das Werk mit Sprühfarbe und Federn.

Im Ruhrgebiet sind Vorbehalte gegenüber der Monumentalskulptur bisher nicht bekannt geworden. "Herkules ist ein Troubleshooter", erklärte Lüpertz gegenüber der "New York Times". "Er muss Unmögliches regeln, aber er hat eine Lösung für das Problem." Für eine Region mit hoher Arbeitslosigkeit, die sich als Kulturregion neu zu erfinden versucht, sei die Figur aus der griechischen Mythologie ein gutes Symbol. Die Skulptur des langjährigen Rektors der Düsseldorfer Kunstakademie hat nur einen Arm und einen riesigen Kopf, den der im Vergleich dazu schmächtige Körper kaum halten zu können scheint.

Die Monumentalskulptur ist Teil des Programms der Kulturhauptstadt Ruhr.2010. 15 Mitarbeiter einer Düsseldorfer Kunstgießerei hatten ein Jahr lang an den rund 240 Einzelteilen des Aluminium-Kolosses gearbeitet. Mit einem Schwertransport waren die Teile der Monumentalskulptur über mehrere Autobahnen von Düsseldorf nach Gelsenkirchen gebracht worden. Auftraggeber der rund zwei Millionen Euro teuren Skulptur ist die Wohnungsbaufirma THS, die in der ehemaligen Zeche Nordstern ihren Hauptsitz hat.

twi/dpa



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