Nazi-Raubkunst Görings Schatz jetzt online

Er baute die Gestapo auf, ließ Konzentrationslager errichten - und häufte geraubte Kunst an: Der NS-Funktionär Hermann Göring nahm mehr als 4000 Werke in seinen Besitz, darunter Bilder von Rubens und Matisse. Jetzt stellt das Deutsche Historische Museum ein Archiv zur Sammlung online.

Getty Images

Berlin - Dürer und Rubens, Tiepolo und Toulouse-Lautrec - das sind nur einige der vielen berühmten Namen in der Sammlung. Die Liste der Künstler liest sich wie eine Reise durch die Kunstgeschichte. Nein, es handelt sich nicht um das Archiv eines bedeutenden Museums. Es ist der Raubschatz des Nazi-Funktionärs Hermann Göring, der ab 1935 Oberbefehlshaber der Luftwaffe und ab 1938 für die Koordination der "Arisierungsmaßnahmen" im "Dritten Reich" zuständig war.

Welche Werke der Hitler-Vertraute genau zusammengerafft hat, kann man jetzt im Internet nachlesen: Das Deutsche Historische Museum Berlin (DHM) hat ein Archiv zur Kunstsammlung des Reichsmarschalls online gestellt.

Die DHM-Datenbank dient als Quelle für Forschungen zur Kunstpolitik in der Zeit des Nationalsozialismus und für die Provenienzforschung - die Ermittlung der Herkunft von Kunstwerken, insbesondere von Raubkunst. Möglicherweise könne die Zusammenstellung bei der Aufklärung von bis heute ungeklärten Kunstraubfällen helfen, teilte das Museum am Mittwoch mit.

Göring hatte einige der Werke auf dem Kunstmarkt erworben, andere eignete er sich seit Ende der zwanziger Jahre bis 1945 aus beschlagnahmtem Besitz an. Zur Sammlung gehören unter anderem Gemälde sowie kunsthandwerkliche Gegenstände aus Renaissance und Barock. Göring wollte mit dem Kunstbesitz die sogenannte Norddeutsche Galerie ausstatten, ein in der Schorfheide nördlich von Berlin geplantes Museum.

Im Jahr 2009 enthüllten amerikanische Kunstexperten, dass Hitlers Reichsmarschall sehr viel mehr Gemälde zusammenraffte, als bis dahin bekannt war, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete. Die US-Kunsthistorikerin und Kuratorin Nancy Yeide, die damals nach rund sieben Jahren Recherchen das erste vollständige Bestandsverzeichnis der Gemälde in Görings Kunstsammlung zusammengestellt hatte, schätzte in einem Gespräch mit der Zeitung die Zahl der darin enthaltenen Bilder auf rund 1800 bis 1900. Göring hätte aber auch Skulpturen, Waffen, Grafiken, Zeichnungen, Münzen und Wandteppiche gesammelt.

In der Datenbank werden nun 4263 Werke gelistet. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen sowie dem Bundesarchiv. Ähnliche Datenbanken des Museums gibt es zum sogenannten Sonderauftrag Linz, einer von Adolf Hitler persönlich in Auftrag gegebenen Sammlung gekaufter und beschlagnahmter Werke für ein Museum in Linz, sowie zum Central Collecting Point München, die Sammelstelle für Kunst der amerikanischen Alliierten nach Ende des Zweiten Weltkriegs in den ehemaligen NSDAP-Parteigebäuden in München.

bos/dapd

insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dr.a1 20.06.2012
1. Han van Meegeren
Zitat von sysopGetty ImagesEr baute die Gestapo auf, ließ Konzentrationslager errichten - und häufte geraubte Kunst an: Der NS-Funktionär Hermann Göring nahm mehr als 4000 Werke in seinen Besitz, darunter Bilder von Rubens und Matisse. Jetzt stellt das Deutsche Historische Museum ein Archiv zur Sammlung online. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,840025,00.html
heisst der maler des bildes "christus und die ehebrecherin"
f.a.g. 20.06.2012
2. Traglast
Zitat von sysopGetty ImagesEr baute die Gestapo auf, ließ Konzentrationslager errichten - und häufte geraubte Kunst an: Der NS-Funktionär Hermann Göring nahm mehr als 4000 Werke in seinen Besitz, darunter Bilder von Rubens und Matisse. Jetzt stellt das Deutsche Historische Museum ein Archiv zur Sammlung online. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,840025,00.html
zuerst hat Göring die Kunstschätze "zusammen getragen" ,dann hat der Yankee zumindest einen Teil "übern`Teich getragen" . Nur übern`den 2-ten Träger wird der political correctness halber ,nicht soviel Wind gemacht und noch weniger eine museale Ausstellung zelebriert !
Rainer Helmbrecht 20.06.2012
3.
Zitat von dr.a1heisst der maler des bildes "christus und die ehebrecherin"
Wenn ich da an die Alt-Nazis denke, die auf die untadligen Politiker, der Wehrmacht verweisen und gleichzeitig persönliche Bereicherung betrieben, in größten Ausmaßen und Kameradendiebstahl mit dem Tode bestraften, ein ganz verlogenes Volk und viele, viele Gläubige, die diese Säcke noch 70 Jahre verteidigen, als gäbe es an der Lauterkeit keine Zweifel. MfG. Rainer
niska 21.06.2012
4.
Zitat von f.a.g.zuerst hat Göring die Kunstschätze "zusammen getragen" ,dann hat der Yankee zumindest einen Teil "übern`Teich getragen" . Nur übern`den 2-ten Träger wird der political correctness halber ,nicht soviel Wind gemacht und noch weniger eine museale Ausstellung zelebriert !
Was wollen Sie implizieren? Das Thema 'Beutekunst' auf allen Seiten des Krieges ist, entgegen Ihrer Aussage, eben keine Geheimlehre. Und daher auch nicht sonderlich spannend. Es ist doch schön, dass kulturelle Werte eines besiegten Landes durch die Sieger erhalten wurden. Was weit spannender ist, ist dass die Leute, die Juden ermordet haben trotzdem deren 'entartete Kunst' gesammelt haben. Diese Ambivalenz zeigt kranke Hirne.
box-horn 21.06.2012
5. Märchen
Zitat von f.a.g.zuerst hat Göring die Kunstschätze "zusammen getragen" ,dann hat der Yankee zumindest einen Teil "übern`Teich getragen" . Nur übern`den 2-ten Träger wird der political correctness halber ,nicht soviel Wind gemacht und noch weniger eine museale Ausstellung zelebriert !
"Der Yankee" hat schon vor Jahrzehnten, relativ bald nach Kriegsende, strenge Gesetze zur Rückgabe von Beutekunst erlassen, die von den US-Gerichten auch rigoros umgesetzt werden, zum Bedauern beispielsweise mancher US-Museen, die nichtsahnend solche Werke auf dem US-Kunstmarkt erworben haben und rückübereignen müssen. Was die alten Bundesländer angeht, dürfte das relativ weit gediehen sein, akut ist es derzeit bei den großen Sammlungen der Vorkriegszeit in den neuen Bundesländern, weil sich vermutlich die DDR nicht darum gekümmert hat. Aber Hauptsache, mal wieder über die USA Märchen verbreitet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.