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Hessischer Rundfunk: Zoff wegen Brender-Berichterstattung

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Beim Hessischen Rundfunk gibt es Ärger zwischen Redakteuren und dem Intendanten. Senderchef Helmut Reitze habe die Berichterstattung über den Fall Brender behindert, so der Vorwurf. Die Sender-Chefs sprechen von "Legendenbildung."

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DDP

Am Montag dieser Woche wollten Redakteure der TV-Sendung "hessenschau" des Hessischen Rundfunks (HR) einen Beitrag über die geplante Abwahl von Nikolaus Brender machen. 35 Staatsrechtler hatten in einem offenen Brief vor einer Verletzung der Verfassung gewarnt und dabei auch den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch im Blick gehabt, der die Absetzung des ZDF-Chefredakteurs betrieb.

Doch Fernsehchefredakteur Alois Theisen wollte den Beitrag nicht haben. Das sei kein Thema für die "hessenschau", sagte er auf Anfrage. Die HR- Nachrichten hätten rein lokalen Bezug, und der sei auch nicht dadurch gegeben, dass Koch im ZDF-Verwaltungsrat sitze. Diesen Posten, so Theisen, besetze Koch ja "nicht als Ministerpräsident, sondern als Vertreter der Länder".

HR-Sprecher Tobias Häuser sagt, der Intendant habe lediglich davon gesprochen, dass es bei medienpolitischen Themen "im Hessischen Rundfunk wie in allen ARD-Anstalten" einen Genehmigungsvorbehalt gebe. Entschieden habe aber nicht Reitze selbst, sondern die jeweiligen Chefredakteure. HR-Redakteuren, so heißt es im Haus, sei gesagt worden, es gebe folglich keineswegs ein Berichterstattungsverbot. Es sei eben nur in einigen Fällen keine Erlaubnis erteilt worden.

"Hitzige Diskussionen in den Redaktionen"

Auch in der Redaktion des Hörfunksenders HR-info regte sich Unmut. Am Montag hatte man dort noch über den Brief der Staatsrechtler berichtet. Ab Dienstag sei das Thema Brender nicht mehr erwünscht gewesen, heißt es aus Redaktionskreisen. Häuser bestreitet das.

Darüber habe es "hitzige Diskussionen in den Redaktionen" gegeben, heißt es im HR. Erst am Freitag habe sich die Linie wieder geändert.

Grund hierfür könnte die Intervention des Redakteursauschusses sein. Der fragte am Dienstag bei den zuständigen Redaktionsleitern nach und wurde daraufhin von Intendant Reitze zum Gespräch geladen. Am Freitagnachmittag um 14 Uhr trafen sich Intendant und Redakteursvertreter dann zum Austausch.

Am heutigen Freitagabend berichtet die "hessenschau" nun doch über den Fall Brender. Die Senderspitze habe wohl gemerkt, dass man zu weit gegangen sei, heißt es im Redakteursausschuss. Eine Erklärung, die der Chefredakteur nicht gelten lässt. Es habe, sagt Theisen, mit den Vorwürfen des hessischen Oppositionsführers Thorsten Schäfer-Gümbel heute ja schließlich einen landespolitischen Anlass gegeben.

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Forum - Öffentlich-rechtliche Medien - zu viel Einflussnahme der Politik?
insgesamt 1002 Beiträge
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1. Das
saul7 26.11.2009
Zitat von sysopDer Streit um den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dauert an und wirft erneut die Frage auf: Nimmt die Politik zu viel Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Medien?
muss eindeutig mit einem Ja beantwortet werden, wie die Vorgänge um Brender zeigen. Journalisten sind zur Berichterstattung über Politiker verpflichtet, und eine Zensur durch Politiker schränkt die Pressefreiheit auf unzulässige Weise ein. Politiker raus aus den Aufsichtsgremien der ÖR!!
2. Den falschen Einfluss.
fintenklecks 26.11.2009
Zitat von sysopDer Streit um den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dauert an und wirft erneut die Frage auf: Nimmt die Politik zu viel Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Medien?
Früher ging es auch darum, möglichst eine Vielfalt in den Medien anzubieten. Heute geht es nur noch darum, den Bockmist und die Welt schönzureden, Zensur durchzusetzen und eine Meinungsmachekultur zu installieren. Fernab von Vernunft und Sachlichkeit. Solche Politik brauchen wir nicht in den Medien. Im Gegenteil; die Medien müssen verstärkt die Politik kontrollieren. Sonst ist das Gleichgewicht der Mächte in unserer Demokratie nicht mehr gegeben. Es muss wieder Möglichkeiten geben, Skandalöse Politiker zu entlarven und sie für ihre Schäden am dt. Volk auch rechtskräftig zu verurteilen.
3. So sympathisch ich die CDU auch teilweise finde...
haltetdendieb 27.11.2009
....jetzt ist Schluss mit lustig - die wähle ich nicht mehr! Selbst Schuld Ihr CDU-Deppen! (Granden wäre doch ein zu niedliches Wort) Und GEZ zahle ich ab sofort áuch nicht mehr!
4. Das ist alles völlig in Ordnung
JensDD 27.11.2009
Zitat von sysopDer Streit um den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dauert an und wirft erneut die Frage auf: Nimmt die Politik zu viel Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Medien?
schon vor vier Jahren wollte Frau Merkel "ordentlich durchregieren" - jetzt tut sie es, mit everybodys darling als neuen Rommel-Darsteller. Und Herr Koch wird uns in Zukunft den neuen Bundesminister für Volksaufklärung und Information liefern - von Propaganda sprechen wir lieber nicht mehr ;-)
5. ach auf einmal?
DerBlicker 27.11.2009
Zitat von sysopDer Streit um den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dauert an und wirft erneut die Frage auf: Nimmt die Politik zu viel Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Medien?
Jahrzehntelang hat sich niemand daran gestört, dass WDR und NDR Rotfunk waren und ZDF und BR Schwarzfunk. Was ist denn daran bitte neu??
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Heft 48/2009:
Die Billionenbombe

Warum nach der Jahrhundertkrise schon die nächste droht

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Der Aufbau des ZDF
Intendant
Der Intendant steht an der Spitze des Senders. Er vertritt das ZDF nach außen und führt die Geschäfte. Seit dem 15. März 2012 ist Thomas Bellut im Amt. Er ist verantwortlich für das Program und beruft den Chefredakteur - allerdings braucht er für seinen Vorschlag die Zustimmung des Verwaltungsrates. Diese hatte sein Vorgänger Markus Schächter im Fall Nikolaus Brender 2009 nicht bekommen. Unionsministerpräsident Koch hatte bereits im Februar erklärt, er wolle einen anderen Chefredakteur. Am 27. November stimmten nur sieben der 14 Verwaltungsrats-Mitglieder für Brender - er hätte neun Stimmen gebraucht.
Fernsehrat
Der Fernsehrat überwacht das Programm und die Richtlinien für die Sendungen, befasst sich mit Beschwerden, genehmigt den vom Verwaltungsrat beschlossenen Haushaltsplan und wählt den Intendanten. Er hat 77 Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen. Dazu zählen zum Beispiel die großen Kirchen, der Zentralrat der Juden in Deutschland, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände, Umweltverbände und der Deutsche Sportbund. Die 16 Länder schicken je einen Vertreter, der Bund entsendet drei und die politischen Parteien schicken zwölf Vertreter. Die Mitglieder sollen in ihrer Zusammensetzung die Vielfalt der Gesellschaftsordnung repräsentieren. Es gibt grob eingeteilt zwei Freundeskreise: CDU-nah und SPD-nah. Der Fernsehrat tagt meist viermal im Jahr. Vorsitzender ist der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz.
Verwaltungsrat
Der Verwaltungsrat überwacht den Intendanten (vor allem in Haushaltsfragen) und stimmt über seine Personalvorschläge ab. Insgesamt gehören dem Gremium 14 Mitglieder an: Neben fünf Vertretern der Länder und einem des Bundes werden acht Mitglieder vom Fernsehrat gewählt - sie dürfen weder einer Regierung noch einer gesetzgebenden Institution wie etwa Bundes- oder Landtag angehören. Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) leitet den Verwaltungsrat. Weitere Ländervertreter sind die Ministerpräsidenten von Bayern und Sachsen, Horst Seehofer (CSU) und Stanislaw Tillich (CDU), Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Brandenburgs Ex-Regierungschef Matthias Platzeck (SPD).
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