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Hetzblatt "Zuerst": DGB kritisiert Bauer wegen Rechtspostille

Ist es in Ordnung, dass die Bauer Media Group ein rechtsradikales Magazin vertreibt? Nein, findet der DGB und fordert in einem offenen Brief dazu auf, die Zeitschrift "Zuerst" aus dem Sortiment zu werfen. Bei Bauer jedoch sieht man den Vertriebsdeal durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Völkische Postille mit solidem Vertriebsdeal: Die Bauer Media Group lässt "Zuerst" ausliefern. Zur Großansicht

Völkische Postille mit solidem Vertriebsdeal: Die Bauer Media Group lässt "Zuerst" ausliefern.

Hamburg - Die erste Ausgabe im neuen Jahr verheißt eine wilde Verschwörungstheorie: "Bestellter Terror" ruft es vom Titelblatt des Magazins "Zuerst" und die Unterzeile fragt: "Wem nützt die 'rechte Gewalt'?" Die Redaktion des in Kiel erscheinenden Magazins hält die Zwickauer Terrorzelle offensichtlich für ein politisches Konstrukt - und verspricht "ganz andere Hintergründe" der Mordserie zu enthüllen.

Die krude Geschichte gehört noch zu den harmloseren Seiten des rechtsradikalen Magazins aus Kiel. Wenn das Blatt etwa über "Deutschenmobbing" schreibt, wird der Ton offen rassistisch. "Der typische Serientäter ist männlich, arabischer Herkunft und bleibt auch als Erwachsener kriminell", heißt es an einer Stelle und an einer anderen: "In der Regel leben die kriminellen arabischen Familien in großen, eng verbundenen Clans, oft mit zehn bis 15 Kindern, von Sozialgeldern und von Kriminalität. (…) Sie haben eine Selbstbedienungsmentalität entwickelt, die darauf abzielt, sich zu nehmen, was immer sie wollen und wann und so oft sie es wollen." Den greisen Überfremdungs-Ideologen Theodor Schmidt-Kaler zitiert das Blatt mit den Worten: "Es ist keine Übertreibung, wenn ich heute sage: Unser deutsches Volk steht auf der Kippe zum Sterben."

Das rechte Hetzblatt erscheint in der Verlagsgruppe Lesen & Schenken des Kieler Verlegers Dietmar Munier, der auch Souvenirs mit dem in der Neonazi-Szene beliebten Lebensrunen-Zeichen vertreibt und DVDs mit Titeln wie "Der Berghof - Hitler ganz privat". "Ja, ich will dabei sein, wenn die geistige Elite unseres Volkes sich unsere nationalen Rechte zurückholt", so wirbt der Verlagskatalog Neuabonnenten für das Magazin. Doch "Zuerst" ist nicht nur auf Bestellung erhältlich, sondern an jedem Kiosk. Die Verlagsunion, eine 100-prozentige Unternehmenstochter des Hamburger Bauer-Verlages, liefert das Blatt bis in jeden Winkel der Republik.

Schon kurz nachdem "Zuerst" im Dezember 2009 erstmalig erschienen war, protestierte der Betriebsrat der Bauer Media Group gegen den Deal der Bauer-Vertriebstochter mit dem braunen Verleger - ohne Erfolg: Die Verlagsunion liefert das Blatt bis heute aus. Jetzt hat der Deutsche Gewerkschaftsbund Hamburg nachgelegt: In einem offenen Brief fordert der DGB den Bauer-Verlag auf, die Zusammenarbeit mit dem rechtsextremen Magazin zu beenden. "Wir alle müssen unseren Beitrag dazu leisten, dass in diesem Land und überall auf der Welt Rechtsextreme mit ihrem rassistischen, menschenverachtenden und volksverhetzenden Gedankengut keine Chance haben", schreibt Hamburgs DGB-Vorsitzender Uwe Grund in dem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben.

Bei der Bauer Media Group gibt man sich von dem offenen Brief unbeeindruckt. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte eine Sprecherin der Verlagsgruppe: "Pressefreiheit soll Meinungsfreiheit im Rahmen der geltenden Gesetze ermöglichen und deckt das volle politische Spektrum ab. Eine Demokratie muss Meinungsfreiheit aushalten können."

twi/dapd

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Hüstel
E.A.123 29.12.2011
Zitat von sysopIst es in Ordnung, dass die Bauer Media Group ein rechtsradikales Magazin vertreibt? Nein, findet der DGB und fordert*in einem offenen Brief*dazu auf, die Zeitschrift*"Zuerst" aus dem Sortiment zu werfen. Bei Bauer jedoch sieht man den Vertriebsdeal durch die Meinungsfreiheit gedeckt. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,806214,00.html
Hat der DGB keine andere Sorgen? Sogar der Spiegel berichtet nun über die Spaltung der Gesellschaft in reich und arm. Aber nein der DGB muss für die Bauer Group, die es seit 19-irgendwann gibt und die schon immer bekannt war für menschenverachtende Methoden Werbung machen. Wir sind ausgetreten. Man muss ihnen das Geld abnehmen, dann werden die auch wieder demütiger.. So wie der "unqualifizierte" Arbeitnehmer.
2. Boykott?
Wasserfloh 29.12.2011
Zitat von sysopIst es in Ordnung, dass die Bauer Media Group ein rechtsradikales Magazin vertreibt? Nein, findet der DGB und fordert*in einem offenen Brief*dazu auf, die Zeitschrift*"Zuerst" aus dem Sortiment zu werfen. Bei Bauer jedoch sieht man den Vertriebsdeal durch die Meinungsfreiheit gedeckt. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,806214,00.html
Bedauerlicherweise hat die Bauer Media Group ja nichts im Sortiment, das von einem ernstzunehmenden Menschen abonniert wird - sonst hätte man ja zum Boykott aufrufen können.
3. Das hat mit Meinung nichts zu tun
Harantor 29.12.2011
Grundsätzlich mag ich es, wenn die Rechten ihre Meinung sagen oder sich im Parlament herumtreiben. Da machen sie sich dann oft lächerlich. Man muss in der Lage sein, auch diese Meinungen auszuhalten. Aber die zitierten Sätze haben mit Meinung nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun. - Grauenhaft, was Bauers Vertrieb da macht.
4. Boykott
erlachma 29.12.2011
Zitat von WasserflohBedauerlicherweise hat die Bauer Media Group ja nichts im Sortiment, das von einem ernstzunehmenden Menschen abonniert wird - sonst hätte man ja zum Boykott aufrufen können.
Simmt, hab das Bauer-Sortiment mal durchgeschaut. Es gibt ein paar Zeitschriften, die man vom Namen her kennt (Bravo, AutoZeitung, Das neue Blatt, selbst ist der Mann, TV Movie, TV14), aber nicht eine einzige davon habe ich jemals gekauft. TV14 hatten zumindest meine Eltern früher, weil es die preisgünstigste Fernsehzeitschrift war. Kann also leider nicht mithelfen beim Boykott :-( Meinungsfreiheit ist wichtig, sicher - und niemand will "Zuerst" verbieten. Aber man muss nicht unbedingt mit Rassismus und braunem Geschwafel auch noch Geld verdienen wollen. Ich weiß aber auch nicht, ob die Kioskbesitzer nicht auch eine Mitschuld tragen, oder müssen die alles pauschal abnehmen, was Bauer liefert?
5. aha...
snickerman 29.12.2011
Zitat von E.A.123Hat der DGB keine andere Sorgen? Sogar der Spiegel berichtet nun über die Spaltung der Gesellschaft in reich und arm. Aber nein der DGB muss für die Bauer Group, die es seit 19-irgendwann gibt und die schon immer bekannt war für menschenverachtende Methoden Werbung machen. Wir sind ausgetreten. Man muss ihnen das Geld abnehmen, dann werden die auch wieder demütiger.. So wie der "unqualifizierte" Arbeitnehmer.
Sie schwächen also die Arbeitnehmervertreter und sind auch stolz darauf? Und werfen dem DGB Werbung FÜR den Bauer-Konzern vor? Haben Sie irgendeine Ahnung, was Sie schreiben?
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