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Heute in den Feuilletons: "Antisemitismus von links"

In der "taz" geißelt der Psychoanalytiker Martin Altmeyer den Antisemitismus von links. Die "FAZ" tröstet die Zeitungsjournalisten: Nie wird das Netz so schön schreiben wie sie. Und kennen Sie schon den australischen Obama?

Die Welt, 23.01.2009

Uwe Wittstock zitiert "gewöhnlich sehr verlässliche Quellen", die behaupten, in Berlin seien bereits die Makler unterwegs, um geeignete Lokale für den Suhrkamp Verlag zu finden. Für Frankfurt wär's ein herber Schlag: "Die FAZ, die ebenfalls zu den Frankfurter Agenturen zählt, die über kulturelle Bedeutsamkeit befinden, hat das Feuilleton ihrer neuen Sonntagszeitung bereits in Berlin untergebracht. Der Plan, das übrige Feuilleton ebenfalls in die Hauptstadt zu verpflanzen, wurde zumindest erwogen. Nachdem jüngst der Verleger der Frankfurter Rundschau die Berliner Zeitung erworben hat, ist es zudem nicht undenkbar, dass die Kulturberichterstattung für diese beiden Zeitungen künftig aus einer Berliner Redaktion kommen wird." Fehlt nur noch die Buchmesse!

Weitere Artikel: Die Aufmacherseite befasst sich mit der Rolle des Papstes Pius XII. in der Nazizeit. Sven Felix Kellerhoff besucht eine vom jetzigen Papst initiierte Ausstellung zum Thema in Berlin (deren apologetische Tendenz ihm nicht entgeht). Paul Badde hat Michael Hesemanns Buch "Der Papst, der Hitler trotzte" gelesen, der das von Rolf Hochhuth geprägte Bild dieses Papstes ebenfalls revidiert. Hanns-Georg Rodek kommentiert Oscar-Nominierungen. Sven Felix Kellerhoff stellt ein Archivprojekt zu Zwangsarbeitern in der Nazizeit im Internet vor. Matthias Heine berichtet, dass die Witwe von Frank Zappa einen Prozess gegen das Festival "Zappanale", dessen Name sie störte, verloren hat. Hendrik Werner resümiert schwedische Debatten um Liza Marklund, deren erster Roman nicht ganz so präzise der Wahrheit zu entsprechen scheint, wie sie behauptet hatte. Und Holger Kreitling unterhielt sich mit dem Pixar-Gründer John Lasseter, der gerade seinen neuen Film "Bolt" in die Kinos bringt.

Aus den Blogs, 23.01.2009

Der Online-Chef der SZ, Hans-Jürgen Jakobs hat ein Buch für ein Internet geschrieben, wie er es gerne hätte. Darin schreibt er auch auch über das Blog Indiskretion Ehrensache, dessen Betreiber Thomas Knüwer sich nun gegen die Behauptung wehrt, er verstehe sich als unabhängig: "Im Gegenteil: Ich bin abhängig. Ich schreibe hier nichts Negatives über meinen Arbeitgeber und verbundene Unternehmen. Das habe ich mehrfach betont und dafür auch Prügel bezogen. Keine Ahnung, woher Jakobs diese Annahme hat - sie ist aber falsch."

Ach, und der Perlentaucher hat jetzt auch ein Blog: Im Ententeich. Es geht aber nicht nur um Medien.

Die Tageszeitung, 23.01.2009

Recht kraftvoll wendet sich der Psychoanalytiker Martin Altmeyer auf der Meinungsseite gegen den neuerdings salonfähigen Antisemitismus von links: "Die antisemitische Radikalisierung erreichte ihren Höhepunkt, als Naomi Klein, Ikone der Antiglobalisierungsbewegung, im Guardian dazu aufrief, israelische Produkte, Firmen und Institutionen weltweit zu boykottieren, um endlich den von palästinensischen Gruppen erfundenen Israel-Boykott in der globalisierungskritischen Linken salonfähig zu machen. Umgehend übernahmen Professoren an britischen Universitäten den Aufruf und forderten einhellig Israels Niederlage ('Israel must lose!') - unter ihnen der unvermeidliche Slavoj Zizek..."

Außerdem auf der Meinungsseite ein Kommentar zu den neuesten Moskauer Staatsmorden (siehe dazu auch unseren Link des Tages).

Auf den Kulturseiten informiert Henrike Thomsen über ein erstes Kunstmarktopfer der Finanzkrise: wegen schlechter Geschäftsaussichten wurde die für März geplante Manhattans International Asian Art Fair abgeblasen. Besprochen werden die neue Alben "Working On A Dream" von Bruce Springsteen (hier) und "Tonight: Franz Ferdinand" (hier).

Einen Skandal nennt Philipp Gessler in tazzwei eine Ausstellung des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften über Papst Pius XII. im Berliner Charlottenburger Schloss. Der umstrittene Papst, der den Holocaust nie anprangerte, soll selig gesprochen werden, und die Schau "Opus Justitiae Pax - Das Werk der Gerechtigkeit ist der Frieden" zeige, wie "die Reaktionäre im Vatikan triumphieren".

Und Tom.

Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2009

Der Ideenhistoriker Jan-Werner Müller erzählt, wie Amerikas Konservative begonnen haben, sich gegenseitig zu zerfleischen: "Paradoxerweise wird der Neokonservatismus dabei am ehesten als ideologischer Totalschaden abgeschrieben, obwohl er, zumindest was seine Grundgedanken angeht, derzeit noch plausibler erscheint als die Rezepte der radikalliberalen (libertären) Marktliebhaber oder die kulturkämpferischen Parolen der Evangelikalen - die anderen weltanschaulichen Parteien der einstmals großen konservativen Koalition."

Weiteres: Auf der Möbelmesse Köln hat Andrea Eschbach vergeblich nach bemerkenswerten Neuigkeiten gesucht. Beatrix Langner besucht den Berliner Verleger Christian Ewald, der sich mit seiner Katzengraben-Presse der exquisit Gestaltung verschrieben hat. Heute würde Motown wie Raphael Saadiq ("The Way I See It"), Jamie Lidell ("Jim" und Anthony Hamilton "The Point of it All") klingen , meint Jonathan Fischer auf der Plattenseite, die auch den Artikel zum fünfzigjährigen Jubiläum des Labels nachliefert.

Auf der Medienseite schreibt die unermüdlich Sabine Pamperrien über die Deutsche Welle und die Probleme mit ihrem chinesischen Dienst.

Berliner Zeitung, 23.01.2009

Frankfurt mag sich trösten: Der Buchstadt Leipzig geht's noch schlechter, weiß Jörg Sundermeier. "Nach 1990 versprachen viele größere Verlage, ihre Leipziger Dependancen, die dadurch häufig entstanden, dass Ostverlage wie Insel oder Reclam mit gleichnamigen Westverlagen zusammengeführt wurden, zu halten. Das ist ebenso vergessen wie die meisten Ostverlage, die von der Treuhand an den nächstbesten Abwickler verhökert wurden. Schon liegt Leipzig mit rund 1.100 Titeln im Jahr weit abgeschlagen auf Platz 14 des Verlagsstadt-Rankings."

Frankfurter Rundschau, 23.01.2009

Mit der Oscar-Nominierung des "Baader-Meinhof-Komplexes", schwant Daniel Kothenschulte, hat Bernd Eichinger erreicht, worauf er seit Jahrzehnten hinarbeitete: "Das deutsche Kino wird nicht mehr mit seiner Kunsttradition identifiziert werden, sondern mit seinem kommerziellen Mainstream... Viele waren an diesem Prozess beteiligt, der historisch mit dem Tod Fassbinders 1982 zaghaft einsetzte, dann zu gravierenden Veränderungen in Filmförderung und -ausbildung führte, hin zu marktfähigeren Produkten. Ein weiterer Wegstein war die Entmachtung der Expertenjurys bei der Bundesfilmpreisvergabe. Der größte deutsche Fördertopf, der Filmförderfonds des BKM, operiert heute ohne Drehbuchprüfung. Wie viele kommerziell eingestellte Produzenten bereits in den Achtzigern forderten, wird ohne Blick auf den Kunstwert ein Kostenzuschuss bewilligt."

Weiteres: In Times mager zerstört Arno Widmann die Illusion, Ressentiments speisten sich aus mangelnder Vertrautheit: "Man weiß, dass die infamsten Verbrechen innerhalb der Familie begangen werden. Unser Hass ist nicht dem Fremden vorbehalten." Sylvia Staude unterhält sich mit dem Choreografen und Tänzer Sidi Larbi Cherkaoui. Sandra Danicke stellt die neue Direktorin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, Susanne Geansheimer, vor.

Besprochen werden ein Konzert Jordi Savalls in der Alten Oper Frankfurt, das Album "Heart On" der Eagles of Death Metal, Eric Kochs Erinnerungen "Die Braut im zweilicht", Isabelle Graws Buch über den Kunstmarkt "Der große Preis" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

Der Tagesspiegel, 23.01.2009

Ein moralisches Manifest für eine neue Bescheidenheit legt der israelische Architekt Zvi Hecker vor: "Je obskurer und ökologisch unverantwortlicher die Finanzinvestitionen gerieten, desto exzessiver gebärdete sich die architektonische Formensprache. In ihrer extremsten Form wurde die schiere Existenz von Architektur zu ihrer alleinigen Funktion, genauso wie das aufgeblasene Wachstum der Finanzmärkte ihr alleiniges raison d'être wurde."

Süddeutsche Zeitung, 23.01.2009

Lothar Müller spekuliert darüber, warum Suhrkamp die Umzugspläne nach wie vor nicht dementiert. Die Motive können nur ökonomischer Natur sein, glaubt er, aber: "Dieses Motiv kann nicht eine Villa in Berlin sein, mag Klaus Wowereit sie noch so günstig anbieten. Es ist der Umzug selbst. Denn Umzüge über die Grenzen mehrerer Bundesländer hinweg sind eine attraktive Technik der Kosteneinsparung durch die Verschlankung eines Betriebs... Der Suhrkamp-Verlag hat etwa 150 Mitarbeiter, von denen sich laut Börsenblatt in einer Umfrage des Betriebsrates 80 Prozent gegen einen Umzug ausgesprochen haben. Ebendiese Umzugsunwilligkeit des Personals aber erhöht, so ist zu vermuten, die ökonomische Attraktivität des Umzugs für den Fall, dass Suhrkamp drastische Einsparungen vornehmen muss."

Weitere Artikel: Im Interview erklärt Regisseur Terry Gilliam, der gerade den Film fertigstellt, vor dessen Beendigung Heath Ledger starb: "Sogar heute bin ich mir immer noch nicht sicher, ob Heath wirklich tot ist. Immerhin arbeite ich jeden Tag mit ihm im Schneideraum!" Jörg Königsdorf unterhält sich mit dem Komponisten Georg Katzer über die Neue-Musik-Szene der DDR, um die es beim diesjährigen Ultraschall-Festival gehen soll. "stsp." weist auf eine neue Website hin, die Interviews mit ehemaligen Zwangsarbeitern archiviert. Johannes Willms schreibt einen kurzen Nachruf auf Aristide Maillols Modell Dina Vierny. Susan Vahabzadeh listet die Oscar-Nominierungen auf und kommentiert knapp.

Besprochen werden Cathy Marstons "Sturm"-Choreografie in Bern, ein Solo-Konzert der Geigerin Carolin Widmann in Elmau, ein Münchner Konzert mit Gidon Kremer, die Ausstellung "E. W. Nay. Bilder der 1960er Jahre" in der Frankfurter Schirn, das dritte Franz-Ferdinand-Album "Tonight" und Bücher, darunter Wolfgang Schieders Studie "Faschistische Diktaturen" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2009

Auf der Medienseite glaubt die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel, dass die Zeitung überleben wird, indem sie sich ändert. Auf der einen Seite muss sie mit ihren Nachrichten ins Netz. Jedoch: "Eine andere Art des Journalismus wird weiter mit dem gedruckten Wort arbeiten, am Kiosk zu kaufen oder per Abo im Briefkasten zu finden sein. Das sind die Geschichten, die nicht in Häppchen als Schnäppchen im Sekundentakt im Netz plaziert werden, sondern die recherchiert, korrigiert, gegengelesen, überarbeitet, also weiterhin in einem aufwendigen Prozess entstehen. Sie sind Meisterstücke, Ergebnisse von Individualität, Kreativität und den richtigen verlegerischen Investitionen in Köpfe, die das können. Dazu braucht man keinen Newsroom, dazu braucht man Schreiber, die die Welt erzählen."

Mark Siemons konstatiert, dass das Bloggen in China eine öffentliche Sphäre zu schaffen verspricht, die es sonst so nicht gibt: "Unter den chinesischen Bedingungen gewährt der elektronische Raum ungewohnte Möglichkeiten nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch der Authentizität. In der täglichen Arbeit, sagte [der Pekinger Blogger Wang Xiaoyang], spreche er 'Geistersprache, den offiziellen Jargon, aber in meinem Blog, da spreche ich Menschensprache. Da sage ich die Wahrheit.' So scheint das Internet China ein Bild des öffentlichen Intellektuellen nahezubringen, wie man es vom Westen her kennt."

Weitere Artikel: In der Glosse mag Edo Reents das Wiedervereinigungs-Tagebuch des Günter Grass nicht. Martin Heller, Intendant der Kulturhauptstadt Linz (Website) erklärt im Interview, warum die Stadt als Kulturstandort bei dem Ereignis nur gewinnen kann. Jürg Altwegg porträtiert den schwarzen Schauspieler William Nadylam, der am Tag von Barack Obamas Amtseinführung in Genf als Candide auf der Bühne stand. Siegfried Thielbeer informiert über Vorwürfe gegen die schwedische Bestseller-Autorin Liza Marklund, diese habe den Fall einer misshandelten Frau in zwei nicht-fiktiven Werken allzu einseitig aus Sicht des Opfers dargestellt. Gerhard Rohde schreibt zum Tod des Musikverlegers Gottfried Möckel.

Besprochen werden die Ausstellung "Bookmarks. Wissenswelten von der Keilschrift bis YouTube" in Hannover (und bei Youtube), die Ausstellung "Die 24 besten Bauwerke aus/in Deutschland" im Deutschen Architektur Museum, Clint Eastwoods Verfilmung einer so wahren wie absurden Geschichte "Der fremde Sohn", Oskar Roehlers neuer Film "Lulu und Jimi", und Bücher, darunter Heinz Strunks "Feuchtgebiete"-Replik "Fleckenteufel" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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