Heute in den Feuilletons: "So viele Hürden und Gräben"

Navid Kermani ist nach Iran gereist und berichtet für die "Zeit". In der "SZ" kritisiert Tony Judt die israelische Siedlungspolitik. Die "Welt" berichtet über die Festnahme des chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo. In der "FR" verneigt sich der Kader Abdolah vor der iranischen Jugend.

Frankfurter Rundschau, 25.06.2009

Der in den Niederlanden lebende iranische Autor Kader Abdolah verneigt sich vor der Jugend seines Landes: "Sie, die ihren Eltern stets vorwarfen, dass das Regime, für das sie gekämpft haben, ihnen heute das Leben so schwer mache. Nun gehen sie selbst auf die Straße, um die Revolution ihrer Eltern zu korrigieren. Voller Bewunderung und Überraschung stelle ich fest, dass sie tapferer sind als ihre Eltern. Was für mutige Menschen, was für eine kraftvolle Generation!"

Weitere Artikel: Der Regisseur Peter Sellars erzählt im Interview, dass er seine "Othello"-Inszenierung verfilmen und an Schulen zeigen will, um zu verdeutlichen: "Hochzeiten zwischen zwei Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe müssen nicht mit einer Strangulation enden." In Times Mager erinnert Christian Schlüter an Michel Foucault, der Ende der Siebziger für den Corriere della Sera aus dem Iran berichtete.

Besprochen werden Ursula Meiers Film "Home" (muss man im Kino sehen, empfiehlt der hingerissene Daniel Kothenschulte), Connie Walthers Film "Schattenwelt" (endlich ein Film, "der die Folgen der RAF-Morde aus der Perspektive menschlicher Anteilnahme und filmanalytischer Traumaforschung beleuchtet", freut sich Heike Kühn, die auch die Schauspieler Ulrich Noethen und Franziska Petri ganz fabelhaft findet), Julie Delpys Film "Die Gräfin", Chris Isaaks neue CD "Mr. Lucky" und Michael Bays Film "Transformers - Die Rache".

Weitere Zeitungen, 25.06.2009

Die Familie der erschossenen Iranerin Neda Agha-Soltan wurde aus ihrer Wohnung vertrieben. Außerdem wurde ihnen die Leiche ihrer Tochter verweigert, die statt dessen von den Behörden an geheimgehaltenem Ort vergraben worden sein soll. Dies berichtet der Guardian unter Berufung auf die Nachbarn der Familie. "The government is also accusing protesters of killing Soltan, describing her as a martyr of the Basij militia. Javan, a pro-government newspaper, has gone so far as to blame the recently expelled BBC correspondent, Jon Leyne, of hiring 'thugs' to shoot her so he could make a documentary film."

Aus den Blogs, 25.06.2009

"Juhuu, Carta hat einen Grimme-Preis bekommen", jubelt Robin Meyer-Lucht auf dem auch vom Perlentaucher häufig zitierten Blog (kein Wunder übrigens, vor der Gründung seines Blogs hat Meyer-Lucht am Virtualienmarkt des Perlentauchers mitgeschrieben und die in den Mainstreammedien lange unterbelichtete Debatte um den Strukturwandel der Öffentlichkeit mitgeprägt, Glückwunsch also auch von unserer Seite!) "Carta ist ein erstes gelungenes deutschsprachiges Beispiel dafür, dass ein Autoren-Blog nicht lediglich als Ergänzung zu den einschlägigen Medienseiten der überregionalen Presse abgetan werden kann", heißt es in der Begründung der Jury. Hier die übrigen Preisträger des diesjährigen Grimme Online Awards.

Wolfgang Röhl kommentiert auf der Achse des Guten die Kritik in den Medien an Tom Buhrows Nebeneinnahmen: "Ich behaupte mal, dass mindestens die Hälfte der journalistischen Buhrow-Basher gern die kleinen Vergünstigungen in Anspruch nimmt, die ihnen von Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern, Autofirmen etc. offeriert werden... Wie sonst käme eine Website mit dem lustigen Namen journalismus.com, wo der Weg in die Rabatten en Detail erklärt wird, zu ihren gewaltigen Klickzahlen?"

(Via BoingBoing) Staatszensoren haben in China zeitweise alle Google-Services blockiert. Damit soll Google gezwungen werden, seine Suchergebnisse einzuschränken. Angeblich geht es dabei um Pornoseiten. "Many Chinese netizens believe the move is intended to distract attention away from the domestic controversy over Green Dam censorship software, which must be sold with all new computers from 1 July."

Man kann Capybaras auch als Haustier halten, stellt Cory Doctorow auf Boingboing begeistert fest und verweist auf ein Interview mit der Capybara-Halterin Melanie Typaldos in Ecstatic Days: "When he's happy he sounds like a Geiger counter."

Neue Zürcher Zeitung, 25.06.2009

Der Iranist Reza Hajatpour, der 1986 zutiefst enttäuscht sein Theologiestudium in Ghom aufgab und nach Deutschland ins Exil ging, erzählt die Geschichte des Irans als eine der betrogenen Hoffnungen und sieht in den Protesten von Teheran die erste offene Machtprobe zwischen dem Volk und der klerikalen Despotie: "Die Ereignisse zeigen die Verwundbarkeit des islamischen Systems in Iran. Es war zu erwarten, dass Khamenei keinesfalls nachgeben wird, wie er dies in seiner Ansprache zum Freitagsgebet letzte Woche auch deutlich gemacht hat. Ihm ist bewusst, dass es bei den Protesten an erster Stelle nicht um den Wahlbetrug geht, sondern um die Infragestellung seiner Herrschaft, die inzwischen selbst von vielen seiner geistlichen Kollegen angezweifelt wird. Sein Auftritt am Freitag war eine offenkundige Machtdemonstration und die Konfrontation seiner neuen, fundamentalistischen Elite mit den Reformkräften und seinen Gegnern in den eigenen Reihen."

Weiteres: Brigitte Kramer attestiert dem neuen Roman "Fatimas Hand" des Barceloneser Juristen Ildefonso Falcones Weltbestseller-Potenzial. Besprochen werden Ole Bornedals Film "Just Another Love Story", Julie Delpys Historiendrama "Die Gräfin" und Nora Bossongs Geschichtsroman "Webers Protokoll" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Die Welt, 25.06.2009

Auf den Forumsseiten meint Krisztina Koenen, dass der Erfolg von Ungarns rechtsradikaler Partei Jobbik ganz Europa Sorge bereiten sollte. Den im Land verbreiteten Chauvinismus erklärt sie damit, "dass sich die Ungarn, als Juniorpartner Österreichs in der Monarchie, immer schon als eine Art Herrenvolk verstanden, voller tiefer Verachtung für ihre Nachbarn und Minderheiten. Der Antisemitismus, die Verachtung der Roma, aber auch der Slowaken, Rumänen, Ukrainer war seither immer präsent. Hinzu kam mit dem Ende des Ersten Weltkriegs der Frieden von Trianon, der das Land etwa zwei Drittel seines Staatsgebiets beraubte und damit ausgerechnet die verhassten Slowaken, Rumänen und Ukrainer 'belohnte'. Damit war die gegen jeden aufrechten Ungarn gerichtete Verschwörungstheorie komplett und nur natürlich, dass Ungarn im Zweiten Weltkrieg aus Hoffnung auf Grenzrevisionen bis zum Schluss treuer Verbündeter Deutschlands blieb." Aufgearbeitet wurde im Kommunismus natürlich nichts.

Im Feuilleton meldet Johnny Erling, dass China den prominenten und seit mehr als sechs Monaten weggesperrten Bürgerrechtler Liu Xiaobo unter dem Vorwurf umstürzlerischer Aktivitäten offiziell hat verhaften lassen. "In einem unklar formulierten Wortlaut hieß es weiter, dass Liu die ihm polizeilich zum Vorwurf gemachten 'Tatsachen für seine Verbrechen nicht bestritten' hätte. Liu Xiaobos Vertrauensanwalt Mo Shaoping sagte der Welt, dass der Passus kein Schuldbekenntnis Lius bedeute. Dieser habe offenbar der Polizei lediglich bestätigt, dass ihm zur Last gelegte Essays, Zeitungs-, Internetartikel oder Interviews tatsächlich auch von ihm verfasst wurden." Liu Xiaobo war Initiator des Freiheitsmanifest Charta 08.

Büchnerpreisträger Josef Winkler klagt über Klagenfurt, die einzige Großstadt in Mitteleuropa, die sich keine Stadtbibliothek leistet: "Wie lange werden sich die Bevölkerung des Landes K. und die Bewohner der Stadt K. von diesen schamlosen und räuberischen Politikern, den Hausherrn des Landes Kärnten und den Hausherrn der Stadt Klagenfurt, noch ausbeuten lassen, wann werden sie endlich auf die Straße gehen und den Mund aufmachen, wie lange werden sie sich noch schweigend einrichten, wie lange noch werden sie demütig sein und sich lammfromm ausrauben lassen..."

Weiteres: Manuel Brug sichtet die Sturmschäden, die die Finanzkrise in den amerikanischen Klassikinstitutionen hinterlassen hat. Johanna Schmeller liest neue Bücher über Michel Foucault. Besprochen werden die Ausstellung "Zu Gast" im August Kestner Museum in Hannover, Ursula Meiers Roadmovie unter umgekehrten Vorzeichen "Home" und Connie Walthers RAF-Film "Schattenwelt".

Die Tageszeitung, 25.06.2009

Wenig überraschend findet es die deutsch-iranische Journalistin Saba Farzan auf der Meinungsseite, dass die offenen Proteste in Teheran vor allem von Frauen und Jugendlichen getragen sind. "Die 'Islamisierung' der Universitäten bewirkte, dass den weiblichen Studenten zu einer ganzen Reihe von Studienfächern der Zugang verwehrt wurde. Die Begründung lautete damals, Frauen seien angeblich zu emotional für die meisten naturwissenschaftlichen Fächer. Mit demselben Argument wurde Frauen verboten, als Richterinnen tätig zu sein. (...) Wenn junge Teheraner Medizin-Absolventen, um irgendwie über die Runden zu kommen, an der Straßenecke Pistazien verkaufen müssen, werden sie über kurz oder lang am bestehenden System zweifeln. (...) Wer die iranische Gesellschaft genauer betrachtet hat, wusste, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich die junge iranische Generation gegen eine rückständige Diktatur auflehnt."

Auf den Kulturseiten berichtet Katrin Bettina Müller über das europaweite Theaterprojekt "After the Fall" des Goethe-Instituts über die Folgen des Mauerfalls; in dessen Rahmen wurde jetzt im alten Stary Teatr von Krakau Andrzej Stasiuks "Warten auf den Türken" uraufgeführt. Julian Weber stellt die Hörstücke des Musikers und Hörspielautors Albrecht Kunze vor, die postdramatische Inszenierungsformen und elektronischen Pop verknüpfen.

Besprochen werden das beachtliche Spielfilmdebüt "Home" der Schweizer Regisseurin Ursula Meier, der Film "Schattenwelt" von Connie Walther, der vom Leben eines RAF-Täters und dem seines Opfers erzählt, und die DVD von "Sholay", dem erfolgreichsten indischen Film aller Zeiten.

Hier Tom.

Die Zeit, 25.06.2009

Der nach Teheran gereiste Navid Kermani schildert in einem Tagebuch (mehr hier) im vorderen Teil beeindruckende Szenen des iranischen Volksaufstands - und wie die Ayatollahs ihn niederzuknüppeln versuchen. "Die Arbeiter der U-Bahn, die neben der Stadtautobahn gebaut wird, stehen auf ihren mehrstöckigen Wohncontainern und zeigen das Siegeszeichen der Reformer, als der Hubschrauber über ihnen kreist, ebenso die meisten Autofahrer, die im Stau stecken. Als es jungen Leuten gelingt, eine Einheit der Basidschis mitten auf der Stadtautobahn in die Flucht zu schlagen, hupen die Autofahrer, manche steigen aus und tanzen; von den umliegenden Häuserdächern und der Fußgängerbrücke, auf die ich gestiegen bin, ruft man: Tod der Diktatur. Dann treffen die Zedde Schuresch (die Einsatzkommandos) ein. Die Demonstranten fliehen über die Leitplanke, einzelne finden Zuflucht in Autos. Ich höre jemanden rufen: Alle hupen!, schon setzt wieder das Hupkonzert ein. An allen Straßenkreuzungen sind Milizen postiert, im Norden selbst Männer mit weißen Bärten und schmächtige Jungen, nicht älter als 15. Die Rufe, dass Gott größer ist, sind an diesem Abend lauter und dauern länger."

Der iranische Schriftsteller Mahmud Doulatabadi denkt in einem Text sehr verhalten über sich und seine Rolle beim Aufstand nach: "Ich versuche meiner Sinne Herr zu werden, übe Geduld und denke nach, vor allem darüber, warum sich auf dem Weg dieser Menschen zu einer zivilen Gesellschaft, Menschen, die schon oft ihre kulturelle Reife bewiesen haben, so viele Hürden und Gräben gebildet haben. Ich weiß es nicht."

Für das Dossier ist Anita Blasberg mit Christoph Schlingensief nach Burkina Faso gereist, wo dieser einige Autostunden von Ouagadougou entfernt die bizarre Idee eines Opernhauses für Afrika verfolgt. "Nach seinem Vortrag im Goethe-Institut blickt Schlingensief in ratlose Gesichter. 'Sie sind ein großer Mann, der daran glaubt, was er macht', hebt schließlich ein Theaterbesitzer an, 'aber was genau ist Ihr Plan?' 'In welcher Sprache wollen Sie inszenieren?', fragt die Kinobetreiberin. 'Was erwarten Sie von uns?', will die Frau vom Informationsministerium wissen. Schlingensief zitiert Beuys. Die Ursache liegt in der Zukunft. 'Wir wissen noch nicht, warum wir das hier machen, aber in Zukunft werden wir das verstehen.'"

Weiteres im Feuilleton: Der Bildungspolitiker Konrad Schily zürnt über die Bologna-Reform, die nur zu Bürokratismus und Effizienzwahn, auch unter Studenten, geführt hat. Ulrich Stock lässt sich durch die Europäische Kulturhauptstadt Linz treiben. Hartmut Rosa plädiert generell für Entschleunigung. Wilhelm Trapp besucht den Publizisten und Besitzer der größten Sammlung von Proust-Briefen, Reiner Speck. Zum Tod von Ralf Dahrendorf schreiben auf einer Doppelseite Ulrich Beck, Haug von Kuehnheim, Hans Joas und Timothy Garten Ash. Der Historiker Fritz Stern wird in einem Interview zu seiner Freundschaft mit Dahrendorf befragt.

Christoph Dieckmann bekennt seine wechselvolle Liebe zur Band Wilco. Besprochen werden zudem eine Ausstellung mit Collagen des Angolaners Antonio Ole, die Uraufführung von Christian Josts "Hamlet" in Berlin und Ursula Meiers Film "Home" mit Isabelle Huppert als "ruppig proletarischer" Mutter.

Außrdem gibt es heute eine neue Ausgabe des Literaturmagazins. Auf den regulären Literaturseiten preist Klaus Harpprecht John Wrays New Yorker Roman "Retter der Welt" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2009

Die Islamkonferenz ist beendet und nach Necla Kelek "erfolgreich gescheitert". Statt Verhandlungen mit nicht ernannten Repräsentanten, fordert die Soziologin einen auch mit Geistlichen besetzten Sachverständigenrat, der sich im Auftrag der Regierung um die Belage der Muslime kümmert: "Ein solches Gremium könnte gewissermaßen die Mitwirkung und die Verantwortung der Muslime in der deutschen Gesellschaft repräsentieren. Es könnte praktisch für die Integration der Muslime wirken, offene demokratische Strukturen in Moscheen fördern, die Curricula der Imamausbildung begleiten und den Prozess der Vermittlung, Erneuerung und Anpassung des islamischen Lebens in der Zivilgesellschaft moderieren."

Weitere Artikel: Mark Siemons kommentiert die Festnahme des Literaturwissenschaftlers Liu Xiaobo, der die Charta 08 und ihre Forderungen nach demokratischer Partizipation unterstützt - und das ausgerechnet in den Tagen einer Pressereise, die die Buchmesse für den China-Schwerpunkt im Oktober organisiert. Aufmacher ist ein Gespräch mit Max Hollein, Leiter des Städel Museums, und Raphael Gross, Direktor des Jüdischen Museums in Frankfurt, über die Restitution von Raubkunst - beide lehnen die Definition einer Frist für die Rückgabe von Werken an Erben ab. Gemeldet wird, dass Ismail Kadare den hochdotierten Asturien-Preis bekommen soll. Eduard Beaucamp schreibt zum Tod des Bremer Museumsdirektors Günter Busch.

Für die Filmseite berichtet Hans-Jörg Rother vom deutschen Kinemathekstag. Auf der Medienseite berichtet Regina Mönch über ein Berliner Kolloquium zum Erbe der Geheimdienste in Osteuropa. Gina Thomas stellt die 41-jährige Journalistin Rebekah Wade vor, die nach sechs Jahren als Chefin der Sun nun Rupert Murdochs Statthalterin in Großbritannien wird. Gemeldet wird, dass die Handelsblatt-Gruppe fast 200 Stellen streicht. Und Peer Schader beobachtete den Auftritt des HBO-Chefs Simon Sutton beim Medienforum NRW.

Besprchen werden Julie Delpys Film "Die Gräfin", eine Choreografie mit Vladimir Malakhov als Dichter Shelley in Berlin und ein Buch über Film und Literatur in Frankreich nach 1945 (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Süddeutsche Zeitung, 25.06.2009

Jörg Häntzschel erzählt, wie in den USA Dokumentarfilme wie "Food Inc." mit zunehmendem Erfolg die "Greuelpraktiken der Nahrungsmittelindustrie" an den Pranger stellen: "Konzerne, die 'Menschen mit derselben Kaltblütigkeit behandeln wie die Tiere in ihren Schlachthäusern'; Privatdetektive und Spitzel, die die Patentrechte des Saatgut-Giganten Monsanto unter Farmern mit Stasi-Methoden durchsetzen; Illegale, die rechtlos in den Fleischfabriken ackern, bis sie - sofern es die Produktionsabläufe zulassen - von der Einwanderungsbehörde deportiert werden."

Nach Benjamin Netanjahus Palästinenser-Rede fürchtet der Historiker Tony Judt eine ungebremste Fortsetzung der Siedlungspolitik und wirft den USA vor, Israel dabei zu unterstützen: "Die Zahl illegaler Siedler im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und auf dem Golan übersteigt die von Tel Aviv um fast ein Drittel. Fürwahr erstaunliche 'Siedlungen'. Wenn Israel sich an Siedlungen berauscht, waren die USA lange ihr Spirituosenhändler. Hätte Washington von 2003 bis 2007 nicht jährlich 2,8 Milliarden Dollar - 2013 sollen es 3,1 Milliarden werden - zur Verfügung gestellt, wären die Häuser im Westjordanland nicht so billig, nämlich nur halb so teuer wie Häuser im israelischen Kernland." (Hier der Originaltext aus der New York Times)

Weitere Artikel: Der Konstanzer Verwaltungswissenschaftler Wolfgang Seibel verteidigt die Bologna-Reformen gegen "deutsche Professoren und Feuilleton-Redakteure": Alles eine Frage der guten Organisation! Der Berliner Filmproduzent Christoph Möller fordert, aufwendige Blockbuster an den Kinokassen teurer zu machen als einheimische Low-Budget-Produktionen, damit die Zuschauer merkten, dass sie "werthaltiger" seien, so die etwas hinterhältige Logik. Titus Arnu stellt die Reihe Lego Architecture" vor, die berühmten Bauwerken in Kleinformat huldigt. Hans-Peter Kunisch besucht das Anna-Achmatowa-Museum in St. Petersburg. Christine Dössel schreibt zum Tod der Schauspielerin Hanne Hiob. Roswitha Budeus-Budde gratuliert dem Kinderbuchautor Eric Carle zum Achtzigsten.

Besprochen werden Julie Delpys Psychogramm der "Blutgräfin" Erzebet Bathory, Wayne Kramers Film "Crossing Over" mit Harrison Ford und Arkadi Babtschenkos Buch über den Tschetschenien-Krieg "Ein guter Ort zum Sterben" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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