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Heute in den Feuilletons: "Gibt es gerade nichts Schnelleres, Zeitgemäßeres?"

Zu Beginn der Leipziger Buchmesse staunt der "Tagesspiegel" über die Gleichzeitigkeit von Tempo und Behäbigkeit in der deutschen Literatur. Die "Presse" zerpflückt noch einmal die millionenschweren Verschwendungen am Wiener Burgtheater.

Efeu - Die Kulturrundschau

Literatur, 16.03.2016

Im NZZ-Interview spricht die Autorin Leila Guerriero über die Sucht nach Geschichten, die Essenz der Realität und das in Lateinamerika florierende Genre der Crónicas: "Ein Chronist erzählt von einer sonderbaren fremden Realität. Die ersten Crónicas wurden kurz nach der vermeintlichen Entdeckung Indiens geschrieben. Ein Chronist versucht, eine Realität zu erzählen für all jene, die sie nicht mit eigenen Augen gesehen haben. Dies taten die Cronistas de las Indias im 16. Jahrhundert. Sie berichteten dem spanischen König von diesem fremden Land, von den hier wachsenden Früchten und Pflanzen, von den eigenartigen Menschen. Das ist aber eigentlich dasselbe, was ein guter Journalist in Europa tut. Er geht nach Namibia oder Tschetschenien und erzählt den Lesern in Lausanne und Brüssel, wie die Realität dort aussieht."

Mit der Verleihung des Buchpreises zur Europäischen Verständigung beginnt heute Abend die Leipziger Buchmesse. Der Tagesspiegel wagt sich an kurze Einschätzungen: Gerrit Bartels staunt, wie sich in der literarischen Welt Tempo und Langsamkeit verquirlen. Hashtags, Autorenblogs, Digitalisierung! "Und dann Lenz, der am Donnerstag 90 Jahre alt geworden wäre, auf Platz eins der Bestsellerlisten, mit einem fünfundsechzig Jahre alten Roman? Gibt es gerade nichts Schnelleres, Zeitgemäßeres?" Gregor Dotzauer beschwört unterdessen den Reichtum der Poesie, geht jedoch mit Marion Poschmann, die in diesem Jahr mit ihrem Gedichtband "Geliehene Landschaften" für den Leipziger Buchpreis nominiert ist, hart ins Gericht.

Die taz bringt ihre Literaturbeilage, die wir in den kommenden Tagen an dieser Stelle auswerten werden. Angehenden Schriftstellern geben die FAZ-Kritiker im Feuilletonaufmacher Antworten auf die Frage "Wie geht Bestseller?" Im Standard hat Michael Wurmitzer schon jetzt keine Lust mehr. Mehr aus und über Leipzig bringt unser Metablog Lit21 in mehrfach täglicher Aktualisierung.

Weitere Artikel: In Hamburg hat Benjamin von Stuckrad-Barre sein neues Buch "Panikherz" vorgestellt, berichtet Martin Kaul in der taz. Das neue Rowohlt-Autorenblog bringt Lena Goreliks Text "Heute bin ich taub". Für die SZ hat Franziska Augstein die Welt der amerikanischen Bibliotheken besucht. Mit dem (bei Arte kostenlos beziehbaren) Computerspiel "Californium" haben die Macher dem paranoiden Universum des Science-Fiction-Autors Philip K. Dick ein Denkmal gesetzt, schreibt Philipp Bovermann in der SZ. Alexander Menden schreibt in der SZ zum Tod von Anita Brookner.

Besprochen werden Ernst Peter Fischers Geschichte der Dunkelheit "Durch die Nacht" ( NZZ ), Pierre Jarawans Debütroman "Am Ende bleiben die Zedern" ( SZ ), die Ausstellung "Tod und Amüsement - Thomas Mann: Der Zauberberg" im Literaturhaus München ( SZ ) und Michael Köhlmeiers "Das Mädchen mit dem Fingerhut" (FAZ).

Musik, 16.03.2016

Hannes Stein porträtiert in der Welt die New Yorker klassische Gitarristin Sharon Isbin: "Sharon Isbin kann auf ihre freundliche Art sehr nachdrücklich sein. So hat sie einer ganzen Reihe von zeitgenössischen Komponisten mit spitzem Knie auf der Brust gekniet, bis sie Kompositionen für sie und ihre Gitarre geschrieben haben."

Besprochen werden das neue Album "Alles Nix Konkretes" von Annenmaykantereit ( Tagesspiegel ), das neue Album "untitled unmastered" von Kendrick Lamar ( Spex ), ein Haydn-Konzert von Il Giardino Armonico ( Tagesspiegel ), ein Konzert der Pianistin Martha Argerich und des Cellisten Mischa Maisky ( Tagesspiegel ) und ein von Kirill Petrenko dirigierter Mendelssohn- und Mahler-Abend des Bayerischen Staatsorchesters (SZ).

Kunst, 16.03.2016

"Ihr Signaturmaterial ist Wolle, ihre Intention die Linie im Raum" - in der taz porträtiert Franziska Buhre die Künstlerin Chiharu Shiota, die für ihre bei der Berliner MaerzMusik gezeigte Rauminstallation "alif::split in the wall" mit dem Zafraan Ensemble kooperiert. In ihrer Installation Dialogue With Absence ist der Körper zentrales Motiv: "Druckpumpen lassen rote Flüssigkeit im regelmäßigen Rhythmus eines Herzens durch die Kunststoffkanäle pulsieren, die große weiße Fläche des Kleides ist Untergrund für ein Hunderte Meter langes Gewirr aus Schläuchen. 'Am Blut ist alles ablesbar, die Familie etwa, oder Erkrankungen', meint Shiota. 'An sich hat es keine Bedeutung, aber ihm werden so viele Bedeutungen zugesprochen.'"

Weitere Artikel: Slate.fr bringt eine Fotostrecke des britischen Fotografen Brian Griffin, der mit seinem kapitalistischen Realismus ebenso stolze Bauern und kraftvolle Arbeiter zeigt wie seine sozialistischen Counterparts, wie David Rosenberg fröstelnd bemerkt. In der FAZ schreibt Thomas Wagner zum Tod des Malers und Kunstkritikers Rolf-Gunter Dienst.

Besprochen wird die Ausstellung "Nervöse Systeme" im Haus der Kulturen der Welt in Berlin ( Tagesspiegel ).

Film, 16.03.2016

In der Neuen Musikzeitung empfiehlt Viktor Rotthaler die im Berliner Zeughaus gezeigte (und von Perlentaucher-Autor Lukas Foerster mitkuratierte) Filmreihe "Lachende Erben" über die frühe deutsche Tonfilmkomödie. Als "veritables Männermelodram" schätzt Marc Reichwein in der Welt den Boxerfilm "Herbert" von Thomas Struber und Clemens Meyer.

Und: Jerry Lewis zum Neunzigsten gratulieren Fritz Göttler ( SZ ) und Dietmar Dath (FAZ). Hier ist er als das ganze Count Basie Orchestra.

Besprochen werden Lenny Abrahamsons Missbrauchsdrama "Raum" ( ZeitOnline , FAZ, SZ), Stéphane Brizés "Der Wert des Menschen" ( Berliner Zeitung ) und die auf Pro7 ausgestrahlte Serie "Supergirl" ( FR ).

Bühne, 16.03.2016

In der Den Norske Opera in Oslo wurde die neue Oper "Elysium" von Rolf Wallin in der Inszenierung von David Pountney uraufgeführt. In dem Science-Fiction-Stück geht es um die letzten Menschen, die von transhumanen Nachfolgewesen als Ausstellungsstücke bewahrt werden. Jan Brachmann ist in der FAZ ist mit der Tendenz des Stücks nicht einverstanden: "Thesenhaft ist dieses Stück, auf Typen und Prinzipien jenseits echter Individualität reduziert. Für den Übergang ins Transhumane hält es mehr Argumente parat als für die Verteidigung des Humanen. Der letzte Mensch, ein Mann, ist kein Sympathieträger, eher ein verbohrter Gewalttäter."

Das Finanzchaos beim Wiener Burgtheater ist nun auch vom Rechnungshof geprüft worden, der in seinem Rohbericht harsche Vorwürfe gegen die Leitung erhebt, wie Karl Ettinger in der Presse berichtet: "Dies betrifft Millionenauszahlungen ohne Belege; millionenteure Produktionen trotz akuter Finanzprobleme; schwere Versäumnisse bei der Bilanzierung der Personalrückstellungen; offenkundige Missstände bei der internen Kontrolle. Im Visier des Rechnungshofs ist vor allem die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky, aber auch Ex-Burgtheater-Chef Matthias Hartmann. Auch der Aufsichtsrat mit dem seinerzeitigen Vorsitzenden, Georg Springer, kommt in dem Bericht nicht ungeschoren davon."

Besprochen werden der Abschluss des Festivals "Tanz in Mainz" ( FR ), Georg Kreislers "Heute Abend: Lola Blau" mit Karina Schwarz in Frankfurt ( FR ), Yael Ronens Berliner Theaterfassung von Isaac Bashevi Singers Roman "Feinde ( Welt ) und Bernhard Mikeskas Frankfurter Inszenierung von Jennifer Haleys "Die Netzwelt" ("ziemlich großartig", applaudiert Egbert Tholl in der SZ).


9Punkt - Die Debattenrundschau

Politik, 16.03.2016

In einer sehr interessanten Analyse in politico.eu zeigt Dennis Ross, dass im Iran die reformerischen Kräfte nach dem Atom-Deal keineswegs obsiegen. Zwar würden die Iraner, wenn sie könnten, für die Reform stimmen, aber schon vor den Wahlen wurden die meisten Reformer gar nicht zur Kandidatur zugelassen. Also stimmte das Publikum gegen die Konservativen - ohne für die Refomer stimmen zu können. Präsident Rouhani war unterdessen "unfähig irgend eine politische oder soziale Reform durchzusetzen, Khamenei bleibt der Hauptentscheider. Rouhani kontrolliert weder den Justizapparat, noch die führenden Sicherheitskräfte oder gar die Revolutionsgarden. Um einen Beweis für seine begrenzte Macht zu erhalten, muss man nur zur Kenntnis nehmen, dass er bisher die beiden wichtigsten Präsidentschaftskandidaten von 2009 - Musawi und Mehdi Karroubi - nicht aus dem Hausarrest befreien konnte." Nebenbei erwähnt Ross, dass der Iran seit Februar jeder Familie eines palästinensischen "Märtyrers" 7.000 Dollar anbietet.

Nach den letzten Vorwahlen scheint festzustehen, dass Donald Trump der Präsidentschaftskandidat der Republikaner wird. Für Ilija Trojanow ist die Sache in der taz klar: Alles Rassisten, Trump ebenso wie seine Anhänger, die Trojanow ausschließlich beim "kleinen weißen Mann" sieht. "Das erklärt auch, wieso Trump bei seinen Reden am meisten Applaus für seine grobschlächtigen Attacken auf Obama ergattert, nicht für seine äußerst vagen Visionen eines anderen Amerikas. Die vielen Kommentatoren, die Trump als autoritären Führer bezeichnen (Vergleiche mit Mussolini und Berlusconi füllen die Gazetten), übersehen, dass er nicht die Meinungen der Massen lenkt, sondern vielmehr ihr Produkt ist. Trump ist der leibhaftige Querschnitt aller Tiraden aus den Internetforen. Er ist der Spucknapf des schimpfenden Volkes."

Medien, 16.03.2016

Vor dem Bundesverwaltungsgericht wird nochmal über die Haushaltsabgabe für ARD und ZDF verhandelt. Das wird nicht viel bringen, meint der Medienwissenschaftler Bernd Gäbler bei Zeit online, der sich eine grundsätzlichere Debatte wünscht: "Die etwa 8,3 Milliarden Euro, zu denen sich der Rundfunkbeitrag von monatlich 17,50 Euro im Jahr 2014 summierte, sind ja ein hübscher Batzen Geld, weit mehr als etwa dem Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit zur Verfügung steht. Auch wer grundsätzlich das öffentlich-rechtliche System gutheißt und keineswegs dessen Marginalisierung anstrebt, kann bezweifeln, ob der Beitrag seine Steuerungsfunktion erfüllt."

Es werden jetzt eine Menge AfDler in die Rundfunkräte jener bei ihnen so verhassten Sender einziehen, schreibt Julia Bähr in der FAZ: "Das wirkt paradox, denn in ihrem Programm, das die Partei am 30. April beschließen will, fordert sie: 'Die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten werden privatisiert.' Der Zeitplan für die Abschaffung von ARD und ZDF ist ehrgeizig: 'Sie finanzieren sich von 2018 an selbst. Der Beitragsservice wird ersatzlos abgeschafft.'"

Ideen, 16.03.2016

Ein Gespräch von Pussy-Riot-Mitglied Nadja Tolokonnikowa mit dem oppositionellen Philosophen Michail Ryklin in Berlin ging gründlich daneben, berichtet im Tagesspiegel Jens Mühling. Die 26-Jährige, die für ihre künstlerischen und politischen Überzeugungen zwei Jahre im Straflager gesessen hat (was sie für Mühling zum "Poster-Girl des Putin-Widerstands" macht), verweigerte sich einer Diskussion. Auch im Interview mit der FR knarrt es, wenn Michael Hesse mit seinen Fragen den falschen Ton anschlägt. Soviel immerhin erfährt man: Tolokonnikowa, die fünf Jahre Philosophie studiert hat, hat ihren Kant verinnerlicht: "Was Kant wirklich ausmacht, ist, dass er die goldene Regel der Moral zum Einsturz brachte. Sie besagt: Wenn du möchtest, dass sich jemand in einer bestimmten Weise dir gegenüber verhält, solltest du dich ihr gegenüber genauso verhalten. In der Bibel findet sich Ähnliches, auch die ältesten Kulturen sprechen dieses Prinzip aus. Aber Kant stellte das höchste Moralprinzip auf eine neue Basis. Er lehrte, du musst aus moralischer Pflicht handeln und kannst nicht einfach einen moralischen Gewinn erwarten. Du handelst als moralische Person, also aus deiner eigenen Einsicht. Dafür gibt es keinen Profit."

Urheberrecht, 16.03.2016

Die Wirtschaftsseiten der FAZ hatten es schon vor ein paar Tagen gemeldet (unser Resümee): Heiko Maas reagiert auf die Proteste der Verleger und entschärft die geplante Fünfjahresregel, aus der nun im überarbeiteten Entwurf für ein neues Urheberrechtsgesetz eine Zehnjahresregel wird, berichtet nun auch Christian Meier in der Welt: "Das bedeutet, dass beispielsweise ein Buchverlag nach zehn Jahren die Exklusivrechte an einem Werk verliert - wenn er zuvor mit dem Autor einen Pauschalvertrag ausgehandelt hatte. Nach dieser Zeitspanne könnte der Urheber also losgehen und sich einen anderen Abnehmer suchen, der eine Zweitverwertung des Werkes anstrebt. Er kann sich freilich dieses Zweitverwertungsrecht von seinem Verlag abkaufen lassen."

Kulturmarkt, 16.03.2016

Direkt neben dem Gelände der heute beginnenden Leipziger Buchmesse befindet sich ein Flüchtlingslager, schreibt Andreas Platthaus im Leitartikel auf Seite 1 der FAZ - bisher hatten die Flüchtlinge in Halle 4 des Messegeländes campiert, wo jetzt Verlage einziehen: "Mit der Buchmesse findet nun jene Veranstaltung der Leipziger Messe statt, welche die größte Außenwirkung hat. Und wenig überraschend: Das Flüchtlingsthema ist auch inhaltlich für viele Aussteller wichtig - vor allem im Sach- und Kinderbuchsegment gibt es in diesem Frühjahr eine Flut an Neuerscheinungen, die sich den unterschiedlichsten Facetten der Flüchtlingskrise widmen." Ob sich das Publikum der Flüchtlingsunterkünfte und das der Messe mischen werden? Die Messe, so Platthaus, will das Flüchtlingsthema jedenfalls mutig angehen. Im Aufmacher des Feuilletons denken FAZ-Autoren über die Frage "Wie geht Bestseller?" nach.

Kulturpolitik, 16.03.2016

Die Roma bilden die einzige Gruppe in der EU, für die eine Art Apartheid-Regeln gilt, kritisiert in der NZZ Karl-Markus Gauß. Wie kann man sie am besten unterstützen? Zum Beispiel, so sein exzellenter Vorschlag, mit einem Buchmessenschwerpunkt zur reichen Literatur der Roma. Dazu gehören für Gauß Lebenszeugnisse einzelner Roma, Märchen und Legenden, Bücher auf Romanes, aber auch die Bücher von Roma-Autoren, die "auf Ungarisch oder Serbisch, auf Französisch, Spanisch oder Bulgarisch" oder einer anderen Sprache schreiben. Gauß verbindet damit "etliche Absichten und Hoffnungen: etwa dass die Roma-Literatur, die in vielen Ländern und mehreren Sprachen entsteht, im großen Überblick gesammelt und an einem renommierten, beachteten Ort der Literatur, vielleicht der Leipziger Buchmesse, versammelt werde. Dazu ist es nötig, dass diese Literatur, die oft in Nischenverlagen erscheint und leider auch verborgen bleibt, systematisch erkundet, gesichtet und in großer Zahl ins Deutsche übersetzt wird. Es wäre durchaus erwünscht, wenn auch Buchmessen in anderen Ländern einmal die Roma-Literatur ins Zentrum ihres Programms rückten. Mögen die Buchmessen verschiedener Länder darin wetteifern, Roma-Literatur in ihre Sprachen zu übersetzen!"

Außerdem: Bilder shoppen geht Bernd Müllender für eine taz-Reportage mit dem Generaldirektor der Brügger Museen Till-Holger Borchert auf der größten Kunstmesse der Welt, The European Fine Art Fair (TEFAF). In der SZ zeichnet Franziska Augstein ein liebevolles Porträt der amerikanischen Bibliothekare (die American Library Association ist derzeit zu Gast in Leipzig), die oft genug gleichzeitig auch Sozialarbeiter und Lehrer sind. Marcus Stäbler fordert in der NZZ mehr zeitgemäße Musikvermittlung für Kinder und Jugendliche: "Heute geht es nicht mehr bloß um Besucherzahlen, sondern um die Verankerung von Musik und Kultur in einer Gesellschaft."

Europa, 16.03.2016

Europa schließt in der Flüchtlingskrise die Augen und dreht sich weg, kritisiert Zacharias Zacharakis auf Zeit online angesichts der Krise, die sich im Lager von Idomeni zuspitzt: "In Europa ist man am Ende immer noch sich selbst am nächsten. Das Flüchtlingsproblem wird einfach dem Schwächsten in der Gemeinschaft überlassen: Griechenland. Einem Land, das seit sechs Jahren mit der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg zu kämpfen hat. Die Regierung in Athen unternimmt ihr Möglichstes, um die chaotische Situation an der Grenze zu entschärfen. Das griechische Militär hat in kurzer Zeit genügend Notunterkünfte geschaffen, um die im Land gestrandeten Flüchtlinge zu versorgen. Die Menschen in Idomeni aber wollen die Grenze nicht verlassen, obwohl dort Busse bereitstehen, die sie zurück nach Athen bringen könnten."

In der taz macht dagegen Klaus Hillenbrand die Griechen sehr wohl für die Zustände in Idomeni mitverantwortlich: "Die Betreuung der Menschen an der Grenze überlässt man weitgehend freiwilligen Helfern. Als Ersatz für Idomeni werden von der Armee jetzt endlich und viel zu spät neue Lager errichtet. Doch es sind schlecht ausgestattete Zeltstädte, und das, obwohl Zehntausende Hotelbetten im Norden des Landes leer stehen. Griechenlands linker Regierung, so der häufig geäußerte Verdacht, geht es offenbar darum, der Welt ein größtmögliches Elend zu präsentieren - in der Hoffnung auf maximalen Geldsegen oder eine rasche Abschiebung der Flüchtlinge."

Für Gelassenheit im Umgang mit der AfD plädiert Thomas Schmid in der Welt und macht übrigens in der AfD eine überraschende soziale Kategorie aus: "Hier melden sich nicht nur die Bedrohten, sondern vielleicht mehr noch die Gesättigten zu Wort, nicht die Verlierer, sondern die Saturierten. Wenn die endlos vermittelte parlamentarische Demokratie, die so kompliziert ist, die selten Ja-ja-nein-nein-Antworten zu bieten hat und die dem Bürger das Auf-den-Tisch-Schlagen sehr erschwert - wenn sich diese Demokratie in fast ganz Europa und schon gar in Deutschland rundum durchgesetzt hat und große Erfolge vorzuweisen hat: Dann wächst offensichtlich das Mütchen derer, die gerne einmal auf die Sahne hauen möchten."

Wissenschaft, 16.03.2016

Thomas Ribi annonciert in der NZZ die Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag des Züricher Universalgelehrten Conrad Gessner. Ludger Lütkehaus bespricht Ernst Peter Fischers "Naturgeschichte der Dunkelheit".

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