Multimedia-Ausstellung Himmel, Hölle, Bosch

Hieronymus Bosch ist ein Gigant, an dessen Fantasiebildern man sich kaum sattsehen kann, europaweit sind Bosch-Ausstellungen überlaufen. Berlin zeigt jetzt die apokalyptischen Visionen im Detail.

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Es gibt immerhin Musik in der Hölle. Sie ist voll mit Instrumenten, allerdings ist die Musik den Menschen kein Trost, sie quält sie. Eine Person ist in die Saiten einer Harfe festgezurrt, eine weitere wird von einer Flöte erdrückt. Ein Mensch liegt unter einer Laute, die umstehenden Personen müssen unter Anleitung eines Monsters singen. Eine vogelähnliche Kreatur verschlingt die entblößten Menschen, die noch lebenden Sünder vegetieren in Exkrementen und Erbrochenem. Das ist ziemlich eklig und ziemlich faszinierend zugleich.

Das Triptychon "Garten der Lüste", aus dem die Szene der musikalischen Hölle stammt, zeigt die Welt zwischenmenschlicher Beziehungen zwischen Paradies und Hölle, Lust und Qual auf knapp vier Metern Breite: der Garten Eden, das Himmlische Paradies, die Hölle. Jetzt kann das Gemälde auch mehrfach vergrößert studiert werden - in einer neuen Multimedia-Ausstellung mit reproduzierten Bosch-Werken in Berlin. Es ist ein Sittengemälde, mit dem Bosch auf die Gefahren der irdischen Lüste hinwies: Der Betrachter sollte gewarnt werden vor den Versuchungen und Todsünden, die auf seinem Lebensweg lauern. Wer sich nicht wie ein frommer Christ verhielt, landete in der musikalischen Hölle.

Malender Moralist

Sexszenen, Monster, Höllenqualen - der niederländische Maler Hieronymus Bosch hatte eine blühende Fantasie wie wohl kein anderer Künstler vor ihm. Seine Welten des Schreckens und der Lust wurden sein Markenzeichen, es sind düstere Visionen, die den Betrachtern zu Boschs Lebzeiten (etwa 1450 bis 1516) Schauer über den Rücken gejagt haben müssen. Im ausgehenden Mittelalter lebten die Menschen voller Angst vor Verdammnis und Furcht vor dem Jenseits. Die Qual der Hölle für Sünder, aber auch die Möglichkeit der Erlösung, malte Bosch so eindrücklich, dass sich seine Motive in kürzester Zeit verbreiteten. Er traf den Nerv der Zeit.

500 Jahre nach seinem Tod übt der Apokalyptiker Bosch immer noch eine enorme Anziehungskraft aus. Die Jubiläumsausstellung in der Heimatstadt des Künstlers s-Hertogenbosch war wenige Wochen nach der Eröffnung im Februar ausverkauft, zuletzt öffnete das Het Noordbrabants Museum auch nachts, damit mehr Besucher die Gemälde und Zeichnungen sehen konnten. Im Museo del Prado im Madrid ist aktuell die weltweit umfangreichste Bosch-Ausstellung aller Zeiten zu sehen, unter anderem auch das Triptychon "Der Garten der Lüste" im Original. Und in Hamburg zeigt das Bucerius Kunst Forum, wie Boschs drastische Schilderungen die nachfolgenden Künstlergenerationen geprägt haben.

Die Berliner Ausstellung "Hieronymus Bosch. Visions Alive" zeigt auf riesigen Videoflächen in drei Räumen die Hauptarbeiten Boschs. Bis ins kleinste Detail lässt sich hier die Apokalypse studieren: Halb Baum, halb Mensch schaut eine spöttische Figur aus der Höllenszene heraus. Sie kann sich nicht bewegen, der Körper ist aufgebrochen, im Inneren frönen Menschen einem Saufgelage. Ein ekliger Anblick, von dem sich kaum jemand abwenden kann. Ziel der Ausstellung sei ein "eher emotionaler Zugang zum Künstler und seinem Werk zu ermöglichen", so der Veranstalter.


"Hieronymus Bosch. Visions Alive" Alte Münze, Berlin. Bis 4. Juni 2017.

"Verkehrte Welt. Das Jahrhundert von Hieronymus Bosch" Bucerius Kunst Forum, Hamburg. Bis 11. September.

"Bosch. The 5th Centenary Exhibition" Museo del Prado, Madrid. Bis 11. September.



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