Hintergrund zu Idomeneo Mozarts blutrünstige Götter

Mit seiner Inszenierung von Mozarts "Idomeneo" ist Regisseur Hans Neuenfels an der Deutschen Oper in Berlin abgesetzt worden. Dabei ist der Stoff der Oper weder radikal noch besonders ungewöhnlich für seine Zeit.


Berlin - Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "Idomeneo", uraufgeführt im Jahr 1781, handelt vom Widerstreit zwischen der Pflicht gegenüber den Göttern und der Treue zu den Menschen. Regisseur Hans Neuenfels nennt Mozarts Oper ein "radikales Plädoyer für die Selbstbestimmung des Menschen".

Die Handlung: Idomeneo, König von Kreta, kehrt vom Trojanischen Krieg zurück. Als sein Schiff in Seenot gerät, überlebt Idomeneo wie durch ein Wunder. Er verspricht daraufhin dem Meeresgott Poseidon, ihm den ersten Menschen zu opfern, der er erblickt. Wie das Schicksal so will, begegnet ihm als Erster sein eigener Sohn Idamante.

Um sein Versprechen nicht halten zu müssen, schickt er seinen Sohn auf eine Insel. Dabei soll ihn Elektra begleiten, die Konkurrentin von Idamantes Geliebter Ilia. Doch weil urplötzlich ein Ungeheuer im Hafen auftaucht, kann das Schiff nicht auslaufen. Idamante tötet das Ungeheuer im Kampf - trotzdem beharrt Neptun auf dem Opferversprechen. Als schließlich die Geliebte Ilia für Königssohn Idamante in den Tod gehen möchte, schlägt Neptun einen Kompromiss vor: Idomeneo soll seinen Thron an Ilia statt Idamante übergeben, dann wäre er besänftigt.

"Idomeneo, Re di Creta", zu deutsch "Idomeneo, König von Kreta", ist die erste der sieben letzten Opern von Wolfgang Amadeus Mozart. Politik oder gar Ansichten über Religionen spielten in Opern der Mozart-Zeit kaum eine Rolle. In die Kritik ist die "Idomeneo"-Inszenierung von Hans Neuenfels geraten, weil der Regisseur im Epilog ein schockierendes Schlussbild vorführt: Der König stellt die blutigen Köpfe der drei Religionsgründer Jesus, Buddha, Mohammed neben dem Kopf Poseidons auf Stühle. Der König wehre sich gegen die Diktatur der Götter und versuche verzweifelt sich von den Götzen zu befreien, so Neuenfels.

bay/dpa/Reuters

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