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Historisches Bauwerk: Dömitzer Elbbrücke für 305.000 Euro versteigert

Der Rest der Elbbrücke bei Dömitz wirkt wie ein Mahnmal an die deutsche Teilung - und hat jetzt einen niederländischen Besitzer. Das historische Bauwerk wurde von der Deutschen Bahn auf einer Auktion verkauft. Denkmalschützer hoffen auf den Erhalt des Brückenkopfs.

Dömitzer Elbbrücke: Mahnmal an deutsche Teilung Fotos
DDP

Berlin/Dömitz - Die historische Eisenbahnbrücke an der Elbe bei Dömitz hat einen neuen Besitzer. Das Bauwerk wurde am Samstag in Berlin für 305.000 Euro versteigert, wie Auktionator Mark Karhausen von der Karhausen Immobilien Auktionen GmbH mitteilte. Damit ging die Brücke samt mehr als 70.000 Quadratmeter Land für mehr als das 15-Fache des Startpreises weg.

Das Mindestgebot für die denkmalgeschützte Ruine an der Grenze zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern hatte bei 19.800 Euro gelegen. Den Zuschlag erhielt der Inhaber einer niederländischen Immobilienfirma, der sich telefonisch mit einem zweiten Interessenten ein halbstündiges Bietergefecht geliefert hatte, wie Karhausen berichtete. Die beiden waren die einzigen Interessenten. Der Käufer habe sofort Bedenken aus der Region an der Elbe zerstreut, sagte Karhausen. Der neue Besitzer wolle die Brücke unbedingt erhalten und ein Konzept für eine Nutzung entwickeln. Zudem habe er angeboten, dabei mit dem unterlegenen Bieter zusammenzuarbeiten.

Die zwischen 1870 und 1873 errichtete Eisenbahnbrücke über die Elbe war einst mit rund einem Kilometer das längste Bauwerk Deutschlands. 1945 wurde sie durch einen alliierten Bombenangriff zerstört. Die deutsche Teilung verhinderte einen Wiederaufbau. Während die DDR die Reste auf östlicher Seite 1987 endgültig abriss, stehen die etwa 550 Meter aus 16 Bogenbrückenelementen am Westufer der Elbe unter Denkmalschutz. Auf gemauerten Pfeilern ruhen die genieteten Fachwerkträger der zweigleisigen Überführung.

"Gnade für ein unverzichtbares nationales Kulturdenkmal"

Besitzer der Brücke war bislang die Deutsche Bahn. Initiativen wie der Freundeskreis Dömitzer Eisenbahnbrücke hatten sich vor der Versteigerung dafür eingesetzt, die Brücke auch nach einem möglichen Verkauf als Kultur- und Industriedenkmal zu erhalten. Die Vereinigung aus dem niedersächsischen Kreis Lüchow-Dannenberg warnte davor, die Brücke als reines Materiallager für Eisen und Steine zu betrachten und forderte ein erfolgreiches Nutzungskonzept für das Bauwerk.

Auch der Landkreis Lüchow-Dannenberg und die Gemeinden, auf deren Gebiet die Brückenreste stehen, hoffen, dass der künftige Besitzer das historische Monument erhält und touristisch nutzt. So wünscht sich Dannenbergs Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer "eine Lösung, die die Brücke der Öffentlichkeit erhält und zugänglich macht". Auch aus Sicht von Langendorfs Bürgermeister Harald Hintzmann ist die Brücke "ein wichtiges Bauwerk", prägend und touristisch wertvoll: "Sie darf nicht in die Hände von Leuten gelangen, die sie abreißen wollen - das wäre schlimm."

Unmittelbar vor der Versteigerung hatte der Verein zur Förderung von Literaturstätten und -landschaften in einem Appell um "Gnade für ein unverzichtbares nationales Kulturdenkmal" gebeten. Aus Angst, ein neuer Besitzer könne die Brücke verfallen lassen oder abreißen, hatte der Verein an Bahnchef Rüdiger Grube appelliert, die Versteigerung abzusagen: Man befürchte, dass die Brücke "trotz ihrer Bedeutung als ein auch in Literatur, Malerei und Film vielfach verewigtes Symbol der deutschen Teilung ausgerechnet im 65. Jahr der Zerstörung und im 20. Jahr der Wiedervereinigung der Abtragung preisgegeben wird."

abl/ddp

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