Hitler-Pamphlet: "Mein Kampf" bleibt unter Verschluss

Rückzieher im Streit um "Mein Kampf": Der Verleger McGee will Auszüge aus dem Buch doch nicht in seiner Wochenzeitung "Zeitungszeugen" veröffentlichen. So lange der Rechtsstreit mit dem Freistaat Bayern läuft, sollen die Passagen unleserlich bleiben.

Umstrittene Broschüre: Passagen aus "Mein Kampf" werden unleserlich gemacht Zur Großansicht
DPA

Umstrittene Broschüre: Passagen aus "Mein Kampf" werden unleserlich gemacht

Hamburg/München - Kein "Kampf" an deutschen Kiosken: Der Brite Peter McGee will nun vorerst auf die Veröffentlichung von Passagen aus Hitlers Machwerk verzichten. "Wir müssen sicherstellen, dass wir unsere Hauptveröffentlichung "Zeitungszeugen" nicht in Gefahr bringen", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. "So lange das juristische Verfahren läuft, werden wir nur eine Version auf den Markt bringen, in der die Zitate nicht lesbar sind."

An diesem Donnerstag wollte McGee Auszüge aus "Mein Kampf" in einer Extra-Broschüre seiner Wochenzeitung "Zeitungszeugen" veröffentlichen. Nachdem das bayerische Finanzministerium, das die Urheberrechte an dem Buch hält, juristische Schritte eingeleitet hat, ist ihm das Risiko aber zu groß.

Die Passagen sollen nun unleserlich erscheinen - nicht geschwärzt, aber mit einer Art Nebel überzogen. McGee will damit verhindern, dass der Freistaat Bayern die Exemplare am Kiosk beschlagnahmt. Zu der neuen Ankündigung des Verlags äußerte sich das Ministerium am Mittwoch zunächst nicht. Es werde jetzt Gespräche mit den Anwälten geben, sagte ein Sprecher nur.

Nach Ansicht von Verleger McGee wäre es allerdings wichtig, Hitlers Pamphlet auch in Deutschland lesen zu können. "Es ist längst überfällig, dass eine breite Öffentlichkeit die Möglichkeit bekommt, sich mit dem Originaltext auseinanderzusetzen", hatte McGee dem SPIEGEL vergangene Woche gesagt

Gegen die Pläne des Verlags hatte es auch von anderen Seiten Protest gegeben. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, befürchtet reine Profitgier als Motivation für das Projekt.

cbu/dpa

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1. Eiertanz
Rubeanus 25.01.2012
Man fragt sich wirklich, was dieses Getue soll: Eine kursorische Internetsuche liefert binnen weniger Sekunden zig Links zu "Mein Kampf" in pdf-Form, und zwar den vollständigen Text. Warum denn nicht stattdessen lieber eine auszugsweise Veröffentlichung in einem kontrollierten publizistischen Umfeld?
2.
spiegel-hai 25.01.2012
Zitat von sysopRückzieher im Streit um "Mein Kampf": Der Verleger McGee will Auszüge aus dem Buch doch nicht in seiner Wochenzeitung "Zeitungszeugen"*veröffentlichen. So lange der Rechtsstreit mit dem Freistaat Bayern läuft, sollen die Passagen unleserlich bleiben. Hitler-Pamphlet: "Mein Kampf"*bleibt unter Verschluss - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,811337,00.html)
Jenseits der Rechtefrage (das durch den Freistaat Bayern requirierte Urheberrecht, mit dem bislang der Nachdruck verhindert werden konnte, müßte in ein paar Jahren auslaufen) gibt es keinen sinnvollen Grund, den Nachdruck zu verhindern. Zum einen kann sich jeder ohne irgendwelche Probleme das Machwerk antiquarisch via Internet besorgen, zum anderen kann nur eine öffentliche Beschäftigung damit und weit verbreitete Kenntnis der Inhalte aufklären. Und ein überall öffentlich erhältliches Buch eignet sich schlecht als "verbotene" subversive Lektüre rechter Zirkel.
3. .
Olaf 25.01.2012
Zitat von sysopRückzieher im Streit um "Mein Kampf": Der Verleger McGee will Auszüge aus dem Buch doch nicht in seiner Wochenzeitung "Zeitungszeugen"*veröffentlichen. So lange der Rechtsstreit mit dem Freistaat Bayern läuft, sollen die Passagen unleserlich bleiben. Hitler-Pamphlet: "Mein Kampf"*bleibt unter Verschluss - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,811337,00.html)
Wenn dieses Buch noch mit demagogischen Geschick geschrieben wäre, könnte ich das ja noch verstehen. Aber dieses zusammenhanglose Gestammel liest doch keiner freiwillig durch. Zumal das Buch in Antiquariaten oder im Internet frei erhältlich ist. Vielleicht hat man auch einfach nur Angst vor einer großen Nachfrage und dem Geld, welches damit verdient würde. Man könnte moralische Problem damit umgehen, dass man die Einnahmen aus den Nachdrucken einer Stiftung zur Entschädigung von Opfern des III. Reiches zur Verfügung stellt. Dann hätte es wenigstens noch etwas Gutes.
4. Der Grund ist einfach
cirkular 25.01.2012
Zitat von RubeanusMan fragt sich wirklich, was dieses Getue soll: Eine kursorische Internetsuche liefert binnen weniger Sekunden zig Links zu "Mein Kampf" in pdf-Form, und zwar den vollständigen Text. Warum denn nicht stattdessen lieber eine auszugsweise Veröffentlichung in einem kontrollierten publizistischen Umfeld?
Wenn Teile des Textes neu veröffentlicht werden, gibt es nachprüfbare Verkaufszahlen. Davor hat die Staatskanzlei Angst. Das Geschrei wäre groß, wenn die meisten Exemplare in den drei Freistaaten abgesetzt würden. Wie auch immer solche Absatzzahlen zu begründen sind, es fehlt der Mut zur inhaltlichen Auseinandersetzung.
5. ... wer einen Titel findet, kann ihn behalten ;-)
kunibaby 25.01.2012
Zitat von spiegel-haiJenseits der Rechtefrage (das durch den Freistaat Bayern requirierte Urheberrecht, mit dem bislang der Nachdruck verhindert werden konnte, müßte in ein paar Jahren auslaufen) gibt es keinen sinnvollen Grund, den Nachdruck zu verhindern.
70 Jahre nach dem Tod des Urhebers erlischt das Urheberrecht in D, also 2016 (es ist soweit ich mich erinnern kann immer der 1.1. des darauffolgenden Jahres kann sich Bayern nicht mehr gegen einen Nachdruck wehren ...
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