Asia-Vorspeise als Dessert: Süße Fettröllchen hast Du da!

Von Hobbykoch

"Sweet Asia": Frühlingsrollen als Dessert Fotos
Peter Wagner

Ein bisschen Spaß muss sein, gerade beim Essen. Besonders witzig wird es zum Beispiel, wenn unsere Augen ein herzhaft-deftiges Gericht erblicken - das sich dann als süßer, schwergewichtiger Nachtisch herausstellt. Wie dieser Asia-"Vorspeisen"-Teller.

Wie lange darf mein seinen Mitmenschen ein "Gutes Neues Jahr" wünschen? Bis Heilig Dreikönig? Ende Januar? Fasching? Weihnachten? Wie auch immer man sich entscheidet, den chinesischen Mitbürgern dürfen wir es im Moment noch gar nicht wünschen. Denn das traditionelle Jahr endet in Ostasien und unzähligen "Chinatowns" rings um den Erdball mit dem ersten Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar - das aktuell am 9. Februar ablaufende "chinesische Jahr" hatte am 23. Januar 2012 begonnen.

Wer nun vorhat, diesen wichtigsten Feiertag des Fernen Ostens gemeinsam mit asiatischen Freunden oder Bekannten zu feiern, muss sich nicht nur auf ausgedehnte Feierlichkeiten (bis allen Göttern gehuldigt ist, vergehen schnell mal fünf Tage) einstellen - wahrscheinlich werden ihm am Ende die zu fast allen Feier-Ritualen gereichten Frühlingsrollen zu den Ohren wieder heraus kommen.

Abwechslung mag es vielleicht bei Füllung (vegetarisch, Meeresfrüchte, Fleisch) und Zubereitung geben - mit etwas Glück triefen sie nicht immer vor Fett, sondern werden in eingeweichtem Reispapier eingeschlagen roh serviert wie die vietnamesische Herbstrolle oder die (wie der verdauungsfreundliche Name sagt) chinesische "Glücksrolle". Im Grunde isst man aber fast immer das Gleiche: Glasnudeln, Gemüse, Pilze, Knoblauch und Kohl, die in mehr oder minder chiliverschärfte Sojatunken oder Fischsaucen gedippt werden.

Richtig viel Spaß kann es daher machen, die Asia-Clique mal zu sich nach Hause einzuladen und ihnen "Frühlingsrollen" zusammen mit anderen klassischen "Vorspeisen" als Dessert anzubieten. Ähnliche Späßchen hatten wir ja schon mit "Sushi", "Caprese" und "Risotto" auf der "Tageskarte":

Bei den süßen "Sushi" nahmen wir Früchte wie Mango, Papaya, Kiwi, Wassermelone oder Orange statt Thunfisch, Gurke, Ingwer & Co. Den Kalorienhammer Risotto zum Dessert süßten wir mit weißer Schokolade und pürierten Blaubeeren - und beim Caprese Dolce bestanden die "Tomatenscheiben" aus geliertem Erdbeertatar, der "Käse" aus gesüßtem Quark, und das "Basilikum" war ein Pistazienpesto.

Langnasen-Spaß zum Asia-Silvester

Diesmal knöpfen wir uns für die Mimikry-Übung eine typische "China"-Vorspeisenplatte vor, mit der findige Asiaimbisspfannenrührer ihren Gästen für einen Wareneinsatz von weniger als 50 Cent pro Portion gut und gerne bis zehn Euro aus der Langnase ziehen. Denn sowohl die Zutaten (einfaches Gemüse, Fleischreste, Billig-Garnelen) als auch die Zubereitung im Frittier-Wok sind zusammen kaum mehr als zwei, drei Euro wert - und dennoch ist der Fettpressen-Mix aus Frühlingsrollen, Wan Tan, "Hummerkrabben", Dim Sum und Saté-Spießchen (na gut, wenigstens die beiden unfrittiert) mit Abstand die beliebteste Vorspeise "beim Chinesen".

Wir servieren einen Teller, der identisch aussieht, allerdings erst zum Nachtisch. Die überraschten Gäste beißen in der "Frühlingsrolle" auf Ananas und Mango-Streifen, knuspern "Wan Tan" mit Bananen-Kokos-Füllung, kauen saftige "Dim Sum" mit Lychee und frischen Erdnüssen, dazu gibt es Babybananen, die wie frittierte Hummerkrabbenschwänze aussehen und nicht minder fruchtige "Saté-Spieße". Der spiralförmig geschnitzte "Rettich" erweist sich als knackfrische Nashi-Birne, die "Sojasauce" wurde aus karamellisierten Pflaumen und der "Frühlingsrollen-Dip" aus Lycheesaft, Limette und Karambola zubereitet.

Bei aller Freude am Versteckspiel: Durch Nüsse, Zucker und das Frittieren ist dieses Dessert kein Leichtgewicht. Es sollte also zuvor eher ein wenig schweres Essen wie zum Beispiel ein großer Teller Tom Yam Gung (Suppe mit Garnelen und Pilzen) gereicht werden. Ansonsten besteht Gefahr, dass die Gäste angesichts des Suchtpotentials dieses Desserts platzen. Und wer hat nach all den Asia-Neujahrs-Feiern schon die Kraft, die Sauerei wegzuwischen?

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Zum Autor
Foto: Gunter Glücklich
Der in Hamburg lebende Autor Peter Wagner, Jahrgang 1960, kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnibbeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der hauptberufliche Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird. Weitere Wagner-Rezepte finden Sie auf seiner Männerkochseite www.kochmonster.de

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