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Hörspielpreis: Ehrung für "Ein Leben in Kontoauszügen"

Der Hörspielpreis der Kriegsblinden geht in diesem Jahr an den Münchner Autor Stefan Weigl. Ausgezeichnet wird Weigl für sein vom WDR produziertes Hörspiel "Stripped - Ein Leben in Kontoauszügen", in dem er 47 Minuten lang die eigenen Kontoauszüge vorträgt und dabei seinen Weg in die Verschuldung offen legt.

Düsseldorf - "'Stripped - ein Leben in Kontoauszügen' ist ein Glücksfall für das Medium Radio, denn die künstlerische Verdichtung eines Sujets der Sozialreportage bei gleichzeitigem Verzicht auf literarische Ausgestaltung konnte in dieser Eindringlichkeit nur mit akustischen Mitteln gelingen", heißt es in der heute in Düsseldorf veröffentlichten Begründung der Jury.

Weigl thematisiere die Verarmung inmitten einer Wohlstandsgesellschaft, ohne dabei sozial benachteiligte Randgruppen aufzusuchen. Er zeige den Mechanismus von Konsumzwängen auf, ohne Jugendliche vorzuführen, die sich durch den exzessiven Gebrauch ihres Handys verschuldet haben. Und er spiele gleichzeitig mit dem Voyeurismus des Reality-TV, ohne sich mit ihm gemein zu machen. "Der Vortrag der eigenen Kontoauszüge eines Autors bricht auf radikale Weise mit der `heilen" (scheinheiligen) Medienwelt (...) Dass dies überzeugend gelingt, ist wesentlich der mutigen Gestaltung eines künstlerischen Experiments zuzuschreiben, das in seiner Machart Unikat bleiben dürfte", lobte die Jury.

Stefan Weigl wurde 1962 in München geboren. Er studierte Germanistik, Orientalistik und Organisationspsychologie, arbeitete zunächst als Texter und Creative Director für verschiedene Werbeagenturen und ist nun als Autor für Film, Fernsehen und Hörfunk tätig.

Der Hörspielpreis der Kriegsblinden, der zu den renommiertesten Auszeichnungen für Hörspielautoren zählt, wird gemeinsam vom Bund der Kriegsblinden Deutschlands und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen getragen. Mit dem Preis wird laut Statut jährlich ein von einem deutschsprachigen Sender konzipiertes und produziertes Hörspiel ausgezeichnet, das "in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert".

Der Preis wurde bereits an Autoren wie Ingeborg Bachmann, Friedrich Dürrenmatt, Heiner Müller, Urs Widmer, Günter Eich, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Walter Kempowski und im letzten Jahr an die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek vergeben.

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