Hohe Verluste Springer will russische "Newsweek" einstellen

Eine Million Euro Minus macht die russische "Newsweek" pro Jahr. Nach SPIEGEL-Informationen will der Verlag Axel Springer seinen Lizenzvertrag auslaufen lassen. Zuletzt waren Gespräche mit einem Investor gescheitert, nun droht dem Blatt das Aus.


Die russische Ausgabe des Magazins "Newsweek" steht nach SPIEGEL-Informationen vor dem Ende. Offenbar will der federführende Axel-Springer-Verlag den Lizenzvertrag mit dem US-Partner Newsweek nicht verlängern.

Versuche der Moskauer Geschäftsführung, das Blatt durch den Verkauf an einen russischen Investor vor der Einstellung zu retten, waren in der vergangenen Woche gescheitert. Moskauer Medienanalysten schätzen den jährlichen Verlust auf knapp eine Million Euro. "Newsweek" war 2004 in Russland gestartet. Die Einstellung des Hefts ist auch ein Indiz für den wachsenden politischen Druck aus dem Kreml.

Im März hatte das Blatt mit einer Sex-Affäre seines Chefredakteurs Michail Fischman unfreiwillig Schlagzeilen gemacht. Im Internet waren Videos aufgetaucht, die Fischman beim Techtelmechtel mit einem Gelegenheitsmodel zeigen, er war nackt zu sehen und beim Konsum eines weißen Pulvers - mutmaßlich Kokain. Eine Sexfalle wurde vermutet, anscheinend waren Springers russische Journalisten zu unbequem geworden. "Newsweek" gilt als Bastion der Pressefreiheit in Russland, wo seit 2000 mindestens 17 Journalisten wegen ihrer Berichterstattung getötet wurden.



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