Holocaust-Ausstellung "Zug der Erinnerung" auf dem Abstellgleis

Der Streit der Initiative "Zug der Erinnerung" mit der Deutschen Bahn spitzt sich zu: Die mobile Ausstellung darf nicht im Berliner Hauptbahnhof halten, die Organisatoren nannten die Entscheidung "beschämend". Die Bahn wies die Vorwürfe zurück - und bot einen S-Bahnhof an.


Berlin - Eine Einigung im Streit der Initiative "Zug der Erinnerung" mit der Deutschen Bahn ist nicht in Sicht: Die mobile Ausstellung, die an die Deportation jüdischer Kinder und Jugendlicher in der NS-Zeit erinnert, soll ab Sonntag für zehn Tage in Berlin Station machen. Nach den Wünschen der Organisatoren soll der Zug an fünf Hauptstadt-Bahnhöfen halten. Die Bahn hatte ursprünglich den Halt am Hauptbahnhof und der Station Grunewald abgelehnt, bot nun aber doch ein Gleis des S-Bahnhofs Grunewald nahe der Gedenkstätte für die Deportationen aus Berlin an.

Zeitzeugin Margot Kleinberger (l.) betritt auf dem Hauptbahnhof in Frankfurt am Main den "Zug der Erinnerung": Auf dem Berliner Hauptbahnhof soll das nicht möglich sein
DPA

Zeitzeugin Margot Kleinberger (l.) betritt auf dem Hauptbahnhof in Frankfurt am Main den "Zug der Erinnerung": Auf dem Berliner Hauptbahnhof soll das nicht möglich sein

Der Sprecher der Initiative, Hans-Rüdiger Minow, nannte das Verhalten der Bahn beschämend. Die Gründe für die Ablehnung der gewünschten Stopps seien "rechtsirrtümlich, falsch und vorgeschoben". Allerdings hatte die Initiative geplant, auf das Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald fahren, zu dem gar keine Schienenverbindung mit dem übrigen Netz mehr besteht. "Damit können Züge das Mahnmal schlichtweg nicht erreichen", erklärte die Bahn daraufhin. "Wer aus solch unleugbaren Fakten böse Absichten ableitet, handelt wider besseres Wissen" sagte Konzernsprecher Oliver Schumacher.

Die Ablehnung des Hauptbahnhofs als mehrtägigen Stopp des "Zuges der Erinnerung" begründete die Bahn mit technischen Problemen. Im Hauptbahnhof würde die Dampflok den Verkehr zu stark behindern, erklärte Bahnsprecher Jens-Oliver Voß. Außerdem könne man die Rauchmelder im Bahnhof nicht abschalten. Die Bahn bot zahlreiche Berliner Bahnhöfe als Ausweichhalt an, darunter Schöneweide, Lichtenberg, Charlottenburg, Südkreuz und Gesundbrunnen.

Den Vorwurf der Organisatoren, die Bahn behindere die rollende Ausstellung, wies Voß zurück. "Wir fördern und befürworten jede Initiative, die sich seriös mit dem Nationalsozialismus und der Reichsbahn in dieser Zeit auseinandersetzt." Die Entscheidung der Bahn zum Hauptbahnhof und zum Bahnhof Grunewald werde derzeit von der Bundesnetzagentur überprüft.

"Wir vertrauen darauf, dass die Bundesnetzagentur ein klares Wort spricht", erklärte Ausstellungs-Organisator Minow, der die Bahn und das Verkehrsministerium heftig attackierte. Die Bahn leugne die eigene Vergangenheit und werde ihrer historischen Verantwortung als Erbin der Reichsbahn nicht gerecht, betonte Minow. Die Verantwortung trage letztlich Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Für Samstag kündigte der Verein eine Protestkundgebung am Brandenburger Tor an.

Der Gedenkzug fährt seit November durch deutsche Städte und soll am 8. Mai im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz ankommen. Zwischen der Initiative und der Bahn hatte es in der Vergangenheit wiederholt Streit über die Nutzung von Bahnhöfen gegeben. Für Differenzen sorgten außerdem die Trassengebühren, die die Bahn dem Verein in Rechnung stellt. Voß erklärte, die Bahn sei dazu gesetzlich gezwungen. "Es gibt in diesem Fall keine Ausnahmeregelung."

Verkehrsminister Tiefensee (SPD) stellte sich jetzt hinter das Anliegen des Trägervereins. Er erwarte, "dass die Bahn alle für die Ausstellung anfallenden Trassen- und Stationsgebühren eins zu eins an den Zug der Erinnerung spendet". Seit Wochen beklagen sich die Ausstellungsmacher über die Gebühren von insgesamt bis zu 100 000 Euro. Für die Wanderausstellung müsse "ein zentraler Ort in Berlin gefunden werden", sagte Tiefensee am Dienstag. "Ich fordere die Bahn auf, hier eine konstruktive Haltung anzunehmen."

Der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz bezeichnete das Verhalten der Bahn als "absolut unverständlich, peinlich und provinziell". Bahnchef Hartmut Mehdorn müsse endlich ein Machtwort sprechen. "Dass der Zug der Erinnerung ausgerechnet in Berlin aufs Abstellgleis geschoben werden soll, ist nicht hinnehmbar", erklärte Schmitz.

hoc/AP/dpa

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