Holocaust-Dokument Schindlers Liste bei Ebay angeboten

Startpreis drei Millionen Dollar: Eine angeblich originale Liste mit Namen von jüdischen Mitarbeitern des deutschen Fabrikanten Oskar Schindler wird beim Online-Auktionshaus Ebay angeboten.

DPA

Hamburg/Washington - Das Dokument umfasst 14 Seiten, 801 Namen werden darin aufgeführt, jeweils mit Geburtsjahr und Beruf. Ausstellungsdatum ist der 18. April 1945. Mit dieser Liste soll der Industrielle Oskar Schindler versucht haben, Juden vor der Ermordung in den Vernichtungslagern der Nazis zu bewahren. Jetzt hat sie eine Auktionsagentur aus Kalifornien auf Ebay zum Verkauf angeboten. Der Startpreis beträgt drei Millionen Dollar (rund 2,3 Millionen Euro). Als Standort des angebotenen Artikels wird Israel genannt.

Schindler hatte während des Zweiten Weltkriegs insgesamt 1200 jüdische Häftlinge, die er häufig nur zum Schein als Zwangsarbeiter für seine Fabrik in Krakau von der SS angefordert hatte, gerettet. Seine Geschichte war durch das Oscar-prämierte US-Drama "Schindlers Liste" von Steven Spielberg Mitte der neunziger Jahre auch einem breiten Publikum bekannt geworden.

"Diese überaus seltene originale Schindlers Liste ist die einzige jemals auf dem Markt angebotene", heißt es in der Artikelbeschreibung bei Ebay. Sie sei eine von vier noch existierenden. Zwei befinden sich in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem in Jerusalem, die dritte in einer US-Gedenkstätte.

Wie die Anbieter der Liste, Gary Zimet und Eric Gazin, der "New York Post" sagten, erhoffen sie sich einen Verkaufspreis in Höhe von fünf Millionen Dollar. "Wir haben uns für Ebay entscheiden, weil es weltweit mehr als 100 Millionen Mitglieder hat, und dies ist eine globale Sache", sagte Gazin. "Es gibt Milliardäre, die diese Seite nutzen, reiche Prominente."

Dem Zeitungsbericht zufolge hatte Zimet das Dokument bereits 2010 im Auftrag des damaligen Besitzers, eines Neffen des Schindler-Vertrauten Itzhak Stern, für 2,2 Millionen Dollar angeboten. "Stern gab die Liste seinem Neffen, der sie 2011 an einen privaten Sammler verkaufte", sagte Zimet dem Blatt. "Nun möchte dieser Sammler sie verkaufen."

cbu/dpa



insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
Indigo76 20.07.2013
1.
Zitat von sysopDPAStartpreis drei Millionen Dollar: Eine angeblich originale Liste mit Namen von jüdischen Mitarbeitern des deutschen Fabrikanten Oskar Schindler wird beim Online-Auktionshaus Ebay angeboten. Holocaust-Dokument: Schindlers Liste bei Ebay angeboten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/holocaust-dokument-schindlers-liste-bei-ebay-angeboten-a-912169.html)
Wäre diese Liste echt, würde sie eben nicht über ebay verkauft werden. Hier hat der Verkäufer nicht das Recht, seinen Käufer auszuwählen. Was passiert denn, wenn ein Strohman einer rechten Gruppierung die Liste ersteigert und dann mit breitem Grinsen vor dem Verkäufer stehen und sagt: Rück raus das Ding - wir werden es jetzt medienwirksam verbrennen." Der Verkäufer könnte die Herausgabe ja nichtmal verweigern.
c.coolman 20.07.2013
2. optional
Die Liste über Ebay anzubieten ist ein kluger Schachzug und sollte sich für alle Beteiligten rechnen.
al_barka 20.07.2013
3. Spekulanten, nicht Sammler!
"Stern gab die Liste seinem Neffen, der sie 2011 an einen privaten Sammler verkaufte", sagte Zimet dem Blatt. "Nun möchte dieser Sammler sie verkaufen." Wer nach 2 Jahren "Besitz" (von Eigentum möchte ich hier nicht mal reden) ein Objekt, das er für 2,1 mio. Dolloar gekauft hat, nun für 5 mio. Dollar veräußern möchte, ist sicher kein Sammler, sondern einfach ein Spekulant. Egal ob Weizen, Schweinebäuche oder historische Aufzeichnungen, hauptsache, man verkauft es deutlich teurer als man bezahlt hat. Was dabei erzielt wird, ist im besten Fall ein Spekulationsgewinn, aber sicher kein gerechtfertigtes Einkommen.
erasmus89 20.07.2013
4. Widerlich...
Es ist menschenverachtend und widerlich, wie mit Menschenleben Geld gemacht wird. Diese Liste gehört zwangsweise einkassiert und verstaatlicht als historisches nationales Gedenkgut. Wie kann man nur moralisch so tief fliegen.
kein_gut_mensch 20.07.2013
5. Absolut
Zitat von erasmus89Es ist menschenverachtend und widerlich, wie mit Menschenleben Geld gemacht wird. Diese Liste gehört zwangsweise einkassiert und verstaatlicht als historisches nationales Gedenkgut. Wie kann man nur moralisch so tief fliegen.
Da schließe ich mich an. Absolut ekelhaft. Und ich bin eigentlich nicht der Typ mit dem erhobenen Zeigefinger. Wer sowas "verschachert" bei ebay ist moralisch in der untersten Schublade gelandet.
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