Holocaust-Gedenken Mahnmal für Homosexuelle wird gebaut

Drei Jahre nach dem Beschluss des Bundestags soll in Sichtweite des Berliner Holocaust-Mahnmals eine Gedenkstätte für die in der NS-Zeit verfolgten Homosexuellen errichtet werden. Realisiert werden soll der Entwurf eines norwegisch-dänischen Künstlerduos.


Berlin - In der Hauptstadt soll künftig neben dem Mahnmal für die während der NS-Zeit ermordeten Juden Europas eine weitere Holocaust-Gedenkstätte errichtet werden. Erinnert werden sollen die von den Nationalsozialisten verfolgten und getöteten Homosexuellen. Eine Jury empfahl heute die Realisierung eines Entwurfs des dänisch-norwegischen Künstlerduos Michael Elmgreen und Ingar Dragset, teilte die Berliner Senatsverwaltung für Kultur mit. Der Bund stelle für den Bau 450.000 Euro zur Verfügung. Beschlossen wurde der Bau der Gedenkstätte bereits vor drei Jahren im Bundestag.

Es soll gegenüber dem von Stararchitekt Peter Eisenman realisierten Holocaust-Mahnmal errichtet werden. In dem Entwurf werde offensichtlich Bezug auf das Stelenfeld genommen, indem sie die Grundform einer Stele, deutlich vergrößert, zu einer Art Haus werden lasse, heißt es in der Jurybegründung. "Wie durch ein Fenster blicke der Betrachter auf ein in das Innere projiziertes Filmbild. Dies zeige eine endlos wirkende Kussszene zwischen zwei Männern", sagte der Jury-Vorsitzende Norbert Radermacher. Die von außen eher kühl wirkende Betonform bekomme so einen ganz intimen Aspekt. Ohne verbale Hilfestellungen oder schriftliche Erklärungen werde das Thema der Homosexualität "direkt und doch subtil" vorgestellt.

Günter Dworek, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes, und Albert Eckert, Sprecher der Initiative "Der homosexuellen NS-Opfer gedenken" riefen laut dpa dazu auf, den Entwurf schnell umzusetzen. Sie erinnerten daran, dass es von 1933 bis 1945 eine Homosexuellenverfolgung gab, die in der Geschichte ohne Beispiel sei. "Zehntausende Männer wurden wegen homosexueller Handlungen strafrechtlich verurteilt. Tausende wurden wegen ihrer Homosexualität in Konzentrationslagern ermordet."



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