Holocaust-Leugnung Verfahren gegen Leni Riefenstahl eingestellt

Das von dem Verein Rom e.V. angestrengte Gerichtsverfahren gegen die Regisseurin Leni Riefenstahl wird wegen "geringer Schuld" eingestellt. Der 100-Jährigen wurde vorgeworfen, den KZ-Tod ehemaliger Komparsen ihres Films "Tiefland" verleugnet zu haben.


Regisseurin Riefenstahl: Verfahren in Anbetracht des hohen Alters eingestellt
DPA

Regisseurin Riefenstahl: Verfahren in Anbetracht des hohen Alters eingestellt

Frankfurt/Main - An der Strafverfolgung bestehe kein öffentliches Interesse, sagte der Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Job Tilmann, am Freitag. Das Verfahren sei deshalb am 26. September mit Zustimmung des Gerichts eingestellt worden. Die Ermittlungen hatten sich auf den Vorwurf der Volksverhetzung und Holocaust-Leugnung sowie der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener bezogen.

Der Verein Rom e.V. hatte die 100-Jährige Mitte August angezeigt, weil sie - bezogen auf ihren zwischen 1940 und 1942 entstandenen Spielfilm "Tiefland" - in einem Interview der "Frankfurter Rundschau" erklärt hatte, "alle Zigeuner, die in 'Tiefland' mitgewirkt haben, nach Kriegsende wiedergesehen" zu haben. Tatsächlich seien aber die meisten als Komparsen Mitwirkenden in Konzentrations- und Vernichtungslagern umgebracht worden.

Riefenstahl habe zwar den Tatbestand der Verunglimpfung Verstorbener erfüllt, weil sie das Schicksal dieser Menschen in Abrede gestellt habe, erklärte Oberstaatsanwalt Tilmann. Sie habe sich aber in einer Unterlassungserklärung verpflichtet, die "inkriminierende Behauptung" nicht länger aufzustellen. Nach Tilmanns Worten rechtfertigt dies sowie das hohe Alter der Beschuldigten die Einstellung des Verfahrens.



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