Holocaust-Zeitzeuge Max Mannheimer ist tot

Er war einer der prominentesten Holocaust-Überlebenden und Repräsentant der Juden in Deutschland. Seit Kriegsende kämpfte Max Mannheimer gegen das Vergessen an. Jetzt ist er gestorben.

Max Mannheimer im Januar 2015
DPA

Max Mannheimer im Januar 2015


Max Mannheimer, Überlebender der Konzentrationslager Auschwitz und Dachau, ist im Alter von 96 Jahren in einer Münchner Klinik gestorben. Dies teilte die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, am Samstag mit. Mannheimer war seit 1988 Vorsitzender der 1946 von ehemaligen Häftlingen gegründeten "Lagergemeinschaft Dachau".

Hammermann bestätigte am Sonntag die Nachricht vom Ableben Mannheimers: "Das ist eine sehr traurige Nachricht. Die Gedenkstätte und ihre Mitarbeiter trauern um einen guten Freund." Wie kein Zweiter habe er sich mit seiner ganzen Person eingebracht, um gegen das Vergessen anzukämpfen und gleichzeitig als Versöhner aufzutreten. Mannheimer wurde für sein Wirken mit vielen Auszeichnungen geehrt.

Mannheimer, am 6. Februar 1920 in Neutitschein, Nordmähren, geboren, erlebte zur Zeit des Nationalsozialismus ein beispielloses Martyrium. Früh nahmen seine Familie und er wachsende Diskriminierungen wahr. Nach der "Angliederung" des Sudetenlandes wurde der Vater bereits 1938 erstmals verhaftet.

Die Flucht der Familie in angrenzende Länder reichte nicht, der Krieg und die Nazis holten sie ein: Im Januar 1943 wurde sie zunächst nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Die Eltern, Mannheimers Ehefrau und eine Schwester wurden noch in der ersten Nacht in den Gaskammern ermordet, eine weitere Schwester drei Wochen später, ein Bruder im Monat darauf. Die letzten zwei Überlebenden der Familie, die Brüder Max und Edgar, sollten auch noch die Verlegung nach Dachau und Jahre der Zwangsarbeit überleben.

Dass Max Mannheimer nach diesen Erlebnissen blieb und sich über Jahrzehnte im politischen wie kulturellen Leben des Landes engagierte, zeigt seine Größe: Zunächst, erzählte er selbst in seiner Autobiografie, habe er nur gehen wollen. Dann traf er seine zweite Ehefrau, Deutsche und ehemalige Widerstandskämpferin, und entschied anders: Mannheimer wurde zu einem beredten Zeugen und Dokumentar der unsäglichen Verbrechen der Nazizeit. Seinen letzten großen öffentlichen Auftritt erlebte er im Februar 2015, als er den US-Vizepräsidenten Joe Biden bei dessen Privatbesuch der Gedenkstätte Dachau empfing.

dpa/pat

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