Houellebecq-Inszenierung Münchner Kammerspiele streichen "Unterwerfung"

Michel Houellebecqs Roman "Unterwerfung" ist in Deutschland ein Bühnenhit und an mehreren Theatern im Programm. In München wird er vorerst nicht zu sehen sein: Die Kammerspiele haben die geplante Aufführung abgesagt.

Michel Houellebecq (2014)
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Michel Houellebecq (2014)


Nach einem Regisseurwechsel mitten in den Proben haben die Münchner Kammerspiele die Aufführung von Michel Houellebecqs umstrittenem Roman "Unterwerfung" gestrichen. "Die Produktion konnte sich nicht aus der durch die Absage des Regisseurs Julien Gosselin verursachten Krise befreien", teilte das Theater mit. Die für den 19. November vorgesehene Premiere entfalle ersatzlos. Für weitere Vorstellungstage sei Ersatz geplant.

Nach drei Wochen Probenzeit hatte Gosselin kürzlich hingeschmissen. Grund sei eine "Krise", hervorgerufen durch technische Unstimmigkeiten, sagte Intendant Matthias Lilienthal. Um inhaltliche Fragen sei es nicht gegangen. Hausregisseur Nicolas Stemann, der im April an den Kammerspielen Elfriede Jelineks Stück "Wut" über den Terroranschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" uraufführte, sollte das Projekt übernehmen. Lilienthal hatte sich "guter Hoffnung" gezeigt.

Bei dem Projekt "Unterwerfung/Plattform" handelt es sich um eine Kombination aus zwei Romanen des französischen Autors Houellebecq. "Plattform" erschien vor rund 15 Jahren, "Unterwerfung" 2015. In "Unterwerfung" entwirft der Franzose die Fiktion eines islamischen Staates. Das Buch kam in Frankreich am 7. Januar 2015 auf den Markt. Am selben Tag ermordeten zwei islamistische Attentäter in der Redaktion des Pariser Satiremagazins "Charlie Hebdo" zwölf Menschen.

Vor wenigen Wochen wurde Houllebecq "für herausragende Leistungen zum Verstehen unserer Zeit" von der Frank-Schirrmacher-Stiftung mit dem Frank-Schirrmacher-Preis ausgezeichnet. Die Auszeichnung stieß auf Kritik.

Houellebecqs Roman "Unterwerfung" ist in Deutschland derzeit ein Bühnenhit. Dramatisierungen des Romans laufen am Schauspielhaus in Hamburg und am Deutschen Theater in Berlin.

mka/dpa



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