Häufung von Belästigungsvorwürfen Hubertus Knabe muss Stasi-Gedenkstätte verlassen

Sieben Frauen warfen dem Vizechef der Gedenkstätte Hohenschönhausen übergriffiges Verhalten bis hin zu sexueller Belästigung vor. Jetzt muss Direktor Hubertus Knabe ebenfalls die Stiftung verlassen.

Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
DPA

Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen


Ende vergangener Woche waren die Vorwürfe laut geworden: Über Jahre soll der Vizedirektor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Helmuth Frauendorfer, Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben. Die Senatsverwaltung leitete daraufhin Untersuchungen ein.

Jetzt hat der Stiftungsrat entschieden, dass nicht nur Frauendorfer, der zunächst beurlaubt wurde, die Stiftung verlassen soll - sondern auch der Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe. Das erfuhr der SPIEGEL aus internen Quellen. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen. Knabe sei demnach ab sofort freigestellt, ihm solle gekündigt werden.

In einem Brief hatten sich Mitarbeiterinnen schon am 8. Juni an Berlins Kultursenator Klaus Lederer und Kulturstaatsministerin Monika Grütters gewandt. In dem Schreiben berichteten sie laut dem "Tagesspiegel" von einer "erschreckenden Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster".

Dieses Verhalten soll Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe über Jahre geduldet haben. Auch er selbst habe sich einigen Frauen gegenüber inadäquat geäußert. Die beiden Leiter hätten insgesamt ein Klima erzeugt, das dem "Frauenbild der Fünfzigerjahre" entsprochen habe.

Knabe hatte sich unmittelbar nach den Vorwürfen in einer Pressemitteilung geäußert, in der er sich betroffen über die Berichte zeigte: "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ein absolutes No-Go." Die Vorwürfe müssten ohne Ansehen der Person aufgeklärt werden.

Mit den Vorwürfen gerät die Gedenkstätte erneut in die Kritik. Erst im August war bekannt geworden, dass die Stiftung ihre Zusammenarbeit mit dem Förderverein ausgesetzt hat. Grund war die Nähe des Leiters des Fördervereins, Jörg Kürschner, zu AfD-Positionen. Kürschner, selbst ehemaliger Häftling in dem Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, schreibt für die Zeitung "Junge Freiheit", die als Sprachrohr der Neuen Rechten gilt.

eth/klw



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