Im Kampf gegen den Boulevard: Hugh Grant zieht nach Brüssel
Hugh Grant führt einen Kreuzzug gegen die vermeintliche Übermacht der Boulevardmedien und bekämpft seinen Feind jetzt sogar in Brüssel. Der Schauspieler, der sich als Opfer des britischen Abhörskandals sieht, hofft auf europäische Schützenhilfe - weil er der eigenen Regierung nichts zutraut.
Brüssel - Der eigenen Regierung traut Hugh Grant offenbar nicht zu, ihn bei seinem Kampf zu unterstützen. Deshalb zieht der Brite jetzt in seinem Kreuzzug gegen die Boulevardblätter bis nach Brüssel. Der 51-jährige Schauspieler setzt sich bei der Europäischen Union (EU) für ein Gesetz ein, das die Macht der Medien regulieren soll.
Er wünsche sich, dass "Europa dabei hilft, die Anzahl gewisser Medien, die jemand besitzen kann, zu begrenzen", erklärte der Schauspieler im Anschluss an ein Treffen mit der niederländischen EU-Medienkommissarin Neelie Kroes. Anderenfalls entstünden große Konzerne, die das öffentliche Leben diktieren, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.
Der belgischen Zeitung "De Standaard" zufolge will Grant in Brüssel sogar das Europäische Parlament von seinem Standpunkt überzeugen. Der Brite nimmt in Belgiens Hauptstadt am Mittwoch an einem Forum zum Pluralismus in den Medien mit dem Titel "Wider? World? Web?" teil, berichten die "Irish Times".
Im November vergangenen Jahres hatte Hugh Grant bereits in dem Skandal um britische Boulevardmedien, der vor allem den Konzern von Rupert Murdoch erschüttert, vor einem Untersuchungsausschuss in London ausgesagt - und dabei kräftig gegen den Boulevard im Allgemeinen und Paparazzi im Speziellen gewettert. Der prominente Filmstar, dem die Lust an der Schauspielerei nach eigenen Angaben zu vergehen scheint, äußerte den Verdacht, sein Telefon sei im Auftrag der britischen "Mail on Sunday" abgehört worden und bezichtigte das Blatt der Spionage. Damit geriet erstmals eine Zeitung in den Fokus, die nicht zum Murdoch-Imperium gehört.
Grant zweifelt an britischer Regierung
Der Schauspielstar betonte nun in Brüssel, es sei seine Fantasie, dass es Leitlinien gebe, die die Marktanteile von Medienkonzernen begrenzen. Er zweifle aber daran, dass die britische Regierung sich dieser Frage annehmen werde. Bislang existiert keine europaweite Regulierung, die sich speziell mit Marktanteilen von Medien befasst; das Wettbewerbsgesetz der EU deckt alle Sektoren ab.
Der Murdoch-Konzern News International wolle dem Bericht der "Irish Times" zufolge übrigens davon absehen, einer Einladung der Brüsseler Veranstalter zu folgen und sich der Debatte mit Grant zu stellen. Im Verfahren um den Skandal bei den Murdoch-Blättern sind Mitte des Monats die frühere "The Sun"-Chefredakteurin Rebekah Brooks und ihr Ehemann erstmals vor Gericht erschienen. Ihnen drohen Haftstrafen von mehreren Jahren.
Die Affäre belastet auch den britischen Premier David Cameron, weil sein früherer Pressechef Andy Coulson verdächtigt wird, in seiner Zeit als Chefredakteur bei der mittlerweile eingestellten Boulevardzeitung "News of the World" in den Skandal verstrickt gewesen zu sein. Journalisten des Blatts sollen damals Telefone von Prominenten, Politikern und Ermittlern abgehört und Polizisten bestochen haben. Coulson wurde deshalb Ende Mai vorübergehend festgenommen und angeklagt.
bos/Reuters
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- Mittwoch, 27.06.2012 – 15:04 Uhr
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