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In eigener Sache: Unverständnis über Aberkennung des Egon-Erwin-Kisch-Preises

SPIEGEL-Redakteur René Pfister hatte den diesjährigen Henri-Nannen-Preis für die beste Reportage erhalten. Nun hat die Jury ihm die Auszeichnung aberkannt. Der SPIEGEL nimmt die Entscheidung der Jury mit Unverständnis zur Kenntnis.

Hamburg - Die Jury des Henri-Nannen-Preises hat René Pfister den Preis für die beste Reportage aberkannt. Der SPIEGEL-Redakteur hatte die Auszeichnung am vergangenen Freitag für seine Reportage "Am Stellpult" über den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer erhalten (hier geht es zum Text als HTML-Fassung, hier zur PDF-Fassung).

Im Folgenden die Begründung der Jury und die Stellungnahme des SPIEGEL.

Die Begründung der Jury des Henri-Nannen-Preises:

"Die Jury des Henri Nannen Preises hat in ihrer Sitzung am 5. Mai 2011 den Preis für die beste Reportage des Jahres 2010 (Egon Erwin Kisch-Preis) an den SPIEGEL-Reporter René Pfister für ein Porträt des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer vergeben.

Nach der Jury-Entscheidung wurde durch eigene Bekundung Pfisters bekannt, dass die Eingangspassage der preisgekrönten Reportage, eine detaillierte Schilderung von Seehofers Umgang mit seiner Modelleisenbahn im Keller seines Ferienhauses, entgegen dem Eindruck der Leser und aller Juroren nicht auf der eigenen Wahrnehmung des Autors beruht. Die Glaubwürdigkeit einer Reportage erfordert aber, dass erkennbar ist, ob Schilderungen durch die eigene Beobachtung des Verfassers zustande gekommen sind, oder sich auf eine andere Quelle stützen, die dann benannt werden muss.

Die Jury hat deswegen am 8. Mai die Reportage Pfisters und die Preisvergabe noch einmal intensiv diskutiert und am Ende mehrheitlich entschieden, ihr Urteil zu revidieren. René Pfister wird der Preis aberkannt.

Die Jury betont aber, dass sie keinen Zweifel an der Korrektheit von Pfisters Fakten hat. Von einer 'Fälschung' kann keine Rede sein. Zudem besteht der weitaus größte Teil der Reportage aus eigenen Beobachtungen Pfisters, die er bei wiederholten Begegnungen mit Seehofer und bei dessen Begleitung auf Reisen gewonnen und zu einem sprachlich wie dramaturgisch gelungenen Text verarbeitet hat.

Wenn aber eine Reportage als die beste des Jahres ausgezeichnet und damit als vorbildlich hervorgehoben werden soll, muss sie besondere Anforderungen erfüllen. Pfisters Text erfüllt diese Anforderung nach Ansicht der Jury-Mehrheit nicht."

Die Stellungnahme des SPIEGEL:

"Mit Unverständnis hat der SPIEGEL die Entscheidung der Henri-Nannen-Preis-Jury zur Kenntnis genommen, SPIEGEL-Redakteur René Pfister den Egon-Erwin-Kisch-Preis für seine Reportage ("Am Stellpult") abzuerkennen.

René Pfister hat in den ersten vier Absätzen seiner vier Seiten umfassenden Geschichte über Horst Seehofer das Hobby des CSU-Vorsitzenden geschildert, der in seinem Keller eine Märklin-Eisenbahn stehen hat. Die Informationen für den Einstieg beruhten auf Gesprächen mit Seehofer, dessen Mitarbeitern sowie SPIEGEL-Kollegen, die den Hobbykeller selbst in Augenschein genommen haben. An keiner Stelle hat der Autor behauptet, selbst in dem Keller gewesen zu sein.

Die Fakten der Eingangspassage sind zudem unbestritten.

In der Vergangenheit sind bereits öfter Geschichten mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet worden, die szenische Rekonstruktionen enthielten. Jede Reportage besteht nicht nur aus Erlebtem, sondern auch aus Erfragtem und Gelesenem.

Die Jury hat mehrheitlich entschieden, René Pfister den Preis abzuerkennen, ohne ihn selbst anzuhören oder Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.

Ein solcher Umgang mit einem untadeligen Kollegen widerspricht den Regeln der Fairness."

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Forum - Nannen-Preis - ist die Aberkennung bei René Pfister gerechtfertigt?
insgesamt 56 Beiträge
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1.
I'm a Substitute 09.05.2011
Offiziell ist die Sache bereits entschieden - Pfister ist der Egon-Erwin-Kisch-Preis bereits wieder aberkannt worden (http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1883592/Jury-erkennt-Spiegel-Redakteur-Nannen-Preis-ab.html)... Dies ist ein Novum in der Geschichte Na, Preisträger für einen Tag (http://www.sueddeutsche.de/medien/henri-nannen-preis-debatte-um-siegertext-bei-seehofer-im-keller-1.1094665) zu sein, ist ja auch was - und das Medienecho währt also doppelt so lang... Die eigentliche Reportage, die der Jury zunächst so preiswürdig erschien, ist übrigens im Volltext (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73290158.html) online nachzulesen.
2.
kleiner-moritz 09.05.2011
Zitat von sysop"Am Stellpult" von René Pfister - halten Sie die Aberkennung des Nannen-Preises für gerechtfertigt, weil der Autor die Quelle für seinen Einstieg nicht deutlich gemacht hat? Was denken Sie?
Beruhigender wäre es, würde die vereinte Jounalie die Sache mit der Wahrheit auch dann erst nehmen, wenn sie - auch im Rahme des "Pressekodex" - die selbe dem Leser vorsätzlich verschweigt!
3. *
Hoppeditz 09.05.2011
Zitat von sysop"Am Stellpult" von René Pfister - halten Sie die Aberkennung des Nannen-Preises für gerechtfertigt, weil der Autor die Quelle für seinen Einstieg nicht deutlich gemacht hat? Was denken Sie?
Wenn Pfister die ersten vier Absätze nicht abgeschrieben hat, sondern in ihnen Gelesenes und ihm Erzähltes in seinem eigenen Duktus wiedergibt, ist das meines Erachtens eine nicht zu beanstandende Aufarbeitung einer Recherche. Da haben die Jurymitglieder wohl zu oft auf GuttenPlag Wiki gesurft.
4. Hat das die Jury ...
Glasperlenspiel, 09.05.2011
... eigentlich nicht eher wissen können?
5. Unverständnis auch von...
Nania 09.05.2011
... meiner Seite. Denn in diesen Zeilen steht nichts drin, was den Rest der Reportage ernsthaft betrifft. Zudem sind es keine Informationen, die nicht aus einem vier bis fünf minütigen Gespräch herauszuholen sind. Welche Jury sich deshalb echauffiert... die sind in meinen Augen neidisch.
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